Themen, Trends, Skandale: Das Jahr 2016 von A bis Z

Innsbruck ist im Jodel-Fieber, die Deutschen rufen „Danke, Merkel“ und die Twitter-Gemeinde dreht wegen Limonade durch. Eine grobe Auswahl dessen, was die Menschen in diesem Jahr beschäftigte, amüsierte, aufregte. Leute, Phänomene, Begriffe, Trends 2016 – alphabetisch geordnet:

Als sie noch glücklich waren: Angelina Jolie und Brad Pitt bei einer Filmpremiere kurz vor ihrer Hochzeit 2014. Im Jahr 2016 trennten sich Brangelina.
© Reuters/Andrew Kelly

ABGAS-SKANDAL: 14 Milliarden Euro Strafe – es war ein Horrorjahr für VW. Der Skandal um absichtlich manipulierte Abgaswerte zeichnete sich bereits 2015 ab und mündete heuer in seinen Höhepunkt. Europas größter Autobauer muss sich zudem auf eine milliardenschwere Klagewelle von Anlegern einstellen.

BRANGELINA: Hollywoods Über-Paar Angelina Jolie und Brad Pitt geht seit Mitte September offiziell getrennte Wege. Zuerst sah es so aus, als könnte die Scheidung schmutzig werden: Vorwürfe gegen Pitt wurden laut, konkret wurde das aber nie. Jolie verfolgt nach wie vor das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen sechs Kinder.

CARPOOL KARAOKE: Mit Stars im Auto durch die Gegend düsen und dabei ihre größten Hits schmettern – mit dieser Idee landete der aus Großbritannien stammende US-Late-Night-Talker James Corden einen riesigen Internet-Hit. Die Ausgabe mit Adele ist mit mehr als 135 Mio. Aufrufen gar das erfolgreichste YouTube-Video des Jahres.

DANKE, MERKEL: Die zynische Formulierung nutzen Besorgte gerne, um auf Missstände hinzuweisen. Eine Facebook-Seite ironisiert diesen Ausruf mittlerweile und nimmt Wutbürger auf den Arm. Egal, ob die Klopapierrolle leer ist oder man von der Freundin verlassen wurde – immer gilt: Angela Merkel ist an allem Schuld.

EINHORN: Das trendige Fabelwesen war fast überall zu sehen – auf Kindergeburtstagen, Popfestivals, Anti-Nazi-Demos, Pullis, Jutebeuteln, Tassen, Kissen, Torten und schließlich auch auf Schokolade. Der kindische Modetrend hat etwas mit Ironie und Realitätsflucht zu tun: Einhörner stehen für Friede und Freude.

FACESWAP: Face-Swap-Apps waren 2016 angesagt. Man kann in Echtzeit mit Freunden das Gesicht tauschen, sein Gesicht in Gemälde hineinmontieren oder Gesichtszüge von Promis oder Kunstfiguren annehmen. Handy-Spaß in einem ansonsten schrecklich ernsten Jahr.

GEDICHT: Ende März hatte sich der TV-Satiriker Jan Böhmermann in einem „Schmähgedicht“ über den türkischen Staatschef Erdogan lustig gemacht. Dieser stellte wenig später Strafanzeige gegen den Entertainer. Knapp sieben Monate lang wurde gegen den Showmaster ermittelt, bis im Oktober die Staatsanwaltschaft Mainz die Causa Böhmermann ad acta legte, weil ihm keine „strafbaren Handlungen“ nachzuweisen seien.

Jan Böhmermanns "Schmähkritik" am türkischen Präsidenten Erdogan erhitzte die Gemüter.
© AFP

HORROR-CLOWNS: Entstellte Rotnasen sorgten im Oktober in den USA und Europa für Angst und Schrecken. Das fragwürdige Phänomen schwappte sogar auf Österreich über, die – teils auch gewalttätigen – Vorfälle beherrschten wochenlang die Schlagzeilen. Nach Halloween hat sich der Spuk in Luft aufgelöst.

ISSO: Das Wort wurde bei der offiziellen Online-Abstimmung zum „Jugendwort des Jahres“ auf Platz eins gewählt; eine Jury bestimmte aber „Fly sein“ zum deutschen Spitzenreiter. In Österreich war es mit „Was ist das für 1 Life“ gleich ein ganzer Satz. Tiroler Schüler wählten „Bae“ auf Platz eins.

JODEL: Die Studenten von heute jodeln. Nicht in den Bergen und nicht in Tracht, sondern in einer App auf ihrem Handy. Auch viele Nicht-Studenten teilen auf „Jodel“ vollkommen schamfrei ihren Alltag, posten lustige Anekdoten oder fragen nach Rat. Der Clou: Ein Jodel erreicht nur Jodler im Umkreis von zehn Kilometern. Der Vorteil des sozialen Netzwerks ist der Nachteil von Facebook, Twitter und Co: die Anonymität. Es gibt weder Profile, noch Freunde, noch Follower.

KARDASHIAN: Ausgerechnet in der Stadt der Liebe ist It-Girl Kim Kardashian im Oktober Opfer eines Millionenraubes geworden. Als Polizisten verkleidete Männer drangen in die Luxusresidenz des TV-Starlets in Paris ein, fesselten sie und bedrohten sie mit einer Waffe. Die 35-Jährige blieb physisch unverletzt, zog sich aber aus der Öffentlichkeit zurück und legte all ihre Social-Media-Profile lahm.

Sarah und Pietro Lombardi gaben Ende Oktober offiziell ihre Trennung bekannt.
© RTL II / Foto: Andreas Freude

LOMBARDI: Die Trennung des DSDS-Sängerpaars Sarah und Pietro Lombardi wurde geradezu Schritt für Schritt in der Öffentlichkeit begleitet. Kein Tag verging im Herbst ohne Neues von den beiden. Es begann mit Fremdgehfotos, die im Internet kursierten und Sarah mit einem anderen Mann zeigten. Es folgte die Mitteilung zur Scheidung – und viele andere Spekulationen und Berichte. Aber Hauptsache, Söhnchen Alessio geht‘s gut!

MANNEQUIN CHALLENGE: Stillgestanden! Bei der Mannequin-Challenge wird der Mensch quasi zur Schaufensterpupppe. Ausgelöst wurde der Video-Hype durch Adele, Beyoncé, Kelly Rowland und andere bekannte Persönlichkeiten. Im Web finden sich auf den verschiedensten Netzwerken eine Vielzahl von derartigen Clips.

NETFLIX: Seit Anfang des Jahres ist Netflix in fast allen Ländern der Welt verfügbar – Ausnahmen sind China, Nordkorea, Syrien und die Krim. Zudem hat der Streamingdienst 2016 so viele Eigenproduktionen veröffentlich wie nie zuvor. Fast im Wochentakt brachte der VoD-Anbieter ein neues Format in Stellung – und sparte bei Serien wie „Stranger Things“, „The Crown“ oder auch den Revivals der „Gilmore Girls“ und „Fuller House“ nicht an Nostalgie.

OHRWURM: „Die immer lacht“ von Stereoact feat. Kerstin Ott scheint von 2016 im Ohr zu bleiben. Die Liedermacherin Ott schrieb das Werk einst für eine kranke Freundin, berühmt wurde nun aber eine Art Tanzversion des Songs. Die Sängerin ermutigt die Frau, die ihre Traurigkeit mit Lachen kaschiert, ihre wahren Gefühle zu zeigen. Die 257ers haben mit ihrem „Holz“ ebenso einen ohrwurmtauglichen Trash-Hit gelandet.

POKEMON GO: Das Smartphone-Spiel von Nintendo war im Sommer der Mega-Hype und wurde Hunderte Millionen Mal heruntergeladen. Die Spiele-App, mit der man virtuelle Monster in realer Umgebung fangen kann, löste Begeisterung aus – bei anderen nur Kopfschütteln.

QUOTENHIT: Ganz Österreich platzt vor Spannung: gegen 15 Uhr sollten am 22. Mai die Wahlergebnisse der BP-Stichwahl bekannt gegeben werden. Die Menschen sitzen an den TV-Geräten, schalten den ORF ein und sehen: Weissblaue G‘schichten. Vor der entgültigen Wahl-Sondersendung, die sich verzögerte, kam die Kult-Sendung auf 429.000 Zuseher und satte 42 Prozent Marktanteil. Das sorgte auch für viel Spott im Netz.

R.I.P.: David Bowie, Alan Rickman, Peter Lustig, Roger Cicero, Prince, Muhammad Ali, Bud Spencer, Götz George, Leonard Cohen, Hannes Arch, Zsa Zsa Gabor [...] und zuletzt auch George Michael und Carrie Fisher. Der liebe Gott hat in diesem Jahr besonders viele prominente Persönlichkeiten, Legenden und Idole zu sich heimgeholt.

SAMSUNG: Mit brennenden Akkus beim Galaxy Note 7 erlebte Samsung in diesem Jahr ein beispielloses Debakel für die Smartphone-Branche. Am Ende ging alles ganz schnell. Erst stoppte der Konzern erneut den Verkauf – und gab das Gerät nur es wenige Stunden später ganz auf. Auch an Bord von vielen Flugzeugen war das Einschalten und Aufladen des Phablets strikt verboten.

TWITTERREKORD: „Limonada“. Mit nur acht Buchstaben schafft es der spanische YouTube-Star El Rubius auf 2,4 Millionen Retweets und Likes. Was das Wort zu bedeuten hat? So gut wie nichts. Der Tweet war ein Hinweis auf ein Gewinnspiel unter seinen Fans, die die Nachricht, um mitzumachen, teilen sollten. Das Twitter-Team gratulierte El Rubius mit den Worten: „Wenn das Leben @Rubiu5 Zitronen gibt, macht er den am meisten getweeteten Tweet des Jahres draus.“

US-WAHL: Das Duell der Giganten war es nicht, wohl aber ein gigantisches Duell. Donald Trump und Hillary Clinton lieferten sich einen Wahlkampf der Extreme. Am Ende wählten die Amerikaner den Unternehmer Trump zu ihrem neuen Staatsoberhaupt. Für die erfahrene Politikerin Clinton eine schmerzhafte Niederlage.

VIRTUAL REALITY: Ein großes Schlagwort in der Tech-Szene. Mit leistbareren Brillen auch für das Smartphone ist das Spielen in einer neuen Dimension angekommen. Mit immer besserer Technik wird sich der Trend in den kommenden Jahren steil nach oben fortsetzen, kein Zweifel!

WEIHNACHTSWUNDER: Das alljährliche Projekt „Weihnachtswunder“ des Radiosenders Ö3 ging in diesem Jahr in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck über die Bühne. 120 Stunden lang haben die Moderatoren Andi Knoll, Gabi Hiller und Robert Kratky die Wunschlieder der Hörer in 1.899.475 Euro verwandelt – Rekord! Die Spendensumme kommt dem Licht-ins-Dunkel-Soforthilfefonds und damit österreichischen Familien in Not zu Gute.

2016 wurde das "Ö3-Weichnachtswunder" aus Innsbruck gesendet.
© Thomas Böhm

X-MACHEN: Das durften die Österreicher heuer nicht nur einmal. Zuerst die Gemeinderatswahlen in Tirol (Februar), danach die erste Runde der Bundespräsidentenwahl (April). Am 22. Mai schließlich die Stichwahl zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer, dessen Ergebnis angefochten und für ungültig erklärt wurde. Ein neuer Wahltermin im November wurde wegen des „Klebergates“ noch einmal verschoben. Die Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung fand schließlich am 4. Dezember statt – wieder entschied Van der Bellen das Rennen für sich.

YOUTUBE: Früher lösten Auftritte von Boybands Ohnmachtsattacken und Kreisch-Alarm aus. In diesem Jahr schien sich der Trend zu verstärken, dass die Idole der Heranwachsenden aus dem Internet kommen. Anfangs oft nicht ernstgenommen, wurden sie zu Castingshow-Juroren auserkoren, wie z. B. Shirin David, oder sorgten für Tumulte, wie Beauty-YouTuberin Bibi, zu deren Autogrammstunde in Wien 4000 Fans drängten und die Polizei eingreifen musste.

ZOE: Eine Österreicherin, die beim Song Contest in Schweden auf Französisch singt – das erwies sich in diesem Jahr als „guade Mischung“. Nachdem beim ESC 2015 in Wien nicht mehr als der letzte Platz drin war, verzauberte die Wienerin Zoe mit ihrem „Loin d‘ici“ die Europäer und belegte am Ende Platz 13.

Österreichs Vertreterin Zoe landete beim Song Contest in Stockholm auf dem 13. Platz.
© AFP

Kommentieren


Schlagworte