Osttirol

Osttiroler Hilfsprojekt im Südsudan: „Der Patientenansturm ist enorm“

Vor jeder Spitalstür warten Patienten.
© Krösslhuber

Das mit Spenden finanzierte Gesundheitszentrum in Mondikolok versorgt ein Einzugsgebiet von 200.000 Einwohnern. Angesichts der kritischen Lage im Staat ist kontinuierliche Hilfe wichtiger denn je.

Von Claudia Funder

Lienz, Mondikolok –„Es müsste schon viel passieren, dass ich nicht mehr in den Südsudan fahre“, erklärt Franz Krösslhuber entschlossen und mit seinem bekannt unbeirrbaren Optimismus im Gespräch mit der TT. Wie berichtet, hatte der Lienzer Arzt den Bau eines Health Care Centres initiiert, das vor allem dank Osttiroler Spenden in Mondikolok realisiert werden konnte und seit 2015 in Betrieb ist. Höchst ambitioniert war das Projekt von Anfang an. Aber angesichts der aktuell prekären Lage wird das Stemmen der Herausforderungen zunehmend zum Kraftakt.

Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, berichtet Krösslhuber, der kurz vor Weihnachten zurück in seine Heimat kam. Zu denken gebe vor allem die darniederliegende Wirtschaft. Bisher vom Bürgerkrieg ausgespart, haben sich die kriegerischen Auseinandersetzungen längst auch in den Süden des Staates verlagert. In Mondikolok herrscht eine nächtliche Ausgangssperre, Militär patrouilliert, es gibt Überfälle der Rebellen. Ein Hotspot der Kämpfe befindet sich nun auch im Bundesstaat Yei River State, dem Mondikolok seit 2015 zugeteilt ist.

Aufgrund großer Unsicherheit machen sich Menschen mit eingerollten Matratzen und Kisten samt Habseligkeiten auf den Weg. „Viele fliehen nach Uganda“, weiß Krösslhuber. „Meist bringen die Männer ihre Frauen und Kinder in das große Lager und kehren selbst zurück – um zu arbeiten oder sich den Rebellen anzuschließen.“ Die durchlässige Grenze sei ungehindert ohne Visum oder Pass zu passieren.

Yilka war mit 900 Gramm Gewicht das kleinste Frühchen, das erfolgreich "durchgebracht" wurde.
© Krösslhuber

Obwohl viele temporär die Heimat verlassen, schrumpft die Patientenzahl im Health Care Centre nicht. „Manche kommen zurück, wenn sie medizinische Hilfe benötigen“, berichtet Krösslhuber. Und: Andere Versorgungseinrichtungen sperrten zu, deshalb strömen immer mehr Kranke nach Mondikolok – oft von weit her. Das Einzugsgebiet umfasst 200.000 Einwohner. Krösslhuber: „Wir gingen anfangs von 30 bis 50 Patienten aus, jetzt sind es täglich über 100, oft sogar an die 150. Der Ansturm ist enorm, weil wir hier bald die Einzigen sind.“

Die Medikamentenverschreibung wurde auf effektive Medizin reduziert. Behandlungskosten für Kinder unter fünf Jahren und Schwangere werden vom Verein „Osttirol für Jalimo-Mondikolok“ gestemmt. Die Zahl der Geburten sei gestiegen, berichtet der Lienzer Arzt, der etwa von Yilka zu berichten weiß – mit 900 Gramm Geburtsgewicht das bisher kleinste Frühchen, das er erfolgreich „durchbrachte“.

Das Personal nächtigt aus Sicherheitsgründen nicht im Health Care Centre. Räder wurden angeschafft, damit jeder Mitarbeiter heimkommt. Krösslhuber radelte bei seinem vergangenen Aufenthalt täglich nach Dienst zur zwölf Kilometer entfernten Missionsstation. „Dort gibt es Wachmänner und einen Zaun“, erzählt er. Die medizinischen Geräte lagern nun bis zu seiner Rückkehr eingeschweißt in einem Container bei der Station. Sicher ist sicher. Das Auto parkt in Uganda.

Krösslhubers nächster Flug nach Afrika ist für 3. April geplant. Zwei Osttiroler Hebammen, die sich im BKH Lienz vorübergehend freistellen lassen, werden ihn begleiten. Die Geburtshilfe soll ausgebaut werden, ein OP-Raum entstehen und – noch heuer – ein Personalhaus. Priorität hat vorerst aber die Versorgung der vielen Patienten.

Fakt ist: Hilfe vor Ort ist wichtiger denn je. Wer etwas zum Erfolg des Hilfsprojektes beitragen will: Dolomitenbank, BIC OVLIAT21, IBAN: AT55 4073 0000 0001 7523.