Kälte in Griechenland: Glück hat, wer einen Holzofen besitzt

Athen (APA/dpa) - Der junge Mann holt tief Luft, fasst sich ein Herz und saust mit dem Snowboard die engen Gassen des Dörfchens hinab. Seine...

Athen (APA/dpa) - Der junge Mann holt tief Luft, fasst sich ein Herz und saust mit dem Snowboard die engen Gassen des Dörfchens hinab. Seine Handyaufnahme zeigt pulverigen Tiefschnee, wie Wintersportler ihn sich auf so manche Skipiste in den Alpen wünschen würden. Hier aber führt die Fahrt mitten durch Skopelos auf der gleichnamigen Sporadeninsel und endet unmittelbar vor der eisig türkisblauen Ägäis.

In Griechenland herrscht extremes Winterwetter. Das führt zu kuriosen, aber teilweise auch zu schlimmen Nachrichten. Mit Baggern, Schaufeln und manchmal auch mit bloßen Händen versuchen sich die Menschen den Weg freizuschaufeln.

In der Ortschaft Kimi (Kymi) auf der Insel Euböa gehen die Bewohner auf einer fast zwei Meter hohen Schneedecke. Unter den Schneehügeln links und rechts liegen die Autos verborgen, die am Straßenrand geparkt wurden. Immerhin ist der Ort noch zugänglich - drei weitere Dörfer der Insel sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten, ohne Strom und Wasser warten die Menschen dort auf Hilfe. Am Dienstag wurde ein Hubschrauber geschickt, um Kranke zu versorgen.

Militär, Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz, auf solch ein Wetter ist man - außer hoch im Norden des Landes - nicht vorbereitet. In Westgriechenland ging bereits das Streusalz aus. In Thessaloniki hingegen fror das Salz in den Streumaschinen ein - seit 50 Jahren habe man solches Wetter nicht gesehen, sagte der Bürgermeister.

In den Häfen des Landes versanken kleine Fischerboote unter der Last des Schnees im Wasser. Der Energieminister wandte sich mit der Bitte an die Bevölkerung, sparsam mit Strom umzugehen. Sofern die Menschen überhaupt Strom haben: Eilande wie Skopelos und Alonissos sind komplett eingeschneit und seit Tagen immer wieder ohne Elektrizität.

Auf Alonnisos knickten mehr als 100 Bäume unter der Schneelast ein und rissen dabei Stromleitungen um - der kleine örtliche Ableger der Elektrizitätsgesellschaft kommt kaum nach, die Schäden zu beheben. „Wir rücken zusammen, wer einen Holzofen oder Kamin hat, nimmt andere auf, deren Heizung ohne Strom nicht läuft. Manche haben auch im Hotel der Stadt Unterschlupf gefunden“, sagte Inselbewohner Kostas Mavrikis am Telefon. Gibt es wenigstens Fährverkehr? „Mal so, mal so.“

Bitter sind die Zustände jedoch vor allem auf Inseln mit vielen Flüchtlingen wie Lesbos und Chios. Migrationsminister Ioannis Mouzalas muss derzeit sowohl von der Opposition als auch von Hilfsorganisationen harte Kritik einstecken, weil dort für die Flüchtlinge und Migranten nicht ausreichend beheizbare Wohncontainer bereitstehen. Und weil ein Teil der Menschen in verschneiten Sommerzelten campen muss. Noch Anfang Jänner hatte Mouzalas verkündet, kein Flüchtling werde frieren.

Das Gegenteil war der Fall. Also wurde zunächst versucht, die Menschen in Hotels unterzubringen. Als das nicht klappte, fiel am späten Dienstagnachmittag, vier Tage nach Beginn des Schneefalls, die Entscheidung, ein Kriegsschiff nach Lesbos als schwimmende Unterkunft zu schicken. Unterdessen berichten Hilfsorganisationen und die Migranten selbst per Facebook und Twitter von dem Elend. Bilder zeigen tief verschneite Zelte und gefrorenen Boden, oder auch matschige Wege überall dort, wo es tagsüber ein bisschen taut.

(S E R V I C E - Video „Snowboarden auf Skopelos“: http://www.skopelosnews.gr )