Lonza schluckt Kapselhersteller Capsugel - 5,5-Milliarden-Deal
Basel (APA/sda) - Der Schweizer Spezialchemiekonzern Lonza macht die größte Übernahme seiner Firmengeschichte: Das Unternehmen mit Sitz in B...
Basel (APA/sda) - Der Schweizer Spezialchemiekonzern Lonza macht die größte Übernahme seiner Firmengeschichte: Das Unternehmen mit Sitz in Basel kauft die amerikanische Capsugel für 5,5 Milliarden Dollar (5,17 Mrd. Euro) vom Finanzinvestor KKR.
Im Kaufpreis inbegriffen ist die Refinanzierung bestehender Schulden von Capsugel von etwa 2 Milliarden Dollar - bei Übernahmegerüchten der letzten Tage war diese Frage noch offen gewesen. Lonza erhofft sich durch die Akquisition schnelleres Wachstum dank einem breiteren Angebot für die Kunden von der Pharma- bis zur Lebensmittelbranche.
Gemeinsam könne man besser auf Kundenbedürfnisse für integrierte wertschöpfende Lösungen reagieren, sagte Lonza-Chef Richard Ridinger am Donnerstag vor den Medien in Basel. Zusammen werde man fast doppelt so groß wie Konkurrenten und sei breiter aufgestellt. Mit Behörden-Einwänden gegen die Übernahme rechnet er nicht.
Capsugel stellt vor allem Kapseln und andere Mittel zur Verabreichung von Medikamenten her. Laut Lonza ergänzt die Firma die eigene Produktion von Wirkstoffen für Arzneimittelfirmen ideal. Die Firmenkulturen passen laut Ridinger ausgezeichnet zusammen. Zudem habe Capsugel keinerlei Restrukturierungsbedarf; alles laufe gut.
Addiert kommen die Unternehmen auf einen Umsatz von rund 4,8 Milliarden Franken (4,47 Mrd. Euro) und ein operatives Ergebnis von 1,1 Milliarden Franken. 2015 hatte Capsugel alleine bei einer Milliarde Dollar Umsatz 344 Millionen Gewinn auf Stufe EBITDA erzielt. Die Übernahme soll im zweiten Quartal 2017 abgeschlossen sein.
Der Deal soll Synergien generieren: Ab dem drittem Jahr operativ rund 30 Millionen Franken, steuerlich 15 Millionen sowie umsatzmäßig ab dem fünftem Jahr - insbesondere dank Cross-Selling-Effekten - 100 Millionen. Diese Erwartungen seien „konservativ“ beziffert, sagte Ridinger; man wolle Synergien nicht überstürzt realisieren.
Die operativen Synergien werden indes Arbeitsplätze kosten. Zahlen nannte Ridinger nicht, versprach aber, es werde nicht mehr als die „üblichen Doppelspurigkeiten“ betreffen. Heute hat Lonza 9.800 Angestellte und Capsugel 3.600; addiert sind das 13.400. Von den rund 2.800 Lonza-Vollstellen in der Schweiz sind rund 2.400 in Visp.
Lonza erwartet, dass sich die Übernahme 2018 positiv auf den Gewinn auswirken wird. Das Unternehmen will die Akquisition durch eine Kombination aus Fremdkapital und Eigenmittel finanzieren und plant eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von bis zu 3,3 Milliarden Franken. Die Banken-Zusagen liegen laut Ridinger jetzt vor.
Laut Finanzchef Rodolfo Savitzky will Lonza die akquisitionsbedingten Schulden rasch aus dem Cashflow zurückzahlen. Die Verschuldung soll so nach drei Jahren wieder auf dem aktuellen Stand sein. Capsugel erzielt übrigens deutlich höhere Margen als Lonza, wie Ridinger weiter sagte.
Lonza ist an der Börse zur Zeit rund neun Milliarden Franken wert. Trotz des finanziellen Kraftaktes der Akquisition will Lonza die aktuelle Dividendenpolitik beibehalten. Einen aktualisierten Ausblick will man Mitte 2017 liefern.
Lonza versucht seit längerem, das Geschäft mit Kunden aus der Pharma- und Biotech-Branche durch Zukäufe auszubauen. Nach mehreren kleineren Übernahmen trat der Konzern im April mit einem milliardenschweren Kaufangebot an den US-Pharmazulieferer Catalent heran; zu einer Transaktion kam es dann aber nicht.
Der Healthcare-Markt sei attraktiv, da relativ konjunkturfest, hielt Ridinger fest. Das zweite Standbein der Basler sind industrielle Chemieprodukte wie Desinfektions- und Konservierungsmittel oder Holzschutzprodukte.
Am Kauf des US-Biozidherstellers Arch 2011 für 1,4 Milliarden Dollar hatte Lonza länger zu kauen als erhofft.
Händler beurteilten den Capsugel-Kaufpreis von 5,5 Milliarden Dollar als hoch. Die Börse reagierte zunächst ungnädig; der Lonza-Kurs fiel am Donnerstagmorgen und stabilisierte sich darauf. Ridinger gab sich jedoch überzeugt, dass Anleger bald die Vorteile der Übernahme erkennen und der Kurs zulegen werde. Am Abend betrug das Kursminus 4,6 Prozent.
KKR hatte Capsugel 2011 für 2,4 Milliarden Dollar von Pfizer erworben. Das Unternehmen beliefert über 4.000 Firmenkunden in gut 100 Ländern vor allem mit Kapseln, in die medizinische Wirkstoffe eingefüllt werden können, die Patienten dann schlucken.
Capsugel geht auf den US-Konzern Parke-Davis zurück, der ab 1874 Kapseln produzierte und 1970 mit der Firma Warner Lambert fusionierte, die ihrerseits 200 von Pfizer gekauft wurden. Die Capsugel AG entstand 1963 in Basel als Europa-Ableger des Kapselgeschäfts und zog 2005 weg - „Capsugel is coming home“ sagte Ridinger nun in Anspielung darauf.
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