Gute Geschichten zum Advent, Teil 18

Die eigene Betroffenheit in Positives umwandeln

© Caritas

Anlässlich des heutigen internationalen Tages der Migranten öffnet sich der Adventkalender mit einer guten Geschichte aus Mali.

Bamako –Eine staubige Straße im Süden von Bamako, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Mali. Der Putz blättert von den einstöckigen Häusern ab, am Straßenrand stehen einfache Holzbänke neben den eisernen Eingangstoren. Hier hat die Selbsthilfeorganisation ARACEM in einem leerstehenden Hotel ein Betreuungszentrum für Migrantinnen und Migranten aufgebaut. Bamako ist seit jeher eine Drehscheibe für Frauen, Männer und Jugendliche, die sich auf den Weg gemacht haben auf der Suche nach einem besseren Leben. Sie fliehen vor Gewalt, Armut, Krieg und vor allem vor der Aussichtslosigkeit in ihrer Heimat. Sie kommen aus der Zentralafrikanischen Republik, Nigeria, Kamerun, Guinea, Liberia, dem Tschad, mit einem Ziel: das Mittelmeer, und dann, so Gott will, Europa zu erreichen. Doch viele scheitern, noch bevor sie die ersehnte Küste erreichen. Sie bleiben in Bamako hängen, weil ihnen das Geld für die nächste Reiseetappe fehlt, oder sie werden an den Grenzen zu Libyen, Algerien und Marokko abgewiesen und gelangen über Irrwege zurück in die malische Hauptstadt. Trotzdem glaubt jeder, dass ausgerechnet er es schaffen wird.

Auch für Romeo und Patrice, die beiden Gründer von ARACEM, endete ihr Traum in Nordafrika. Doch nach ihrer Abschiebung aus Marokko konnten sie in Bamako Fuß fassen und haben die eigene Betroffenheit in etwas Positives umgewandelt. In ihrer Herberge bieten sie vielen Gestrandeten das an, was sie am dringendsten brauchen: einen Schlafplatz, Verpflegung, Kleidung, bei Bedarf medizinische und psychosoziale Versorgung, einen Anruf zu Hause. Monatlich sind es durchschnittlich 80 Personen, die bei ARACEM Schutz und Hilfe finden und sich von den Strapazen erholen können, maximal zehn Tage können sie bleiben. Einige wünschen sich nach den Erfahrungen von Hunger, Lebensgefahr, Gewalt und Aussichtslosigkeit nur noch, nach Hause zurückzukehren. Andere scheuen aus Angst und Scham über ihr „Scheitern“ den Kontakt zu ihrer Familie. Und viele wollen die Hoffnung auf ihren Lebenstraum nicht so schnell aufgeben und machen sich nach einer Verschnaufpause erneut auf Richtung Norden. (TT)