„High Noon“ für Donald Trump: Angelobung zum neuen US-Präsidenten
Washington/Wien (APA) - Wie alle vier Jahre werden sich auch am nächsten Freitag Hunderttausende Amerikaner vor dem Kapitol, dem Parlamentsg...
Washington/Wien (APA) - Wie alle vier Jahre werden sich auch am nächsten Freitag Hunderttausende Amerikaner vor dem Kapitol, dem Parlamentsgebäude der USA, versammeln, um mitzuerleben, wie der neue Präsident in sein Amt eingeschworen wird. Auch wenn die Person des neuen POTUS („Präsident Of The United States“) diesmal alles in einem ein wenig grelleren Licht erscheinen lässt: Für Überraschungen ist wenig Platz - ist doch, wie der gesamte Wahl-Ablauf, auch die Prozedur der Amtseinführung in der Verfassung genau festgelegt.
Bis 1933 wurde der neue Präsident am 4. März angelobt. Mit dem 20. Verfassungszusatz wurde dann der Beginn der Amtszeit ab der zweiten Periode von Franklin D. Roosevelt auf den 20. Jänner vorgezogen. An sich legt die Verfassung den Beginn der Amtszeit des Präsidenten auf exakt 12:00 Uhr Mittags fest. Bis der aber seinen Amtseid abgelegt hat, ist es meist ein wenig später. Das auch, weil vor dem Präsidenten schon sein Vizepräsident vereidigt wird - zur Sicherheit, für den Fall eines Anschlags in letzter Sekunde.
Die feierliche Amtseinführung des Präsidenten findet an der Westseite des Kapitols auf den Stufen zum Parlament unter freiem Himmel statt. Geleitet wird die Zeremonie vom Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs der USA, seit 2005 John Glover Roberts. Die Eidesformel, die mit vollem Namen zu leisten ist, lautet für den neuen Präsidenten Donald Trump folglich:
„Ich, Donald John Trump, schwöre feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich erfüllen und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach bestem Wissen und Gewissen bewahren, schützen und verteidigen werde - so wahr mir Gott helfe.“ Die Formel wird dem Präsidenten vom „Chief Justice“ abschnittsweise vorgesprochen.
Dann beginnen die Unwägbarkeiten: Angesichts der Tatsache, dass Donald Trump seine politischen Meinungsäußerungen bisher fast ausschließlich im 140-Zeichen-Modus des Kurznachrichtenmediums Twitter abgibt, lässt die Aussicht auf die Antrittsrede, in der der gerade angelobte Präsident traditionell die Ziele seiner Regierung und seine Vorstellungen von der Präsidentschaft darlegt, diesmal zu einer großen Unbekannten werden.
Die zweite Sollbruchstelle des ritualisierten Ablaufes bietet sich mit der Tatsache, dass, zum Zeichen der Kontinuität des Präsidentenamtes, der neue und der alte Präsident wie auch die beiden Vizepräsidenten traditionell gemeinsam auf der Ehrentribüne stehen - und wohl kaum ein Präsidentenwechsel weniger unter dem Gesichtspunkt der Kontinuität gesehen werden kann als jener von Barack Obama zu Donald Trump. In der über 225-jährigen Geschichte des US-Präsidentenamtes wurde diese Tradition, außer im Fall des Todes des Amtsinhabers, nur fünf Mal missachtet - zuletzt 1974, als der aufgrund des „Watergate“-Skandals zurückgetretene Richard Nixon die Vereidigung seines Vizepräsidenten Gerald Ford aus nachvollziehbaren Gründen „schwänzte“.
Nach der Vereidigung und seiner Antrittsrede begibt sich der neue Präsident mit seiner Familie über die Pennsylvania Avenue vom Kapitol zum Weißen Haus, das seit dem Jahr 1800 Amtssitz des Präsidenten ist und das mit Ausnahme des ersten Präsidenten George Washington alle Präsidenten der USA bewohnt haben. Auch hier dürfte die neue „First Family“ für einen Traditionsbruch sorgen: Zwar will Donald Trump aus seinem gleichnamigen Tower in das Weiße Haus übersiedeln, seine Frau Melania und sein zehnjähriger Sohn Barron vorerst aber nicht, wie sie unter Verweis auf einen sonst nötigen Schulwechsel während des Jahres angekündigt haben.
Entlang der Strecke vom Kapitol zum Weißen Haus werden schließlich auch dieses Mal wieder tausende Zuschauer darauf warten, dass der neue Präsident - zum Horror seiner Hundertschaften von Bewachern - aus dem Auto steigt und ihnen zuwinkt. Danach folgt eine Parade und rund ein Dutzend an Galaveranstaltungen, auf denen das Staatsoberhaupt auf ein schnelles Tänzchen vorbeischauen muss.
Sollte, wie zuletzt bei der Wiederwahl Ronald Reagans 1985, das Wetter am „Inauguration Day“ eine Angelobung im Freien partout nicht möglich machen, findet sie im Kapitol statt - ohne Publikum, nur mit der politischen Elite und den Medien. Fällt der 20. Jänner auf einen Sonntag, wie im Fall der zweiten Angelobung Obamas im Jahr 2013, gibt es keine Feier, sondern nur das Gelöbnis im Weißen Haus, die öffentliche Inauguration wird dann am Montag nachgeholt.
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