Oppitz-Plörer: ,,Debatte über Höchstgrenze reicht nicht“

Innsbrucks Bürgermeisterin Oppitz-Plörer nimmt nach den sexuellen Übergriffen jetzt die Bundespolitik in die Pflicht. Die Attacken auf 18 Frauen in der Silvesternacht sind weitgehend geklärt.

Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer.
© Thomas Boehm

Von Thomas Hörmann und Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ihr Brief werde an den Außenminister sowie seine Amtskollegen im Innen- und Justizministerium ergehen, sagte gestern Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck). Allesamt VP-Politiker. Und das, was sie da schreibe­n werde, sei weder als Warnung noch als Hilferuf zu verstehen. Vielmehr sei es ein „Mutmachen, Politik auch aktiv zu gestalten“.

Denn nach den vermehrten sexuellen Übergriffen auf Frauen – wie in der Silvesternacht in Innsbruck – und wegen der ungelösten Probleme mit der so genannten „Nordafrikanerszene“ fordert Oppitz-Plörer Taten. Rasch. Und mehr als nur eine Debatte über Flüchtlingshöchstgrenzen: „Das reicht nämlich nicht.“ Vielmehr gehörten Frauen und Zivilcourage gestärkt – und das in vielerlei Hinsicht.

„Grapsch-Paragraf“ reicht nicht aus

Wenn schon eine Debatte über sexuelle Gewalt, dann in vollem Umfang, sagt die Bürgermeisterin. Der „Grapsch-Paragraf“ lange hierfür nicht aus, auch wenn er eine rechtliche Basis bilde. Vielmehr „muss es einen Sinneswandel bei allen Verantwortlichen geben“. Die Politik habe den gesellschaftlichen Veränderungen noch weit mehr Rechnung zu tragen. Eine Lösung sieht die Bürgermeisterin aber nicht etwa im Ausbau der Videoüberwachung. Vielmehr brauche es mehr Personal für die Polizei, aber noch dringlicher „vollziehbarere Gesetze“. Das, sagte Oppitz-Plörer mit Blick nach Deutschland, sei „keine unlösbare Aufgabe“.

Der überwiegende Teil der 1900 in der Landeshauptstadt derzeit aufhältigen Asylwerber sei „sehr willig, sich zu integrieren“, betonte Oppitz-Plörer. Um jedoch jener kleinen Gruppen endgültig Herr zu werden, die „unsere Wertehaltung nicht akzeptieren wollen“, müssten endlich „andere Maßnahmen ergriffen werden“. Oppitz-Plörer nannte hier die Nordafrikanerszene, aber auch Männer aus Afghanistan. Das Tempo, das die einzelnen Minister hier vorgeben, ist Oppitz-Plörer jedenfalls zu langsam.

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

Sechs Anzeigen nach Sex-Attacken in Silvesternacht

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hat die Innsbrucker Kriminalpolizei sechs Verdächtige ausgeforscht. Wie Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler am Montag bekannt gab, handelt es sich um sechs Männer aus Afghanistan, die im Raum Innsbruck, Kufstein bzw. Imst wohnen. Die Beschuldigten im Alter von 18 bis 22 Jahren kennen sich. Am Silvestertag trafen sie sich in Innsbruck, um den Jahreswechsel zu feiern. In der Innenstadt sollen die Afghanen dann 18 Frauen sexuell belästigt und möglicherweise auch genötigt haben. Ein Beschuldigter hat die Übergriffe bereits zugegeben. Die übrigen Verdächtigen räumen zwar ein, zum Tatzeitpunkt in Innsbruck gewesen zu sein, mit den Sexualdelikten wollen sie aber nichts zu tun haben. „Sie geben an, dass sie sich nicht erinnern können“, präzisiert Kirchler.

Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in einer Tiroler Flüchtlingseinrichtung hat die Kriminalbeamten auf die richtige Spur gebracht: „Der Zeuge hat einen Verdächtigen auf einem Foto erkannt und identifiziert“, erklärt Chef-Ermittler Ernst Kranebitter. Volltreffer – über den Afghanen konnten die Beamten dann fünf Landsleute ausforschen.

Die Männer wurden auf freiem Fuß angezeigt. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Opfer müssen die Verdächtigen erst noch auf Fotos identifizieren. Für die Kriminalbeamten ein mühsames Unterfangen, da mehrere Frauen aus Italien und Deutschland stammen.


Schlagworte