Flüchtlinge müssen dank Freiwilligen vorerst nicht übersiedeln
Junge Flüchtlinge sollten von Schwaz nach Stams übersiedeln. Freiwillige haben sich für ihren Verbleib eingesetzt.
Von Eva-Maria Fankhauser
Schwaz –Die Aufregung war groß, als es kurz vor Weihnachten für sieben junge Flüchtlinge in Schwaz hieß: Ihr müsst raus. Die minderjährigen Flüchtlinge mit mittlerweile teils volljährigen Geschwistern sind im Sozialpädagogischen Zentrum St. Martin in Schwaz untergebracht. Ihre neue Unterkunft wäre in Stams gewesen. Der Grund für die Übersiedlung lautete Eigenbedarf.
„Das ist 70 Kilometer entfernt. Das Entsetzen war bei uns allen groß. Die Jugendlichen waren teils sehr traurig über diese Nachricht. Sie verlieren Freunde, müssen einen Neustart machen. Unsere familiäre Verbindung zu den Kindern wird damit zerstört“, erzählt eine der Helferinnen des Freiwilligenzentrums Bezirk Schwaz. Die Flüchtlinge seien gut integriert und teils sehr erfolgreich in der Schule. Auch der Schwazer Fußballverein bindet die jungen Flüchtlinge ein. „Ihr Tag ist strukturiert und läuft gut. Daher haben wir dann alle gemeinsam interveniert, als es geheißen hat, dass sie rausmüssen“, verrät die Freiwillige. Dass die Jugendlichen nach Stams überführt werden sollen, sei unverständlich: „Das ist wohl nicht im Sinne des Kindeswohls. Immerhin ist es nicht der erste Transfer für die Kinder, sondern der achte oder gar neunte innerhalb eines Jahres.“
Der Einsatz der Freiwilligen hat sich gelohnt. Mittlerweile können die Flüchtlinge durchatmen. Sie können bleiben. Bis auf Weiteres zumindest.
„Die Flüchtlingsunterkunft in St. Martin wird bleiben. Wir haben uns um eine Verlängerung bemüht“, sagt Georg Mackner von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) auf Anfrage der TT. Doch was „bis auf Weiteres“ genau bedeutet, könne er nicht sagen. Es gebe keine genaue Laufzeit. „Wenn es seitens des Landes Ambitionen für eine andere Nutzung gibt, dann werden wir neue Gespräche führen“, sagt Mackner. Zudem heißt es seitens der TSD, dass sich die Suche nach einer neuen Unterkunft schwierig gestaltet habe. Im Umland von Schwaz sei nichts zu finden gewesen.
Bis auf Weiteres könnte laut den Freiwilligen bis Ende des Schuljahres heißen. Das schließt man auch seitens der TSD nicht aus. Für BH Michael Brandl ist es wichtig, dass eine gute Lösung gefunden wird. Man sei als Bezirkshauptmannschaft nicht direkt in den Prozess eingebunden. „Für Kinder ist das Umsiedeln nie fein. Daher gehört so etwas genau geprüft. Es muss gut überlegt sein, wann man diesen Schritt setzt“, sagt Brandl.
Dass die minderjährigen Flüchtlinge mitsamt ihren älteren Geschwistern nach Stams hätten kommen sollen, ist Silvia Rass-Schell von der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landes Tirol neu. „Es ist angedacht, die Einrichtung wieder für unsere Zwecke zu nutzen. Der Bedarf bei der Kinder- und Jugendhilfe ist sehr groß“, sagt Rass-Schell. Was genau dort geplant ist, könne sie derzeit nicht sagen. Es sei ihr aber wichtig, dass das soziale Gefüge der jungen Flüchtlinge sowie ihre Kontakte in Schwaz erhalten bleiben und man für sie etwas Passendes in der Nähe findet.
Für die Schwazer Freiwilligen sei der Eigenbedarf nicht nachvollziehbar, eine Umsiedelung müsse laut ihnen andere Gründe haben.
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