Pressestimmen zu Trumps Reaktion auf russische Cyberangriffe

Washington (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Montag die Reaktion des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf Gehei...

Washington (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Montag die Reaktion des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf Geheimdiensteinschätzungen zu Russlands Cyberangriffen im US-Wahlkampf:

„de Volkskrant“ (Amsterdam):

„Für die Geheimdienste steht fest, dass Russland im Auftrag des Kreml versucht hat, die Wahl zu beeinflussen. Aber für Donald Trump geht es dabei nur um eines: Trump selbst. An seinem Wahlsieg darf nicht gezweifelt werden. (...) Er erneuerte sein Plädoyer für bessere Beziehungen zu Russland, das ihm zufolge nach seinem Amtsantritt ‚viel mehr Respekt vor den USA haben wird, als es jetzt der Fall ist‘. Angesichts seiner lauwarmen Reaktion auf die Erkenntnisse der Geheimdienste zu Russlands Cyberangriffen ist das jedoch zu bezweifeln. Dass es gelungen ist, Misstrauen zwischen dem künftigen Präsidenten und seinen Geheimdiensten zu säen, ist für den Kreml die beste Nachricht. Trumps Weigerung, der Realität ins Auge zu sehen, dürfte den Kreml ermuntern, seine Versuche, in westlichen Demokratien Durcheinander zu stiften und für Zweifel zu sorgen, mit neuer Kraft fortzusetzen. Das ist ein schlechter Start für die Präsidentschaft Trumps.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Es braucht keinen Geheimdienstbericht, um zu erkennen, dass Russland einen eigentlichen Informationskrieg gegen westliche Demokratien führt. Auch private Sicherheitsfirmen haben Indizien für eine russische Spur hinter den Hackerangriffen auf die Partei Hillary Clintons zusammengetragen. Die Präferenz des Kremls für den Republikaner Trump war nie ein Geheimnis, ebenso wenig wie dessen Bewunderung für den starken Mann in Moskau. Das beunruhigendste an dieser Geschichte ist nicht, dass Russland die amerikanische Politik manipulieren will. Alarmierend ist vielmehr, dass bald ein Mann im Weißen Haus sitzt, der vor dieser Tatsache beharrlich die Augen verschließt und die von Russland ausgehende Gefahr nicht erkennen will.“

„Diena“ (Riga):

„Der öffentliche Teil des Berichts hat viele gründlich enttäuscht. Selbst Medien und Experten aus verschiedenen Bereichen, die die Version der russischen Cyber-Angriffe unterstützen, müssen mit seltenen Ausnahmen gezwungenermaßen zugeben, dass der Bericht keine neuen Fakten oder Beweise enthält. Wie auch keine Informationen über die Methoden, wie die Daten gesammelt und bewertet wurden. Dies gibt Skeptikern und den Anhänger des designierten US-Präsidenten Donald Trump reichlich Gelegenheit, das Dokument zu kritisieren und es als politisch motiviert zu brandmarken.“

„Evenimentul Zilei“ (Bukarest):

„Trump sagte, wer keine Verständigung mit Russland will, sei rückständig. Das stimmt. Aber die Entfernung zwischen Wunsch und Realität ist groß und - wie ein anderer US-Präsident sagte - für einen Tango werden zwei Tanzpartner benötigt. (...) Die Beziehung zu Russland baut sich anhand von zwei Fragen auf: Was hat Russland zu bieten und was verlangt es dafür? Und hier sind die Hindernisse auf dem Höchststand.“