Theaterstück als Mahnmal 2 - „Kühlkoffer“ als zentrales Bühnenelement
Parndorf (APA) - Die Leichen der Flüchtlinge wurden in einer Pannenbucht im Kühl-Lkw gefunden. Deshalb sei ein Lkw bzw. der „Kühlkoffer“ - g...
Parndorf (APA) - Die Leichen der Flüchtlinge wurden in einer Pannenbucht im Kühl-Lkw gefunden. Deshalb sei ein Lkw bzw. der „Kühlkoffer“ - gemeint ist der verschlossene Laderaum - ein zentrales Element und solle eine Dynamik auf der Bühne entstehen lassen, erläuterte Regisseur Peter Wagner. Ihm sei wichtig gewesen, in die Inszenierung auch eine Dokumentationsebene einfließen zu lassen.
Das Geschehen entwickle sich neben dem vorderen Bühnenbereich auch auf einer Hinterbühne, von der nach vorne übertragen wird. „Wir haben eine ständige Einkreisung dieses Objekts“.
Begonnen habe das Theaterprojekt am 7. April, schilderte Wagner. Im Zuge der Besichtigung einer Location für ein Gastspiel der OHO-Produktion „Der Fluss - Die Lieder der Lebenden, die Lieder der Toten“ sei die Frage aufgetaucht, „warum denn die Kunst noch nichts gemacht habe zu diesen 71 Toten von Parndorf. Und in dem Augenblick war das Projekt geboren.“
Der Öffentlichkeit sei am wenigsten bewusst, „dass es auch die Leute gibt, die quasi nach solchen Katastrophen wegräumen und ‚aufkehren‘“, meinte Wagner. So seien die Interviews mit den an der Aufarbeitung der Katastrophe Beteiligten entstanden, die in das Stück einfließen. Auch Bilder zweier Künstler, die an den Symposien des eu-art-network in Oslip teilgenommen haben, werden gezeigt.
Das Stück selbst beschrieb der burgenländische Autor und Regisseur „als sehr dichtes Konstrukt“, das mit fünf „grandiosen Darstellern“ auf der Bühne realisiert werde. Dazu komme noch ein Musiker, der sich ebenfalls auf der Bühne befinde. Es sei „enorm viel Material entstanden“‘, das auch in einem 224-seitigen Buch festgehalten wurde, welches im Jänner im Verlag Edition Marlit erscheint.
Die burgenländischen Autorinnen und Autoren, die Beiträge zu dem Theaterprojekt leisteten, hätten „ohne Wenn und Aber“ teilgenommen. Er habe sie gebeten, nicht über das Innere des Kühl-Lkw zu schreiben: „Ich hätte das für eine gewisse Vermessenheit gehalten, quasi diese Schicksale wirklich fassen zu wollen, die da drinnen passieren“, sagte Wagner.
Was die dokumentarische Seite betreffe, sei das Theaterstück chronologisch aufgebaut. Der erste Akt nenne sich „Der Lkw“ - denn wenn Ermittler heute über den Fall sprächen, gehe es nie um eine Aktenzahl, sondern „dann ist es immer der Lkw“.
Der zweite Teil behandelt die Überstellung der Toten von Parndorf nach Nickelsdorf. Der dritte Akt widme sich der Bergung der Leichen, aber auch schon dem Heraufdräuen einer Flüchtlingsbewegung aus dem Osten, beschrieb Wagner. Im vierten Teil werden „innen- und außenpolitische Querelen - das Verhältnis Faymann - Orban und der berühmte Satz von Merkel“ thematisiert. Im Schlussakt gehe es darum, wie das Drama um die 71 Menschen verarbeitet worden sei - „einerseits durchaus technisch, andererseits im öffentlichen Diskurs“.
Im Hinblick auf die Geschehnisse sei es wichtig, das Bewusstsein für das Migrations- und Flüchtlingsproblem zu schärfen. Für Künstler sei es Aufgabe, mit dem Publikum in Kommunikation zu treten - und zwar anders, als dies Medien und Politik bisher getan hätten, sagte die im Stück mitwirkende Schauspielerin Tania Golden. Die Menschen im Lkw seien einer Profitgier zum Opfer gefallen. Sie setze ihre Hoffnung darauf, dass das Stück auch das Bewusstsein dafür öffne, „wie wir mit unserer eigenen Gier umgehen“.
Unterstützt wird die Theaterproduktion auch durch einen finanziellen Beitrag der Gemeinde Parndorf, die sich entschlossen habe, damit einen Gedenkstein „auf etwas andere Weise“ zu setzen. Im Offenen Haus Oberwart (OHO), das ebenfalls Kooperationspartner des Projekts ist, finde man die Möglichkeit, in einem professionellen Rahmen zu proben, schilderte Wagner.
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