Sugarhill Gang: Als der Hip-Hop hip wurde

Die Sugarhill Gang, Paten des Hip-Hop, machen auf ihrer Welttour morgen Halt im Weekender Club. Rapper „Master Gee“ sprach mit der TT über einst und jetzt.

Die Sugarhill Gang mit den beiden Gründungsmitgliedern Michael Wright alias Wonder Mike (r.) und Guy „Master Gee“ Wright (M.) haben Rap in den Mainstream gehievt.
© Carl Käck

Innsbruck - In den Siebziger Jahren brodelte es in der New Yorker Bronx. Raps, Breakdance und Graffiti – die ausgegrenzte schwarze Jugend hatte sich ihre eigene Kultur erschaffen. Eine Subkultur, die mit der Partynummer „Rapper’s Delight“ den Mainstream erobern sollte. Die Sugarhill Gang, eine mit Michael Wright alias Wonder Mike, Henry „Big Bank Hank“ Jackson und Guy „Master Gee“ O’Brien gecastete Boygroup, landete 1979 den ersten Top-40-Hit des Hip-Hop. Nach jahrelangen rechtlichen Streitigkeiten mit dem Management um den Bandnamen geht die Sugarhill Gang heuer erstmals wieder unter diesem Namen auf Welttournee und macht im Innsbrucker Weekender Station. Master Gee blickte für die TT zurück auf die Anfangstage des Hip-Hop.

Als Sie vor 37 Jahren über die von Chic’s „Good Times“ geborgte Bassline rappten, hätten Sie sich gedacht, dass der Song „Rapper’s Delight“ Musikgeschichte schreiben könnte?

Master Gee: Ich dachte, dass es in New York, New Jersey, wo wir damals lebten, einschlagen würde. Wonder Mike hat es geahnt. Als wir den Song zum ersten Mal im Studio hörten, sagte er: „Das wird groß ...“

Als Subkultur war Hip-Hop in der Bronx tonangebend. Wie hat es die Musik in den Mainstream geschafft?

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Master Gee: Es war die Musik der Straße, es gab überhaupt keinen Hinweis darauf, dass Rap jemals international erfolgreich sein würde oder dass man davon leben könnte. Ich war damals noch in der High School und fragte mich, welchen Schritt ich als Nächstes setzen würde.

Was sagen Sie zur Entwicklung, die Hip-Hop genommen hat?

Master Gee: Ich denke, Hip-Hop hat sich so entwickelt, wie sich die Welt verändert hat. Als ich begonnen habe, Songs zu schreiben und aufzunehmen, habe ich ausgedrückt, was ich dachte und was passierte – aus meiner Perspektive. Die Leute machen heute genau dasselbe. Ich habe nie in South Central gelebt, also habe ich auch nie darüber gesprochen. Rap ist eine Form, sich auszudrücken. Menschen dürfen sagen, was sie denken – auch wenn ich nicht so über Menschen und über Frauen denke, wie es etwa der Gangsterrap tut.

Regisseur Baz Luhrmann erzählt in „The Get Down“ von den Anfängen des Hip-Hop. Wie stimmig ist die Hochglanzserie?

Master Gee: „The Get Down“ ist eine Version von dem, was damals vor sich ging. Die Serie erzählt in gewisser Weise von der Zeit, bevor wir die Bühne betraten. Es ist eine Art, die Geschichte zu betrachten, und das ist auch okay. Grandmaster Flash war an der Produktion beteiligt, es ist seine Perspektive. Aber es ist nicht meine Version.

Wie würde Ihre Version aussehen?

Master Gee: Etwas roher und rauer, ich würde mehr Augenmerk auf die Entwicklung der Raps legen und auf die Energie, die freigelegt wurde, als die Musik aus dem Untergrund auf eine kommerzielle Ebene gehoben wurde.

Big Bank Hank, Wonder Mike und Sie wurden damals von der Musikerin und Produzentin Sylvia Robinson gecastet. Die Label-Chefin von Sugar Hill Records gilt als die Mutter des Hip-Hop. Hätten Sie es auch ohne sie geschafft?

Master Gee: Zu einem großen Teil ist der Erfolg ihr geschuldet, weil ich damals ja auch keine Ambitionen hatte, professioneller Musiker zu werden. Ich hatte aber schon in meiner Kindheit immer Musik gemacht, sonst wäre es wohl auch nichts geworden.

1985 hat sich die Band aufgelöst. Es heißt, Robinson habe die musikalische Weiterentwicklung der Sugarhill Gang blockiert.

Master Gee: Es gab sehr viele kreative Differenzen damals, darum habe ich die Gruppe auch verlassen. Es waren die Anfangstage des Hip-Hop, es gab keinen Plan, wie wir uns entwickeln, wie wir weiter wachsen sollten. Wir haben Songs geschrieben und wollten viele Dinge alleine durchziehen, aber das ging nicht, darum war es für mich richtig, auszusteigen.

Nach jahrelangen rechtlichen Streitigkeiten, die auch in dem Dokumentarfilm „I want my name back“ aufgerollt wurden, können Sie heuer erstmals wieder unter dem Namen Sugarhill Gang auf Welttour gehen. Wie fühlt sich das an?

Master Gee: Wir sind immer als Sugarhill Gang auf der Bühne gestanden, auch wenn uns die Veranstalter nicht unter diesem Namen bewerben konnten. Das ist auch schon der einzige Unterschied. Egal wie groß die Schwierigkeiten, wir haben nie aufgehört zu performen.

Sugarhill-Gang-Gründungsmitglied Big Bank Hank starb 2014. Obwohl Sie seit Jahren nicht mehr mit ihm auf der Bühne standen, haben Sie von einem schweren Verlust gesprochen.

Master Gee: Hank war immer ein Bruder, wir waren immer auf eine Art verbunden. Es ist wie in jeder Familie, es gab Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten, aber sein Tod war ein schwerer Verlust für uns.

Wird es ein neues Album der Sugarhill Gang geben?

Master Gee: Wir schreiben jeden Tag neue Musik, bald wird es ein neues Album geben. Wir haben mit verschiedenen Produzenten gesprochen, wir waren im Studio, vereinbaren Kollaborationen aus, es passiert viel und es wird viel experimentiert. Konkretes kann ich dazu nicht sagen, außer dass das Album eine gelassene Seite haben wird, eine Party-Seite und eine funky Seite.

Das Gespräch führte Silvana Resch


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