Hamburg

Hohe Wellen um Hamburgs Konzertpalast

© APA/AFP/dpa/BODO MARKS

Mit der Elbphilharmonie hat Hamburg nun ein Konzerthaus von Weltrang. Auf das heutige Eröffnungskonzert wurde lange gewartet.

Hamburg –Diesmal hält der Eröffnungstermin. Die jahrelangen Querelen, Bauverzögerungen und die immensen Kostensteigerungen haben dem Interesse an der Elbphilharmonie nicht geschadet. Wenn heute das neue Wahrzeichen der Hansestadt mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock eröffnet wird, blickt nicht nur die Musikwelt nach Hamburg. Dass die Kosten des Prestigeprojektes von 77 auf 789 Millionen Euro gestiegen sind, weiß mittlerweile jedes Schulkind. Auch die zehnjährige Bauzeit (die Eröffnung war für 2010, 2012 und schließlich 2017 geplant) ist hinlänglich bekannt. Hier noch einige Zahlen und Fakten zu Deutschlands ehemals berühmtester Kulturbaustelle, die bereits jetzt als Architektur-Ikone gilt.

Der Hamburger Architekt Alexander Gérard trifft 2003 seinen Studienkollegen Jacques Herzog und berichtet von seinem lang gehegten Traum: Er und seine Frau, die österreichische Kunsthistorikerin Jana Marko, wollen im Kaispeicher A einen neuen kulturellen Anziehungspunkt schaffen. Bereits in den 1990er-Jahren hatte Gérard vergebens gefordert, an der exponierten Stelle in der neu entstehenden Hafencity einen Konzertsaal zu errichten. Die Entwürfe von Herzog und seinem Partner Pierre de Meuron, die eine filigrane Welle aus Glas auf das Backsteingebäude setzen, begeistern die Öffentlichkeit. Umso mehr, als das neue Konzerthaus die Stadt zunächst nichts kosten soll. Der Saal sollte von einem Investor aus den Gewinnen finanziert werden, die er mit dem Bau des Hotels und der Wohnungen auf dem öffentlichen Grundstück erzielt.

Wie es zu dem finanziellen Desaster kommen konnte, sollten knapp zehn Jahre später zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse klären. Das Ergebnis: Ursache sind eine viel zu frühe Ausschreibung trotz unfertiger Planung, zu wenig Kontrolle und Überforderung vonseiten der Politik sowie ein chaotisches Nebeneinander von Baukonzern und Architekten. Ende 2006 wurden die Verträge zwischen der Stadt, den Architekten Herzog & de Meuron und dem Bauunternehmen Hochtief unterzeichnet. 2011 wird diese fatale Dreiecksbeziehung aufgelöst.

Auch die architektonische Einzigartigkeit des Projekts forderte ihren Preis. Im großen Konzertsaal sitzt keiner der bis zu 2100 Besucher mehr als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Dank der Akustik des Japaners Yasuhisa Toyota sollen die Zuseher von allen Plätzen auch gleich gut hören können. Der 12.500 Tonnen schwere Saal wurde aus Schallschutzgründen komplett vom restlichen Gebäude entkoppelt und ruht auf 362 Stahlfederpaketen. Die spektakuläre Glasfassade mit ihren 1096 Fensterelementen ist einzigartig, jedes einzelne Element wurde zum Schutz gegen die Sonne mit einem Raster aus Chrompunkten individuell bedruckt. Eine 82 Meter lange Rolltreppe soll die Besucher auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe führen.

Um die 1000 Freikarten für die Eröffnungskonzerte haben sich 200.000 Menschen beworben. Online wurden die Karten um bis zu 1000 Euro gehandelt. Laut einem Medienbericht soll es auch eine Schwachstelle im Ticketsystem der Elbphilharmonie gegeben haben: Karten konnten, ohne zu bezahlen, mit einem Trick heruntergeladen werden.

Im Fernsehen oder per Live-Stream kann jeder mit dabei sein. Der Festakt wird ab 18.30 Uhr live von NDR und Arte übertragen, zusätzlich zum Live-Stream ist das Konzert auf Youtube auch als 360-Grad-Video zu sehen. ORF III überträgt das Eröffnungskonzert live ab 20.15 Uhr. Im Anschluss kommt die Doku „Die Hamburger Elbphilharmonie – Vom Millionengrab zum Klangpalast“. (TT, dpa, APA)