Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns in Genf begonnen
Nikosia/Lefkosa/Genf (APA/dpa/AFP) - Unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UN) suchen die politischen Führer der griechischen und t...
Nikosia/Lefkosa/Genf (APA/dpa/AFP) - Unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UN) suchen die politischen Führer der griechischen und türkischen Zyprioten nach Wegen, die seit mehr als 40 Jahren andauernde Teilung ihrer Insel zu überwinden. Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci kamen am Montag im schweizerischen Genf mit dem UN-Sondergesandten, dem Norweger Espen Barth Eide, zusammen.
Das zypriotische Fernsehen (RIK) übertrug den Beginn der Gespräche direkt. Der UN-Beauftragte für Zypern, Espen Barth Eide, sah zum Auftakt der neuen Gespräche so gute Chancen auf eine Einigung wie nie zuvor. Beide Seiten hätten moderate Spitzenpolitiker, die vom Nutzen einer Wiedervereinigung überzeugt seien, sagte der Norweger kurz vor dem Start der Gespräche in einem BBC-Interview. „Sie haben Willen und Führungsstärke demonstriert, wie wir es seit langem nicht gesehen haben“, sagte Eide.
Die beiden zypriotischen Führer selbst gaben sich auf die Frage nach den Erfolgsaussichten der Gespräche bedeckt. „Fragen Sie uns danach“, sagten sie Reportern vor dem Start der Verhandlungen.
Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals putschten Offiziere der griechisch-zyprischen Nationalgarde mit Unterstützung der Militärjunta in Griechenland gegen den Präsidenten, Erzbischof Makarios. Ankara nahm den Putsch zum Anlass, militärisch zu intervenieren und den Nordteil Zyperns, etwa 37 Prozent des Inselterritoriums, zu besetzen. Bis heute sind dort etwa 35.000 türkische Soldaten stationiert. Auch die zypriotische Hauptstadt Nikosia ist weiter geteilt.
Die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt. Die Republik Zypern trat 2004 der EU und dem Euro bei. Völkerrechtlich ist die ganze Mittelmeerinsel Mitglied der Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zypriotischen Süden.
Bis Mittwoch wollen Anastasiades und Akinci im Beisein von Eide miteinander verhandeln. Sollte es Fortschritte bei diesen Gesprächen geben, ist für Donnerstag eine Fünf-Parteien-Konferenz unter Beteiligung der Garantiemächte Zyperns - das sind Griechenland, die Türkei und die frühere Kolonialmacht Großbritannien - vorgesehen. Zu diesen Verhandlungen wird auch der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Genf reisen.
Angesichts dieser möglichen größeren Konferenz informierte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras am Montag die wichtigsten Parteivorsitzenden seines Landes. Ob der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zu der Konferenz am Donnerstag nach Genf reisen wird, war am Montag noch unklar.
Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr, wollen sich die politischen Führer Zyperns am Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils zwei Mal am Tag treffen. Am Montag sollten Vermögensfragen sowie Details des Regierungssystems erörtert werden. Am Dienstag sollen EU-Themen sowie die Kosten der Wiedervereinigung unter die Lupe genommen werden. Am Mittwoch geht es dann um den Kern des Problems: Beide Seiten sollen Karten vorlegen, auf denen ihre Vorstellungen über den Grenzverlauf zwischen den beiden künftigen Bundesstaaten abgebildet sein sollen.
Eigentlich geht es dabei um die Frage, wie viel Boden die türkisch-zypriotische Seite an die griechischen Zyprioten zurückzugeben bereit ist, damit so viele griechische Zyprioten wie möglich in ihre Siedlungsgebiete vor der Teilung im Jahr 1974 zurückkehren können.
Angestrebt wird ein föderaler Staat aus zwei politisch gleichberechtigten Bundesstaaten - einem türkisch-zypriotischen im Norden und einem griechisch-zypriotischen im Süden. Beide Volksgruppen müssen einer Verhandlungslösung in getrennten Volksabstimmungen später noch zustimmen.
In der Vergangenheit scheiterten mehrere Versuche einer Aussöhnung. 2004 scheiterte ein Friedensabkommen, weil die griechischen Zyprioten die Vereinbarung ablehnten, während die türkischen zustimmten. Seitdem gab es immer wieder mal Gespräche, richtig Fahrt nahmen sie allerdings erst Mitte 2015 wieder auf.
( 1229-16, 88 x 138 mm)
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