Bezirk Imst

Eine Institution sagt den Kleinen leise „Servus“

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Der Imster Kinderarzt Peter Herzog schloss kürzlich seine Praxistüre für immer. Er war der älteste praktizierende Mediziner im Bezirk.

Von Hubert Daum

Imst –Im Warteraum sitzen Kinder auf dem Schoß der Eltern, ein Bild wie immer. Der 5. Jänner ist allerdings kein Tag wie jeder andere. Nicht jeder bringt ein krankes Kind mit, einige sind einfach gekommen, um sich zu verabschieden. Für den Kinderarzt Peter Herzog ist es nämlich der letzte Ordinationstag.

„In der Abrechnung der Krankenkasse war mein Alter computertechnisch gar nicht mehr vorgesehen“, schmunzelt der 80-Jährige, „für mich war meine Tätigkeit immer eine Freude und fast ein Hobby.“ Seit 1970 ordinierte Herzog am selben Standort in Imst, seine Praxis war 15 Jahre lang die größte in Tirol. In den stärksten Tagen habe er bis zu 60 Kinder am Tag behandelt, über 100.000 Rezepte habe er im Laufe der Jahrzehnte ausgestellt. „Ich schätze, dass ich über 100.000 Kinder in meinen Händen hielt“, mutmaßt der kerngesunde 80er, der seinen Hund zum guten Teil für seine Fitness „verantwortlich“ macht.

Ein Arzt, der 47 Jahre lang annähernd täglich praktiziert, erlebt natürlich die verschiedenen Entwicklungen in der Medizin. Der nunmehrige Pensionist: „Die ernährungsbedingten Erkrankungen und Infektionskrankheiten gingen stark zurück. Kinderlähmung und Diphtherie scheinen besiegt, Antibiotika und Impfungen sind wichtige Errungenschaften der Medizin. Was allerdings verloren gegangen ist, ist der ganzheitliche Blick. Die Spezialisierung ist zu stark ausgeprägt.“ Die Zunahme von Allergien bei Kindern ist auch für Peter Herzog augenscheinlich: „Heute wachsen die Kinder zu steril auf.“ Äußerst besorgniserregend sieht der Mediziner die Zunahme der psychischen Erkrankungen bei Kindern: „Auf der Kinderklinik existiert bereits ein eigener Lehrstuhl für Psychosomatik.“ Kinder hätten heutzutage keine Grenzen mehr, hier würde auch die fehlende Religiosität eine Rolle spielen: „Eine ethische Leitlinie sollte jeder Mensch haben.“

Das lachende Auge am Beginn des neuen Lebensabschnittes sei größer: „Ich habe eine tolle Familie, das ist das Wichtigste. Mit der werde ich meinen Lebensabend genießen. Am meisten wird sich wohl unser Hund freuen.“