Tiroler Sozialmarkt: Mehr als nur ein Geschäft
Im Tiroler Sozialmarkt können sich Menschen zu fairen Preisen mit Lebensmitteln versorgen.
Von Nikolaus Paumgartten
Innsbruck –Fast täglich stattet die ältere Dame dem Tiroler Sozialmakt (TISO) in der Innsbrucker Adamgasse einen Besuch ab. Sie dreht dann langsam ihre Runde durch den Verkaufsraum, schlendert an den Regalen vorbei und betrachtet und prüft die fein säuberlich sortierte Ware. Kaufen tut sie allerdings nur dann etwas, wenn sie Gutscheine mit dabei hat, die das Servitenkloster von Zeit zu Zeit ausgibt. Michaela Landauer, die Geschäftsführerin des Marktes, kennt die Seniorin schon seit vielen Jahren, ist sie doch eine Kundin der ersten Stunde. Warum die Dame auch dann regelmäßig vorbeikommt, wenn sie gar nichts kauft? Weil sie nicht gerne in ihrer Wohnung ist, die sie wegen der hohen Heizkosten nur sehr unregelmäßig heizen kann. „Und weil ihr so nett seid“, habe sie Landauer auf Nachfrage einmal geantwortet. Denn der Sozialmarkt ist mehr als nur einkaufen zu Billigpreisen: Er ist für viele einsame Menschen auch ein Ort der Begegnung und des Gesprächs.
Im August 2005 öffnete der TISO in der Landeshauptstadt seine Pforten. Mehrmals in der Woche fährt das Team Lebensmittelketten und Handelsbetriebe an, um Waren mit knapp überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum abzuholen. Es gibt aber auch Unternehmen, die frisch produzierte Lebensmittel spenden. Um die Hälfte billiger oder für zwei zum Preis von einem landen die Lebenmittel dann in den Verkaufsregalen des Sozialmarktes. Der Bedarf an günstigen Lebensmitteln ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, wie Landauer erklärt. Zählte der TISO im ersten Jahr 300 Kunden, so sind es heute rund 3500 Einkaufskarten, die auf bedürftige Menschen ausgestellt sind. Wer nämlich im Tiroler Sozialmarkt einkaufen möchte, muss vorher per Einkommensnachweis seine Notlage bescheinigen. Die Hemmschwelle, diesen Nachweis zu erbringen und das Geschäft zu betreten, ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, sagt Landauer und erklärt sich das mit dem gestiegenen Leidensdruck. Es sind vor allem Bezieher von Notstandshilfe, Arbeitslose, Mindestpensionisten und Familien mit mehreren Kindern, die sich hier mit dem Notwendigsten versorgen. Auch wenn die Auswahl nicht mit jener der großen Handelsketten zu vergleichen ist, bietet er alles, was in einem Haushalt zum Leben gebraucht wird, und erinnert an die kleinen Greißler früherer Tage.
Ein großer Wermutstropfen beschäftigt dieser Tage Michaela Landauer und ihr Team: Nach jahrelanger Zusammenarbeit hat das Partnerunternehmen, das regelmäßig frische Milchprodukte unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, unlängst die Kooperation aufgekündigt. „Jetzt hoffen wir auf ein Weihnachtswunder, dass wir künftig unseren Kunden wieder frische Milch anbieten können.“
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