Österreichischer Arbeitsmarkt von hoher Dynamik geprägt
Rund drei Viertel der österreichischen Beschäftigten sind nach einem Jobwechsel maximal zwei Jahre im neuen Job.
Wien – Österreicher sind „fleißige“ Jobwechsler: Laut den neuesten Zahlen der Statistik Austria, beenden 74 Prozent der weiblichen Beschäftigten und 81 Prozent der Männer, die ihren Arbeitsplatz wechseln, nach zwei Jahren wieder. Und nur 17 Prozent wechseln direkt in einen neuen Job. Die häufigsten Folgen sind dann Arbeitslosigkeit (25 Prozent) und, meist kurzfristige Phasen als „sonstige Nicht-Erwerbsperson“.
Für die neue Erhebung hat sich die Statistik Austria jene Menschen angesehen, die im Jahr 2010 einen neuen Job begonnen haben. Geringfügig Beschäftigte, Lehrlinge, Beamte und Praktikanten wurden nicht berücksichtigt, ebenso wenig die 600.000 Saisonarbeiter, die wieder beim selben Dienstgeber begonnen haben, erklärte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Von den 2,2 Millionen Menschen, die eine unselbstständige Beschäftigung aufgenommen haben, blieb dann nur mehr eine Grundgesamtheit von rund 1 Million. Für die Job-Startjahre 2011 und 2012 habe sich die Struktur nicht stark verändert, so Pesendorfer.
Nur 28 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren und 22 Prozent der gleichaltrigen Männer sind nach zwei Jahren noch im selben Job tätig. Dabei spielt Elternkarenz bei Frauen dieser Altersgruppe nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich 9 Prozent der von 25- bis 34-jährigen Frauen neu aufgenommenen Jobs werden innerhalb von zwei Jahren aufgrund einer Elternkarenz unterbrochen oder beendet.
Frauen meist länger als Männer im selben Job
Nach Branchen betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Beschäftigungsdauer 25- bis 34-Jähriger. Ein für viele vielleicht überraschendes Ergebnis: Frauen bleiben über alle Altersgruppen hinweg länger im selben Job - auch im sogenannten Hauptfertilitätsalter, wie es die Statistiker nennen. So sind 28 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen nach zwei Jahren noch beim selben Arbeitgeber, bei den Männern sind es nur 22 Prozent.
Frauen in dieser Altersgruppe anzustellen, ist für Dienstgeber gar kein so großes Risiko: Lediglich 9 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen gehen in den ersten Jahren in Elternkarenz. Bei den 35- bis 44-jährigen Frauen sind es überhaupt nur 3 Prozent. Die Elternkarenzwahrscheinlichkeit bei Männern ist verschwindend gering.
Im Verkehrswesen, bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie im öffentlichen Bereich ist der Anteil der 25- bis 34-jährigen Frauen mit einer Beschäftigungsdauer von mindestens zwei Jahren höher als jener der gleichaltrigen Männer. Im Bauwesen ist der Unterschied besonders groß. Der Grund dafür liegt aber in erster Linie in den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen von Frauen und Männern in dieser Branche: Während Männer im Bauwesen häufig einer Saisonbeschäftigung nachgehen, sind Frauen in stärkerem Ausmaß in jahresdurchgängigen Beschäftigungsverhältnissen zu finden.
In der Informations- und Kommunikationsbranche, im Produktionsbereich sowie bei den freiberuflichen und technischen Dienstleistungen dauern hingegen die Beschäftigungsverhältnisse der Männer länger als jene der Frauen.
Generell sind junge Leute „job hopper“ und auch immer wieder einmal ohne Arbeit. Ganze 24 Prozent der Männer und Frauen, die kürzer als zwei Jahre an ein und demselben Arbeitsplatz waren, wurden arbeitslos, 22 Prozent haben ihren Dienstgeber gewechselt. 6 Prozent zogen ins Ausland, 16 Prozent wurden als „Nicht-Erwerbspersonen“ ausgewiesen, suchten also nicht offiziell nach einer Arbeit. Meist handelt es sich dabei um ganz kurze Übergangsphasen, so die Statistik Austria. Ältere Menschen bleiben statistisch gesehen länger im Job.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beschäftigungsverhältnis nach zwei Jahren noch besteht, ist bei 25- bis 34-jährigen Personen mit einem Hochschulabschluss zwar am höchsten, allerdings liegt der Anteil bei Männern deutlich über jenem von Frauen. Bei Personen der gleichen Altersklasse mit Abschluss einer Lehre oder berufsbildenden mittleren Schule und vor allem bei Arbeitnehmern mit einem Pflichtschulabschluss ist der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse, die nach zwei Jahren noch aufrecht sind, viel niedriger. Der Anteil von Frauen ist hier jedoch deutlich höher als jener der Männer. Kaum einen Unterschied gibt es bei Personen mit Matura als höchstem Bildungsabschluss, 31 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer sind nach zwei Jahren noch im selben Job tätig. (TT. com, APA))
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