Ski alpin: Aus 70 mach 34 - Drei „Elche“ als Speed-Supermacht

St. Christina/Gröden (APA) - Die norwegischen Ski-Herren sind seit knapp fünf Jahren im Speed-Bereich führend. Seit März 2012 gewannen Aksel...

St. Christina/Gröden (APA) - Die norwegischen Ski-Herren sind seit knapp fünf Jahren im Speed-Bereich führend. Seit März 2012 gewannen Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud und Aleksander Aamodt Kilde fast 50 Prozent der Rennen in Abfahrt und Super-G und holten mehr Podestplätze als jede andere Nation. Am Freitag triumphierte Jansrud im Super-G vor Gröden vor Kilde. „Wenn‘s läuft, dann läuft‘s“, stellte der Sieger fest.

Gleich mehrere Serien sind am ersten Speed-Wettkampftag im Grödnertal weiter gegangen: Der 17. Weltcup-Sieg von Jansrud war gleichbedeutend mit dem fünften norwegischen Super-G-Erfolg en suite auf der Saslong. Für Jansrud persönlich war es der dritte Sieg im dritten Speed-Bewerb im WM-Winter, überdies stand er in Gröden das sechste Rennen in Folge auf dem Stockerl.

„Eigentlich unglaublich“, meinte Jansrud dazu. „Aber ich mag es in Gröden. Schöne Leute, wir wohnen in einem sehr schönen Hotel, gutes Essen, die Strecke macht sehr viel Spaß zum Fahren, bald kommt Weihnachten. Es ist eine gute Zeit im Jahr, und es passt hier sehr gut“, ließ er sich zu einer Lobeshymne verleiten.

Er habe am Freitag einen stabilen Lauf mit der richtigen Dosis Risiko hinuntergebracht, erläuterte Jansrud. „Es ist schwierig, schnell zu sein ohne Fehler. Aber bei mir ist es das dritte Rennen in Serie, wo ich einen guten Lauf gefahren bin ohne richtig großen Fehler. Das heißt dann, dass die Form gut ist und es im Kopf funktioniert“, sagte der 31-Jährige. „Da muss man auch ein bisschen dankbar dafür sein, denn so ist es nicht jeden Tag.“

Kilde lobte den Zustand der Piste, ärgerte sich nur ein wenig, dass Svindal, der in der Vorsaison einen norwegischen Triple-Sieg angeführt hatte, den erneuten totalen Triumph mit seinem Ausfall verhinderte. „Fast hätten wir das Ergebnis aus dem Vorjahr wiederholt. Schade für Aksel“, meinte der Super-G-Spezialist. „Im Moment sind die Norweger diejenigen, die es zu schlagen gilt“, betonte er trotzdem.

Dass Norwegen seit Jahren die schnellen Disziplinen dominiert, belegen die Zahlen eindrucksvoll. Seit dem 3. März 2012, als Jansrud und Svindal in Kvitfjell erstmals gemeinsam auf dem Podest standen, holte das Trio Jansrud, Svindal und Kilde 34 Siege in Super-G und Abfahrt. Das ist mehr als die nächsten vier Nationen - Österreich (12), Italien (12), Schweiz (6) und Frankreich (3) - in diesen 70 Rennen zusammen schafften. Im internen Vergleich rangiert Svindal (17) knapp vor Jansrud (15) und deutlich vor Kilde (2).

Die sich ergebende Quote liegt bei 48,6 Prozent. Das heißt, praktisch jedes zweite Speed-Rennen in den vergangenen 58 Monaten wurde von einem der drei „Super-Elche“ gewonnen. Insgesamt realisierte der Norges Skiforbund 59 Top-Drei-Resultate in diesem Zeitraum. Der Österreichische Skiverband brachte es auf 57, setzte dafür aber wesentlich mehr Arbeitskräfte ein.

„Jede Zeit hat ihre starken Nationen. Zurzeit sind es einfach diese Norweger. Die fahren ja schon über Jahre stark, und das muss man anerkennen“, meinte ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher. „Sie wären schon zu schlagen“, urteilte Vincent Kriechmayr. „Die haben halt einfach die Entschlossenheit und das Selbstvertrauen. Das brauchen wir auch, dann werden wir schon mitmischen.“

Romed Baumann bezeichnete es am Freitag als „erschreckend“, dass die „Wikinger“ unabhängig von den externen Faktoren so dominant auftreten. „Es schaut so aus, als ob es ihnen zurzeit leicht von der Hand geht“, sagte der Tiroler, der als 32. nicht in die Punkteränge kam. Es sei schwer, ein Rezept dagegen zu finden. Ein Übermaß an Video-Studium, um die technischen Geheimnisse der Norweger zu decodieren, mache wenig Sinn. „Wenn du kopieren anfangst, verbaust du dir deine eigenen Stärken.“

Wenn es überhaupt ein norwegisches Geheimnis gibt, dann besteht es laut Cheftrainer Christian Mitter im Umgang miteinander. Das mag zwar kitschig klingen, doch sei der Teamwork-Gedanke tatsächlich gelebte Philosophie. „Ich glaube, die brauchen diese Rahmenbedingungen. Skifahren ist ein Einzelsport - aber irrsinnig abhängig von einem Team“, erklärte der Steirer. „Man muss sich wohlfühlen in seinem Umfeld. Das Team ist die Familie im Winter.“