Schock nach Brand-Tragödie, Trauer um zwei Mädchen
Der Tod zweier Mädchen (4 und 7) bei einem Wohnungsbrand erschüttert Innsbruck. Als Brandursache wird offenes Licht vermutet.
Von Wolfgang Otter und Renate Perktold
Innsbruck - Fassungslos und voller Trauer stehen die Menschen vor dem Mehrparteienwohnhaus in der Kranebitter Allee in Innsbruck, in dem sich am Samstag gegen 2 Uhr eine Tragödie abgespielt hat. Eine Folie verdeckt am Nachmittag den Blick auf das Fenster im Parterre, hinter dem zwei Kinder einer sechsköpfigen Familie im Feuer umgekommen sind.
„Es waren nette Kinder", erzählt eine Nachbarin mit Tränen in den Augen. Man habe sich gekannt, sei vom Vater der beiden vier und sieben Jahre alten Mädchen in der Früh auf dem Weg zur Arbeit freundlich gegrüßt worden. „Eine nette Familie. Man kann nur beten, dass den eigenen Kindern so etwas nie passiert", sagt die Frau noch einmal, erschüttert von den nächtlichen Ereignissen. Sie selbst sei erst durch die Rufe der Helfer im Hof munter geworden. Ein Mädchen, das in der Nachbarwohnung neben dem Unglückszimmer schlief, „bemerkte, dass etwas nicht stimmt", berichtet Markus Hammerl vom Landeskriminalamt.
Das Kind alarmierte seine Eltern und dürfte so dem Rest der Familie das Leben gerettet oder zumindest vor schweren Verletzungen bewahrt haben. Der vierfache Familienvater versuchte noch, seine Töchter mit Hilfe des Nachbarn aus dem Zimmer zu retten. Doch sie hatten angesichts der Flammen keine Chance mehr.
Auch die rasch zum Unglücksort geeilten Helfer konnten den Mädchen nicht mehr helfen. Die Einsatzkräfte waren bereits bei der Anfahrt informiert worden, dass der Brand in einer Wohnung mit vier Kindern ausgebrochen sei, wie Feuerwehr-Einsatzleiter Andreas Friedl gegenüber der TT erklärt. Gemeinsam mit der Feuerwehr eilten Polizei und Rettung zum Brandort.
„Das Kinderzimmer stand bei unserem Eintreffen in Vollbrand, für die beiden kam leider jede Hilfe zu spät", bedauert Friedl. Der Brand sei direkt in jenem Zimmer ausgebrochen, in dem die Vier- und die Siebenjährige schliefen, weiß Markus Hammerl. Die Polizei und die Nachbarn bewegte am Samstagnachmittag auch die Frage nach der Ursache des Brandes. „Wie konnte das nur passieren?", hörte man immer wieder im Innenhof der Siedlung.
„Können technische Brandursache ausschließen"
Das Landeskriminalamt hatte dann nach dem Einsatz seiner Spezialisten erste Erkenntnisse darüber. „Wie die Spurenlage ergeben hat, können wir eine technische Brandursache ausschließen", sagt Markus Hammerl zur Tiroler Tageszeitung. Damit müsse offenes Licht im Spiel gewesen sein, das letztlich außer Kontrolle geraten ist.
Weitere Erkenntnisse könnte nun die Obduktion der vier und sieben Jahre alten Opfer ergeben, die heute stattfinden soll. Auch eine Befragung der Eltern war gestern noch nicht möglich. Man gehe angesichts des Unglücks äußert sensibel vor, berichtete Hammerl der Tiroler Tageszeitung.
Die Tragödie wird wohl lange Zeit die Menschen in den Wohnhäusern an der Kranebitter Allee und im ganzen Land bewegen. Gestern lag Stille über dem Innenhof der Siedlung. Kerzen waren vor dem Aufgang zur Wohnung abgestellt worden. „Es werden traurige Weihnachten", sagt eine Frau. Auch sie hat Tränen in den Augen, während sie Kerzen auf den Boden stellt. Die Siedlung leidet und trauert mit den Eltern und zwei Geschwistern (2 und 11), die die Feuerkatastrophe überlebt haben.
Der Vater musste verletzt in die Klinik gebracht werden, die Mutter und Kinder wurden psychologisch betreut. Mittlerweile sind sie bei Verwandten untergekommen.