Prölls Botschaft wird bis nach Wien gehört
Mit bis zu 3000 Freunden und Wegbegleitern, aber ohne Ablöse-Termin, feierte gestern Landeshauptmann Erwin Pröll seinen 70er.
Wien –Er ist der letzte Landeshauptmann in Österreich, der mit absoluter Mehrheit regiert – und nicht nur deshalb hat sein Wort enormes Gewicht in der Volkspartei: Erwin Pröll feiert am 24. Dezember seinen 70. Geburtstag. Das wurde von der niederösterreichischen Volkspartei schon gestern mit einem „Familienfest“ in Göttweig gefeiert: 3000 Gäste – von Parteigranden über Kardinal Christoph Schönborn bis zu zahlreichen „Freunden und Wegbegleitern“ aus Wirtschaft, Kultur und Sport – und Festmesse mit Predigt inklusive.
Fast 37 Jahre dauert Prölls Polit-Karriere bereits, 24 Jahre davon ist er Landeshauptmann. Und amtsmüde ist der Weinviertler keineswegs – er schließt sogar eine weitere Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im Frühjahr 2018 nicht aus: „Das wird zeitgerecht entschieden“, sagte er vieldeutig im APA-Interview. Es habe ihn „keine Sekunde gereut“, in die Politik gegangen zu sein, auch wenn es dunklere Stunden gab. So war etwa der Parteitag 1996, bei dem er mit herber Kritik konfrontiert worden war, ein „ordentlicher Dämpfer“, sagte er der APA. Aus heutiger Sicht möchte er den aber nicht missen, weil er Anlass bot, „ernsthafte Korrekturen auch im Umgang mit Funktionären“ vorzunehmen.
Die schwärzesten Tage seiner Amtszeit waren – neben dem plötzlichen Tod seiner langjährigen Landeshauptmannstellvertreterin und damaligen Innenministerin Liese Prokop zu Silvester 2006 – zwei chronikale Ereignisse mit viel menschlichem Leid: das Jahrhunderthochwasser 2002 und die Gasexplosion in Wilhelmsburg, die 1999 ein dreistöckiges Wohnhaus einstürzen ließ und zehn Todesopfer forderte. In Erinnerung seien dem Landeshauptmann aber auch „viele Glücksmomente“, darunter die Wahlabende nach dem dreimaligen Erringen der absoluten Mehrheit.
Weniger Anlass zur Freude ist für den Niederösterreicher da wohl die Bundespartei. So hat der noch 69-Jährige Anfang des Jahres die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl abgelehnt – nachdem ihm wochenlang alle Parteigranden Rosen gestreut und seine Eignung für das höchste Amt im Staat bestätigt haben. Und nachdem ihm jahrelang entsprechende Ambitionen nachgesagt wurde. Mit seiner Absage hat Pröll Experten und Journalisten erstaunt, damit hat er aber vor allem seine Parteifreunde sowie Parteiobmann Reinhold Mitterlehner brüskiert. Dieser hat dann bekanntlich den ehemaligen ÖVP-Nationalratspräsidenten Andreas Khol zum Kandidaten gekürt, der es nicht in die Stichwahl schaffte.
Wenig hilfreich im Wahlkampf war kurze Zeit später eine Rochade in der Bundespartei, die auf Prölls Konto ging. Auch wenn der damalige Hofburg-Kandidat seinen Ärger nicht öffentlich machte, war der Zeitpunkt des Wechsels von Prölls Vertrauten ,Johanna Mikl-Leitner, vom Innenministerium in die niederösterreichische Landesregierung mehr als seltsam. Nach Wien kam stattdessen Wolfgang Sobotka, einstiger Landeshauptmannstellvertreter von Pröll. Das Rennen um die Nachfolge an der Spitze der niederösterreichischen Landesregierung hat die nunmehrige Landesrätin Mikl-Leitner damit für sich entschieden. Mit Prölls Hilfe und Einverständnis, natürlich. Dem Landeshauptmann schien ein Coup gelungen zu sein, die Bundespartei hat aber öffentlich Schaden genommen: Zu schwach scheint diese, um sich gegen die Machtdemonstrationen aus St. Pölten wehren zu können. Als eine politische Fehleinschätzung Prölls stellte sich dagegen die Förderung des Oberösterreichers Ernst Strasser heraus. Der frühere ÖVP-Innenminister galt als politischer Ziehsohn von Pröll und wurde von ihm in die Bundespolitik empfohlen, als ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament wurde er wegen Bestechlichkeit verurteilt. Ein Fall, der enorme Wellen schlug. Strasser ist seit Jahren kein ÖVP-Mitglied mehr.
Auf die Frage nach den großen Herausforderungen in den kommenden Jahren meinte Pröll zur APA, es gelte in dieser spannungsgeladenen Zeit, Sicherheit und Stabilität zu signalisieren. Und Neuwahlen auf Bundesebene hätten da keinen Platz. Ob er sich Außenminister Sebastian Kurz an die ÖVP-Spitze wünscht, lässt er dagegen offen. Der 30-Jährige sei jedenfalls „einer der talentiertesten jungen Politiker, die ich kennen gelernt habe und denen ich begegnet bin.“ Eine Botschaft, die in der Partei wohl gehört wird.
Erwin Prölll ist verheiratet, er hat eine Tochter und drei Söhne. (ritz, APA)
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