Raggis Stadtregierung in Rom bröckelt, Bürgermeisterin unter Beschuss

Rom (APA) - Die erst im Juni gewählte Stadtregierung Roms um Bürgermeisterin Virginia Raggi bröckelt. Nach der Festnahme von Raggis „rechter...

Rom (APA) - Die erst im Juni gewählte Stadtregierung Roms um Bürgermeisterin Virginia Raggi bröckelt. Nach der Festnahme von Raggis „rechter Hand“, Personalchef Raffaele Marra, reichte am Samstagabend Vizebürgermeister Daniele Frongia, ein Vertrauter der Bürgermeisterin, seinen Rücktritt ein. Er bleibt jedoch im Gemeinderat als Verantwortlicher für Sportangelegenheiten.

Die 38-jährige Raggi, Vertreterin der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo, verliert noch einen weiteren engen Mitarbeiter, Salvatore Romeo, der mit ihr das politische Kabinett koordinierte. Die beiden Vertrauten Raggis waren von ihrer Gruppierung, der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung, beschuldigt worden, die Bürgermeisterin schlecht beraten zu haben. Mit der Trennung von Frongia und Romeo hofft die mit Rücktrittsaufforderungen konfrontierte Raggi ihren Posten zu retten.

Während alle Oppositionsparteien im römischen Gemeinderat mit Nachdruck die Demission der ersten Frau an der Spitze der römischen Stadtregierung verlangen, erhielt Raggi Rückendeckung von ihrem Parteichef Grillo. Dieser hatte schon vor Monaten die zentrale Stellung Marras im Gemeinderat kritisiert. Dem Personalchef, der am Freitag wegen Korruption in Zusammenhang mit Immobilientransaktionen im Jahr 2013 festgenommen wurde, werden Verstrickungen mit dem skandalumwitterten Ex-Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, vorgeworfen.

„Es sind Fehler gemacht worden, die Raggi eingesehen hat. Sie hat den falschen Personen vertraut. Von heute an ändern wir unseren Kurs“, versicherte Grillo auf seinem Blog. Der Skandal um den festgenommenen Marra ist ein schwerer Schlag für die Grillo-Partei, die ihren Erfolg auf der Forderung nach Ehrlichkeit und Transparenz in der italienischen Politik aufgebaut hatte. „Es ist lächerlich: Grillo und Raggi denken, die Krise in Rom einfach mit einer Kabinettumbildung zu lösen“, kritisierte Matteo Orfini, Präsident der Demokratischen Partei (PD).

Seit ihrem Amtsantritt ist die politisch unerfahrene Raggi mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Rechtsanwältin hat schon mehrere Mitarbeiter verloren. Erst diese Woche war die Umweltbeauftragte der Stadt, Paola Muraro, abgetreten, weil gegen sie in einem anderen Fall ermittelt wird.

Raggi war im Juni mit einer überwältigenden Mehrheit von 70 Prozent gewählt worden. Scheitert sie in Rom, wäre dies eine große Blamage für ihre Fünf-Sterne-Bewegung, die laut Umfragen mit circa 30 Prozent Italiens stärkste Einzelpartei ist und nach den Parlamentswahlen, die spätestens im Frühjahr 2018 stattfinden werden, die italienische Regierung anführen könnte.