Internationale Pressestimmen zu Trump und Cyberangriffen
Washington (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit der personellen Zusammensetzung der Regierung des künfti...
Washington (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit der personellen Zusammensetzung der Regierung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, aber auch mit den Cyberangriffen während des US-Wahlkampfs. „de Volkskrant“ schreibt:
„Mit seinen Nominierungen hat sich der künftige Präsident das nötige Vertrauen beim dominanten rechten Flügel der Republikanischen Partei verschafft, für den sein Kabinett wahrlich ein Dream-Team ist. Nur das Vorhaben, den Putin-Freund Rex Tillerson zum Außenminister zu machen, dürfte bei den Russland-Kritikern im Senat auf Widerstand stoßen.
Eines könnte für Trump sprechen: Da nun auf der Weltbühne immer mehr autoritäre Typen mit minimalen Skrupeln auftreten, könnte es sich als Vorteil erweisen, dass auch im Weißen Haus jemand residiert, der nicht vor Draufgängertum und Grobheit zurückschreckt. Daran hat es Präsident Obama oft gefehlt. Doch Priorität sollten dabei natürlich weiterhin die westliche Allianz und die demokratischen Werte haben. Und davon ist bei Trump kaum etwas zu spüren.“
„The Times“ (London):
„Präsident Obama behandelt die russische Cyberattacke auf die US-Wahlen nachträglich mit der Ernsthaftigkeit, die sie verdient. Amerikas Staatschef behauptet, Beweise zu haben, dass Wladimir Putin die Hackerangriffe angeordnet hat, um damit Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur zu schaden. Und er schwört Rache ‚zu einer Zeit und an einem Ort unserer Wahl‘.
Um aktiv zu werden, hat der Präsident in Wirklichkeit nur noch einen Monat, ehe sein Nachfolger, Präsident Trump, ins Amt eingeführt wird. Wenn Obama Präsident Putin bestrafen will, muss er das rasch tun und zwar nicht nur, weil Trump in seinem Streben nach neuen Beziehungen zum Kreml die Hackerattacke zu den Akten legen könnte.
Die USA stehen als eine geschwächte Macht da, die nicht in der Lage ist, ihre Cybergrenzen zu schützen. So ein Signal in die Welt zu senden, ist gefährlich. Bisher war die Reaktion der Obama-Administration langsam und enttäuschend. Der Grund dafür ist ihre Befürchtung, dass der Cyberkonflikt in einen uneingeschränkten Cyberkrieg abgleiten könnte.“
„Neue Zürcher Zeitung“:
„Die Offensive war ein voller Erfolg. Zu behaupten, die russischen Hacker hätten Trump den Sieg beschert, ginge aber zu weit. Schließlich hat sich Clinton ihre Schwachstellen selbst zuzuschreiben und ist die Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung eine Tatsache. Dennoch hat Präsident Obama zu lange gewartet, um die russischen Aggressoren in die Schranken zu weisen. Dass er dem russischen Präsidenten Putin in einem Telefonat Anfang Oktober mit Vergeltung drohte, hat diesen offenbar kaum beeindruckt. Putin scheint es auf Muskelspiele anzulegen.
Das Ziehen roter Linien ist jedoch gerade im relativ neuen Gebiet der Cyber-Kriegsführung und Informationsmanipulation wichtig, um Abschreckung zu üben - auch mit Blick auf Akteure wie China oder Nordkorea. Obama bleiben noch fünf Wochen als amerikanisches Staatsoberhaupt, um den Russen die Quittung für ihre Taten zu liefern. Dass sie die Angriffe teuer zu stehen kommen, ist dabei entscheidend. Sonst dürfte die Offensive gegen die jüngsten Wahlen nicht der Höhepunkt gewesen sein, sondern erst der Anfang.“
Kommentare