VW-Skandal - Noch offen, wer wann was wusste
Wolfsburg (APA/dpa/Reuters) - Das Abgasskandal kostet Volkswagen Milliarden. Zwar hat der Konzern mit dem zweiten großen Vergleich in den US...
Wolfsburg (APA/dpa/Reuters) - Das Abgasskandal kostet Volkswagen Milliarden. Zwar hat der Konzern mit dem zweiten großen Vergleich in den USA nun ein weiteres teures Kapitel des Abgas-Skandals geschlossen, die juristische Aufarbeitung ist damit aber weder in den USA noch in Europa zu Ende. Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn stellt sich am 19. Jänner dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zur VW-Dieselaffäre.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen 31 Beschuldigte - darunter Ex-VW-Boss Winterkorn, VW-Markenchef Herbert Diess und Chefaufseher Hans Dieter Pötsch - in ganz unterschiedliche Richtungen. Anklagen gibt es bisher nicht.
In den USA wie in Deutschland geht es weiter um die Schuld oder Unschuld einzelner Personen. In den Vereinigten Staaten sitzt ein VW-Manager in Haft, ein weiterer hat sich in einem Verfahren schuldig bekannt, zwei Kronzeugen aus dem VW-Konzern helfen den Behörden - im Gegenzug müssen sie kein US-Verfahren befürchten. Ob und gegen wen dort noch ermittelt wird, ist bisher unklar.
Der jüngst verhaftete VW-Mitarbeiter dürfte aber eine wichtige Rolle spielen. Dabei geht es nicht darum, wer vor mehr als zehn Jahren mit dem Abgasbetrug begonnen hat und auf wessen Anweisung, sondern zunächst um die Frage, ab wann wer was gewusst hat und wo. Fragen, die auch deutsche Ermittler interessieren - und nicht nur die. Auch für die Kläger, die vor dem Landgericht Braunschweig Schadenersatz für die mit VW-Aktien erlittenen Kursverluste haben wollen, ist spannend, ab wann die VW-Spitze über „Dieselgate“ im Bilde war.
Dass es Probleme mit Abgaswerten in den USA gibt, ist spätestens seit dem Frühjahr 2014 bekannt. Damals veröffentlichte das ICCT eine Studie zu auffälligen Messungen - von Betrug war noch keine Rede. Konzernchef Martin Winterkorn hatte dazu erstmals am 23. Mai einen Vermerk in seiner Post. Über mögliche Ursachen oder Risiken sei darin nicht berichtet worden, hatte Volkswagen in einer Stellungnahme im Schadenersatzverfahren vor dem Landgericht Braunschweig geschrieben.
Gut ein Jahr später, am 27. Juli 2015, berichteten Mitarbeiter - darunter wohl auch der in den USA inhaftierte Manager - in Wolfsburg über den Stand der Dinge. VW hatte bereits Anfang 2016 in der Stellungnahme erklärt, Winterkorn und Diess hätten an diesem Treffen teilgenommen. Es sei möglich, aber nicht sicher, dass damals eine Softwareänderung als Grund für die erhöhten Abgaswerte genannt wurde. Der Anklage gegen die Manager zufolge gestattete das Management den US-Kollegen, die Existenz dieser Änderung weiter zu verschweigen. Laut VW forderte Winterkorn eine weitere Aufklärung.
Der Untersuchungsausschuss in der Diesel-Abgasaffäre im Deutschen Bundestag war im April 2016 eingesetzt worden. Er soll klären, ob Regierung und Behörden in die Manipulationen des Autokonzerns involviert waren oder nicht rechtzeitig genug für eine Aufdeckung sorgten. VW hat in den USA seine Schuld eingeräumt und will noch am Mittwoch einen Vergleich mit den US-Behörden schließen. VW hatte im September 2015 die Abgas-Manipulation von weltweit elf Millionen Autos per Software zugegeben. Winterkorn, der nach Bekanntgabe der Abgasmanipulationen sein Amt aufgeben musste, war von der Linkspartei und den Grünen geladen worden.
~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA475 2017-01-11/17:06
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