Auf die 1880 Kilometer lange Reise muss der Tiroler Speck mit
Der Tiroler Andreas Kapfinger startet heute seinen 1880 Kilometer langen Roadtrip zum Para-Bob-Weltcup in Lillehammer. Ein deftiges Schmankerl darf im Gepäck nicht fehlen.
Von Benjamin Kiechl
Innsbruck –Wenn Andreas Kapfinger heute Abend mit seinem Vater Reinhold in Reith im Alpbachtal das Auto startet, endet die Reise erst nach rund 1880 Kilometern Fahrt. Von Tirol aus geht es nach Lillehammer (NOR), wo das Duo am Samstag ankommen will. Beim Roadtrip zum Olympia-Ort von 1994 und anschließend weiter zur Europameisterschaft nach Oberhof (GER) dürfe ein Tiroler Schmankerl nicht fehlen, sagt Kapfinger. „Ein Stück Tiroler Speck muss mit!“
Gut gestärkt ist für den 39-Jährigen kein Weg zu weit. „Ich will in Lillehammer in die Top 10 fahren. Wenn es für noch mehr reicht, wäre das der Oberwahnsinn“, sagt der seit einem Snowboardunfall (1997) querschnittgelähmte Alpbachtaler.
In seiner zweiten Weltcupsaison im Para-Bob hängen die Trauben höher. Beim Saisonstart in Park City (USA) raste der „Rookie“ immerhin auf die Plätze sechs und sieben. „Ich bin derzeit die Nummer sechs der Welt und kann mich gegen Fahrer, die schon seit über zehn Jahren dabei sind, gut behaupten.“ Im Vorjahr bei seiner WM-Premiere in Übersee raste Kapfinger auf Platz acht, heuer soll bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz (4./5. Februar) mehr drin sein. Kapfinger: „Ich habe noch Luft nach oben.“
Selbst ein Trainingssturz bei 130 km/h vergangene Woche auf der Natureisbahn in St. Moritz könne ihn nicht aus der Bahn werfen. „Ich weiß jetzt, wo ich attackieren kann und bei welchen Kurven ich aufpassen muss.“
Der Ehrgeiz Kapfingers ist ungebrochen. Die Kritik, dass es nur wenig internationale Konkurrenten geben würde, lässt er nicht gelten: Aus den USA, Großbritannien, Lettland und Norwegen kommen die stärksten Fahrer. Der Fairness-Gedanke sei im Para-Bob zudem besonders groß. Es gibt keine Materialschlacht, kein Tüfteln am Startritual. Im Gegenteil: Es gibt für den Weltcup zehn baugleiche Leihbobs, die vor jedem Rennen ausgelost werden. „Sie sind gleich gebaut, gleich schwer und wir werden am Start exakt an der gleichen Stelle losgelassen“, erklärt Kapfinger.
Im Eiskanal hat der ehemalige ÖSV-Behindertenskifahrer trotz seines anstehenden 40. Geburtstags noch viel vor. „Bobfahren ist für mich keine Eintagsfliege. Da will ich in den nächsten zehn, 15 Jahren dranbleiben.“ Viel Motivation gebe der Beschluss, dass die Disziplin für die Paralympischen Spiele 2022 in China ins Programm aufgenommen wurde.
Vom Österreichischen Bobverband und den Verantwortlichen auf der Bahn in Igls bekomme er viel Unterstützung. „Trotz Rodel-Heim-WM bekam ich immer wieder Gelegenheit für Trainingsfahrten.“ Den finanziellen Rückhalt geben lokale Sponsoren sowie die Integrationsveranstaltung RollRinn. Und für den nötigen Energieschub liegt ein Stück Speck parat.
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