Nußdorf-Debant: Rätsel um Fliegerschicksal von 1944
Zeitzeugen berichten vom Absturz einer „Messerschmitt 109“ während des 2. Weltkriegs in Debant. Nach dem Fund von Kleinteilen des Flugzeugs erfolgte eine geomagnetische Sondierung. Nun kennt man die exakte Einschlagstelle.
Von Claudia Funder
Nußdorf-Debant –Der Lienzer Roland Domanig befasst sich seit 1998 mit Fliegerschicksalen auf deutscher und alliierter Seite in Osttirol. Er recherchierte etliche Fälle. Als er 2013 eine Notlandung in Debant erforschte, meldeten sich auch Zeitzeugen, die 1944 ein anderes Ereignis nahe Lienz beobachtet hatten. Simon Santer und Engelbert Kofler waren die Ersten, die von einem Flugzeugabsturz in Debant während der Kriegszeit erzählten. In der Folge bestätigten Silvester Lindsberger, Stefanie Egger und Balthasar Unterguggenberger den Vorfall und schärften mit weiteren Informationen den Blick auf das Geschehnis. Zur Aufschlagstelle gab es vage Angaben. Der Fallschirmabsprung des Piloten war beobachtet worden. Auch der bekannte, im Jahr 2014 verstorbene Lienzer Künstler Hermann Pedit wusste von einem Absturz im Raum Lienz zu erzählen.
„Zu diesem Fall gibt es bisher noch fünf lebende Zeitzeugen“, berichtet Domanig. Der frühere HAK-Lehrer holte sich die Erlaubnis des Grundbesitzers ein, mittels Metalldetektor zu suchen. Bei Begehungen tauchten oberflächlich metallische Kleinteile auf – darunter jenes Relikt, das nach Recherchen im Internet den entscheidenden Fingerzeig lieferte: die Abdeckkappe einer Instrumentenlampe aus dem Cockpit einer Messerschmitt 109. „Das war ein sensationeller Fund, der auf den Fliegertyp hinwies“, freut sich Domanig.
Des spannenden Themas angenommen hat sich der Maturant Simon Stadler, der derzeit darüber am Privaten Oberstufenrealgymnasium Volders seine vorwissenschaftliche Arbeit schreibt. Er versucht, die Ursache für den Absturz der Maschine und das Schicksal des Piloten zu recherchieren und zu rekonstruieren.
Fest steht, dass in der Lienzer Polizeichronik kein Eintrag über diesen Absturz vorliegt. „Der historische Hintergrund ist wohl, dass ein deutscher Jagdflieger nicht abstürzt“, betont Simon Stadler. „Die Propaganda vertuschte derartige Verlustmeldungen und wertete diese nur als Überstellungsflug an einzelne leider unbekannte Jagdgeschwader.“
Es bleibt die Frage nach Fundstücken des Absturzfliegers in der Tiefe des Bodens – und hier kam die Archäologie ins Spiel. Wissenschaftlich ins Visier nahm die Causa Simons Vater Harald Stadler vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck. Dieser befasst sich unter anderem mit einem interdisziplinären Team seit 2002 mit der Notlandung einer deutschen Transportmaschine des Typs Junkers Ju-52 auf dem Umbalkees in Prägraten.
Harald Stadler gelang es, Mittel für eine geomagnetische Sondierung des in den Fokus des Interesses gerückten Bodenareals in Nußdorf-Debant aufzutreiben. Davor wurde das Denkmalamt ins Boot geholt, da es sich bei einem alten Fliegerwrack per Definition um ein Bodendenkmal handelt.
Die Magnetometer-Prospektion erfolgte bereits – mit Erfolg: „Der Motorblock und das Leitwerk wurden lokalisiert. Man kennt nun die Einschlagstelle und könnte zielpunktgenau ausgraben“, erklärt Harald Stadler. Der Beweis, dass ein Absturz stattfand, sei damit erbracht.
Das geheimnisvolle Rätsel um den Piloten und seinen einstigen Auftrag könnte nun bestenfalls über eine Ausgrabung und den Fund von Unterlagen im Cockpit gelöst werden. Hierfür muss allerdings noch die Erlaubnis eingeholt und die Finanzierung aufgestellt werden. Inzwischen wird versucht, in Archiven fündig zu werden und bei der Recherche noch auf zusätzliche spannende Hinweise zu stoßen. Gesucht werden aber auch noch weitere Zeitzeugen, die im Jahr 1944 im besagten Bereich Beobachtungen gemacht haben.
Wer damals etwas wahrgenommen hat, das mit diesem noch ungelösten Fall in Zusammenhang stehen könnte, möge bitte mit Roland Domanig unter der Telefonnummer 0676/3869065 Kontakt aufnehmen.
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