Hebenstreit: Tourismus-Branche für Beschäftigte attraktiver machen

Wien (APA) - Als Replik auf die Klagen von Arbeitgeberseite, dass im Tourismus zu Beginn der Wintersaison die Besetzung von Stellen so schwi...

Wien (APA) - Als Replik auf die Klagen von Arbeitgeberseite, dass im Tourismus zu Beginn der Wintersaison die Besetzung von Stellen so schwierig sei, meint vida-Chef Roman Hebenstreit, dass die Branche eben attraktiver gemacht werden müsse. Im Tourismus seien die Kollektivvertragslöhne niedrig, die Branche habe auch nicht umsonst den Ruf, sich um Arbeitszeit- und Überstundenregelungen eher wenig zu kümmern.

Statt über Arbeitskräftemangel zu klagen sollten lieber konkrete Schritte unternommen werden, um die Tourismus-Berufe gerade für junge Leute interessanter zu machen. Dabei könnte neben höheren Löhnen auch eine besondere Sprachenorientierung ein Anreiz sein, den Beruf zu wählen, wenn man am Ende der Lehre gute Fremdsprachenkenntnisse erworben habe - „und nicht nur ‚Guten Tag‘ und ‚Zahlen bitte‘ verstehen kann“. Grundsätzlich sollte die Berufsschulzeit bei Tourismus-Berufen verlängert werden.

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollten auch nicht mehr Saisonarbeiten, weil das durch die Einschnitte in den Sozialsystemen heutzutage viele Nachteile bringe, etwa bei der Pension. Da sollten die Arbeitgeber durch Ganzjahresbeschäftigungsangebote oder durch Kooperationen von Hotels mit Winter- und Sommersaison gegensteuern, um mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse anzubieten. Die Unattraktivität von Saisonjobs im Tourismus sollte auch durch eine eigene Urlaubs- und Abfertigungskassa wie im Baubereich abgefedert werden.

In einer ganz anderen Branche, die ebenfalls zu den vida-Bereichen gehört, sorgt sich die Gewerkschaft um den Missbrauch der Kabotage-Regelung. Ausländische Unternehmen können ihre Lkws zu Lieferungen nach Österreich schicken, diese machen aber dann hierzulande den österreichischen Frächtern verstärkt und unerlaubterweise Konkurrenz. Durch Kabotage-Missbrauch gehen in Österreich tausende Jobs pro Jahr verloren, durch stärkere Kontrollen könnten diese Arbeitsplätze im Inland erhalten bleiben, erläutert Hebenstreit.

Bei den Busfahrern geht es um das Bestbieterprinzip, das jetzt im Vergaberecht verankert werden soll. Damit soll die Diskriminierung älterer Beschäftigter verhindert werden, denn nach dem Billigstbieterprinzip wären wegen der höheren Löhne ihre Jobs gefährdet. Allerdings kann es auch beim Bestbieterprinzip noch Schlupflöcher geben. Die Beschäftigung älterer Mitarbeiter sollte daher bei den Vergaben direkt in den Vergabekriterien berücksichtigt werden, fordert der Gewerkschafter.

Im Bahnbereich wurde mit dem 4. Eisenbahnpaket der EU das Schlimmste abgewendet, so Hebenstreit. In Österreich habe sich ein Schulterschluss aller politischen Kräfte - mit Ausnahme der Bundes-ÖVP - gebildet, um die EU-Kommission in ihren ursprünglichen Anliegen einzubremsen. Nun sei die Zerschlagung der Systembahnen vom Tisch, die Direktvergaben können zunächst erhalten bleiben und das Streikrecht sei gewahrt worden. Gerade im Bahnbereich zeige sich aber, dass die Liberalisierungspolitik durch die EU-Kommission massiv geschadet habe: Im voll liberalisierten Güterbahnbereich sei der Anteil der Schienenverkehrstransporte europaweit nicht - wie eigentlich angestrebt - gestiegen, sondern sogar gesunken. In Österreich liege der Anteil immerhin noch bei 30 Prozent.

~ ISIN WEB http://www.vida.at

http://www.oegb.at ~ APA107 2016-12-18/11:52