Osttirol

Sonderschule: Besondere Ergänzung statt Auslaufmodell

© Blassnig

Während in Gesamttirol weniger als die Hälfte aller Kinder mit besonderen Bedürfnissen eine Regelschule besucht, sind es in Osttirol gut zwei Drittel.

Von Christoph Blassnig

Lienz – In den 57 Pflichtschulen Osttirols wird mit Aufwand und personellem Einsatz immer mehr Kindern mit besonderen Bedürfnissen der Besuch auch solcher Bildungseinrichtungen ermöglicht, die ihnen lange Zeit verschlossen blieben. Einer Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen gemäß hat sich Österreich verpflichtet, das Recht der Teilhabe für alle schrittweise umzusetzen. Sonderschulen in ihrer bisherigen Form könnten dann möglicherweise der Vergangenheit angehören, befürchten manche.

Eine Einschätzung, die die Osttiroler Schulinspektorin für die Pflichtschulen, Elisabeth Bachler, so nicht teilen will. „Tirol nimmt sich des Themas Inklusion natürlich an“, so die Zuständige. „Inzwischen gibt es in allen zehn Bildungsregionen die Pädagogischen Beratungszentren. Dort stehen Pädagogen im Dienst des Landes, die bedarfsgerecht an allen Schulen eingesetzt werden können.“ Das Team in Osttirol mit 13 Pädagogen leitet Conny Schroffenegger-Bodner. „Wir sind Ansprechpartner für alle, die Unterstützung suchen, und begleiten die Kinder, ihre Eltern und Schulen individuell und differenziert.“

So habe man im Bezirk Lien­z inzwischen einen Betreuungsgrad von 70 Prozent erreicht, während Gesamttirol weniger als die Hälfte vorweisen könne.

Die Sonderschulen in Lien­z und Sillian würden auf absehbare Zeit weiterhin bestehen, möglicherweise eine weitere Spezialisierung erfahren, meint Bachler. Denn alleine die baulichen Voraus­setzungen seien in vielen betroffenen Gebäuden schwer umzusetzen. Ein Beispiel sei der neue Lift in den Volksschulen Süd und Michael Gamper. Beim Neubau der VS in Kartitsch habe man bereits einen Treppenlift vorgesehen.

Besondere Bedürfnisse bei Kindern können vielfältiger Natur sein: Es zählen dazu körperliche, geistige und mehrfache Einschränkungen, auch Beeinträchtigungen der Sinne wie Hören oder Sehen und generelle Entwicklungsverzögerungen. Ebenso benötige­n Kinder mit Deutsch als Zweitsprache Unterstützung. Verhaltensauffällige und erst recht Hochbegabte sind auf eine frühestmögliche Erkennung und Förderung angewiesen.