Innsbruck

Kleine Delikte, schwere Schicksale: Mit Blaulicht durch die Nacht

Hunderte Polizeibeamte setzen sich in Innsbruck täglich für die Sicherheit der Bevölkerung ein. Es geht um Präsenz – aber auch um Prävention. Die TT war eine Nacht mit dabei.

Von Renate Perktold

Innsbruck –Innsbruck Hauptbahnhof, 20.30 Uhr: In der Eingangshalle stehen vier Polizeibeamte und kontrollieren die Papiere eines jungen Mannes. Freundlich, scherzend. Nach einigen Fragen wird er wieder entlassen. Die Bahnhofshalle jedoch füllt sich. Immer mehr Polizisten kommen hinzu.

Der Grund sind Schwerpunktkontrollen: Am Abend soll eine Goa-Party stattfinden, die Kriminalpolizei möchte die ankommenden Züge überprüfen, um mögliche Störenfriede und illegale Drogen schon im Vorfeld auszusortieren. Außerdem geht es bei der Schwerpunktaktion um die Sicherheit generell, wie Markus Auinger, Einsatzleiter vom Stadtpolizeikommando erklärt. „In jüngster Zeit haben sich gerade am Wochenende einige Sachen gehäuft. Wir wollen einerseits Präsenz zeigen, aber auch früh genug reagieren, damit nicht noch mehr passiert.“

Drei zusätzliche Fahrzeuge mit je vier Insassen sind für die Nacht abgestellt, um die typischen Brennpunkte der Stadt ins Auge zu fassen. Der Start in die Nacht beginnt ruhig. Von Partybesuchern ist in den ankommenden Zügen am Bahnhof keine Spur. Die Goa-Feier findet wohl nicht statt.

22.14 Uhr: Über den Funk kommen nur vereinzelt Meldungen, ein Fahrgast, der sein Taxigeld nicht bezahlen will, ein Autofahrer, der den getankten Treibstoff schuldig blieb, eine Frau, die sich über den Hausmeister bei der Polizei beschwerte. „Das sind alles Fälle, in denen wir rein rechtlich nicht zuständig wären. Aber man weiß im Vorfeld ja nicht, was passiert“, so ein Beamter. Also muss überall eine Funkstreife anrücken, Diskussionen schlichten, Sachverhalte aufdröseln, vermitteln. „Die Leute reden einfach nicht mehr miteinander“, so der Beamte weiter. Zwar sind im Normalfall genügend Streifen schnell am Einsatzort, allerdings kosten unnötige Einsätze auch Zeit. Gegen 23 Uhr gibt es erneut einen Funkspruch. Ein junger Autofahrer ist beim dez wohl viel zu schnell unterwegs gewesen und hat mit seinem Fahrzeug eine Laterne sowie einen Sicherheitsschranken gerammt. Den Insassen ist nicht viel passiert, so kann die Polizei wenig später gleich zum nächsten Einsatz. Eine Schlägerei in der Meinhardstraße, die sich beim Eintreffen als renitentes Pöbeln eines Betrunkenen entpuppt.

Kurze Verschnaufpause bis nach Mitternacht, als die Funkzentrale alle verfügbaren Kräfte in die Altstadt beordert: Dort hat ein Lokalgast große Mengen Pfefferspray versprüht, sämtliche Besucher torkeln mit tränenden Augen und Hustenreiz ins Freie. Ein Dutzend Beamte rückt an, sichert den Einsatzort. Nach nur wenigen Minuten haben die Beamten die Situation unter Kontrolle. Dem Barbesitzer bleibt aber wegen des Reizgases wohl nur die Option, das Lokal für diesen Abend zu schließen.

Unterdessen sind die Polizisten schon weiter: Wieder eine Schlägerei in der Maria-Theresien-Straße, gleichzeitig ein streitendes Paar, das durch sein Verhalten einen Polizeieinsatz auslöst, eine abgängig gemeldete 13-Jährige, die aber zwei Stunden später wieder auftaucht.

Vieles, was an diesem Abend passiert, ist für die Beamten Routine, die manchmal mit einer Festnahme, manchmal mit ein paar belehrenden Worten endet. Es gibt kaum etwas, was die erfahrenen Beamten nicht schon erlebt hätten. Aber manchmal passiert es dann doch, wie auch an diesem Abend: Eine Streife wird nach Innsbruck Kranebitten beordert. Während sich die Kollegen am anderen Ende der Stadt mit einem betrunkenen Pärchen herumärgern müssen, sterben in dieser Nacht in der Kranebitter Allee zwei Kinder bei einem Brand.

„Solche Vorfälle sind auch für uns immer hart. Nach einem derartigen Einsatz setzen wir uns in der Regel zusammen und besprechen das Geschehen. Es gibt auch die Möglichkeit der psychologischen Betreuung“, erklärt ein Polizist. Viel Zeit zum Innehalten bleibt den Beamten allerdings nicht. Wenn es ruhiger wird, steht die Papierarbeit an – bis der nächste Kollege in der Früh übernimmt.

Am Wochenende zeigte die Polizei an den typischen Brennpunkten der Innenstadt vermehrte Präsenz.

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Standardausrüstung eines Polizisten.

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So mancher Bahnhofspassagier staunte über die vielen Polizisten.

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Immer wieder kam es in der Nacht zu kleineren und größeren Einsätzen.

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Die Beamten mussten einige Streitereien schlichten.

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Auch ein Unfall beim Einkaufszentrum DEZ verlangte nach den Innsbrucker Polizisten.

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Trauriger Höhepunkt einer Nacht im Einsatz: Bei einem Brand in der Kranebitter Allee starben zwei Kinder. Auch hier waren die Polizisten im Einsatz.

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