Wenn der Job zur Hölle wird: Mobbing-Beraterin in Lienz erzählt
Mobbing am Arbeitsplatz ist auch in Osttirol nicht selten. Mobbing-Beraterin Kornelia Meier berichtet von verbalen und körperlichen Angriffen und von geglückten Lösungen.
Von Catharina Oblasser
Lienz –Fall eins: Eine junge Frau weist die Annäherungsversuche ihres verheirateten Kollegen zurück. Daraufhin bringt dieser Nacktbilder mit ihrem Namen darauf im Büro an, bombardiert sie mit schmutzigen SMS und verfolgt sie bis nach Hause.
Fall zwei: Ein Arbeiter wird von einem Kollegen in eine Abstellkammer gedrängt und tätlich angegriffen. Trotz Anzeige lässt sich nichts beweisen, der Chef nimmt den Angreifer in Schutz.
Fall drei: In einem großen Unternehmen sollen die Sachbearbeiterinnen dazu gebracht werden, einer Stundenkürzung zuzustimmen. Die Leiter machen die Arbeit der Angestellten schlecht und halten ihnen jede Minute vor, die sie am WC verbringen oder zu spät kommen.
Fall vier: Eine Frau wird von einem Kollegen immer wieder am Po und der Brust betatscht. Doch vor einer Anzeige schreckt sie zurück.
So unterschiedlich die Fälle sind, haben sie doch eines gemeinsam: Es handelt sich dabei um Mobbing, wenn nicht gar um Straftaten am Arbeitsplatz. Und sie sind in Osttirol nicht die einzigen Ereignisse dieser Art. Mit Vorfällen wie den vier geschilderten hat Kornelia Meier regelmäßig zu tun. Die individual-psychologische Beraterin führt einmal im Monat eine Mobbing-Sprechstunde beim ÖGB in Lienz durch.
Für Mobbing-Opfer bleiben die Attacken, egal ob vom Chef oder von Kollegen, nicht ohne Folgen, weiß Meier: „Betroffene werden depressiv, entwickeln psychosomatische Krankheiten oder isolieren sich komplett von ihrer Umwelt, weil sie sich durch die ständigen Angriffe völlig wertlos fühlen.“ Vor allem Männer würden auch Scham empfinden und ihre Beschwerden als Zeichen der eigenen Schwäche deuten.
Beim ersten Beratungsgespräch dürfen sich die Mobbing-Opfer so richtig bei Kornelia Meier aussprechen und auch ihrer Wut Ausdruck verleihen. „Ich empfehle den Betroffenen, sich genaue Notizen zu machen: Datum, Uhrzeit und Art des Vorfalls, durch den sie sich gemobbt fühlen. Damit gibt es eine konkrete Handhabe, und Kollegen oder Chefs können das Ganze nicht als bloße Einbildung abtun.“ Als Nächstes wird gemeinsam eine Strategie gesucht.
Im Fall eins sah die so aus, dass die Betroffene, der verheiratete Kollege und der Firmenchef sich mit Meier zusammensetzten. Erst stritt der Täter alles ab. Doch die Ankündigung, bei nächsten Treffen werde man auch seine Ehefrau dazuholen, brachte den Mann schließlich zum Einlenken. Seither hörte Meier keine Beschwerden mehr.
Im Fall zwei kam es zu zwei polizeilichen Anzeigen. Dann solidarisierten sich andere Kollegen mit dem Opfer der Attacken. Als dann auch der Chef wechselte, war die verhängnisvolle Dynamik im Betrieb gebrochen, es kam zu keinem Mobbing mehr.
Im Fall drei wandten sich drei der Sachbearbeiterinnen an die Beratung und wiesen anhand von Unterlagen nach, dass ihre Arbeit untadelig war. Die Stundenkürzungen wurden abgeblasen.
Im vierten Fall erstattete die angegriffene Frau auch nach der Beratung keine Anzeige – vor allem deshalb, weil der Täter nur noch zwei Monate bis zur Pension hatte und nach diesem Zeitraum die Firma verließ.
Mobbing kommt in großen und kleinen Osttiroler Firmen vor, im Gesundheitswesen ebenso wie an Schulen oder im öffentlichen Dienst, weiß Meier aus Erfahrung. Und es kann jeden treffen.
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