Innsbruck

Müllsammlung: Die Nagelprobe kommt zum Schluss

(Symbolbild)
© Rudy De Moor / TT

Die Umstellung der Müllsammlung in Innsbruck hat für viel Kritik gesorgt. Das Herzstück der Reform, die Innenstadt, bildet im März den Abschluss – Sonderlösungen sind gefragt. Indes steht das Abholservice vor dem Aus.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Eigentlich sollte die Umstellung des Müllsammelsystems in Innsbruck bereits abgeschlossen sein. Doch aus Oktober 2016 wurde nun der März 2017. Ab diesem Zeitpunkt sollen Plastikmüll und Altpapier dann auch in den noch ausständigen Bereichen Innenstadt (plus Altstadt), Dreiheiligen, Saggen und Wilten Nord (nördlich des Südrings) nicht mehr von den Sammelinseln der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB), sondern von Haus zu Haus abgeholt werden. Info­broschüren, amtliche Mitteilungen und Informationsveranstaltungen sollen die Betroffenen aufklären.

Von dieser letzten Umstellung sind laut Auskunft von Reinhard Oberguggenberger, dem IKB-Geschäftsbereichsleiter Abfallwirtschaft, noch 13.947 von in Summe 69.175 Haushalten betroffen. Obwohl also der Großteil bereits auf das neue Sammelsystem umgestellt ist, sind die letzten nun anzugehenden Abschnitte sozusagen die Nagelprobe für die Reform. Gerade das Platzproblem ist die zentrale Herausforderung in den nun anstehenden Umstellungsgebieten der Innenstadt: dicht verbaut und kaum Raum für zusätzliche Abstellflächen.

Zu wenig Platz für die zusätzlichen Müllbehälter in den Wohnanlagen, Schwierigkeiten mit der Bereitstellung der Container an den Abholtagen, zu lange Abholintervalle, zusätzliche Kosten durch allfällige Bereitstellungs­services und eine „Verkübelung“ des Stadtbildes – das sind Kritikpunkte, die in den bereits umgestellten Stadtteilen aus der Bevölkerung an die IKB herangetragen wurden, sagt Oberguggenberger.

Umso mehr bedarf es in der Innenstadt Sonderlösungen, wie die IKB ankündigen. Demnach werden Papier und Plastik in diesen Haushalten fix wöchentlich abgeholt. In abgelegeneren Gegenden ist dies nur alle vier Wochen der Fall. Nach erfolgter Umstellung, sagt Oberguggenberger, würde der Müll bei 75 Prozent aller Haushalte wöchentlich, bei 25 Prozent nur im Monatsrhythmus entsorgt. Kritik an den Abholintervallen entgegnet Oberguggenberger, in den Umlandgemeinden würden „die Leichtverpackungen nur alle sechs Wochen abgeholt“.

Doch es wird für den Stadtkern noch eine zweite Sonderlösung in Sachen Müll geben. Sollen doch hier zwei Müllsammelinseln in vollem Umfang erhalten bleiben: nämlich jene bei der Markthalle und in der Paul-Hofhaimer-Gasse. Dies soll vor allem Haushalten mit äußerst wenig Stauraum helfen. Und „dort dürfte es auch die wenigsten Anrainerbeschwerden geben“, schätzt Oberguggenberger. Die verbleibenden zwei vollwertigen Sammelinseln werden aber mit einem Überwachungssystem ausgestattet, um Fehl- und Fremdwürfe einzudämmen, kündigen die IKB an. Ziel der gesamten Umstellungsaktion ist es ja, die bisherigen Müllsammel­inseln nur noch auf Altglas und Metall zu beschränken. Denn die Recyclingstellen waren immer wieder Anlass für Beschwerden, zudem dienten sie immer öfter „Mülltouristen“ aus dem städtischen Umland zur Ablagerung ihrer (teils gewerblichen) Abfälle. Die Immissionsbelastung solcher Sammelstellen war für viele Anrainer unzumutbar. Letztlich gab auch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) anlässlich der Klage eines Anrainers den Anstoß.

Sowohl die IKB als auch die zuständige Vizebürgermeisterin Sonja Pitschieder (Grüne) sind trotz aller Kritik vom Erfolg der Umstellung überzeugt. Nicht nur, dass die Recyclingquote nunmehr besser und höher sei – auch habe sich die Situation an den Wertstoffsammelinseln gebessert. Ist die Umstellung abgeschlossen, soll das gesamte System hinsichtlich seiner Schwächen und Stärken evaluiert werden, sagt Pitscheider.

Da dürfte dann wohl auch die Frage nach dem Fortbestand des von der IKB-Tochterfirma Mussmann angebotenen Abhol- bzw. Bereitstellungsservice gestellt werden. Wer nicht selbst oder per Hausmeisterservice seine Tonnen an den Abholtagen vor die Wohnung stellen will, kann dies auch durch Mussmann erledigen lassen. Das kostet je nach Behältergröße und -anzahl unterschiedlich viel. Da in manchen Gebieten der Müll an zwei unterschiedlichen Tagen abgeholt wird, sprechen Kritiker von einem „zusätzlichen Körberlgeld“. Dem widersprechen die IKB. Gezahlt werden müsse nicht pro Abholtag. Ein diesbezügliches Schreiben der Firma Mussmann kann aber auch anders gelesen werden. Dieses Service habe man auf Wunsch der Stadt mit Oktober 2016 eingeführt, bestätigt Oberguggenberger. Pitscheider sagt, es werde „von Hausgemeinschaften und Älteren gut angenommen“. Die Bilanz der IKB ist eine andere. „Die Anzahl der Kunden ist sehr überschaubar“, sagt Oberguggenberger. Mehr als 15 seien es nicht. Das habe auch die IKB überrascht: „Wir überlegen, das Service wieder einzustellen.“