Vogelgrippe - Großgeflügelbauer hat aus Erfahrungen von 2006 gelernt

Wien (APA) - 103 Betriebe liefern an den steirischen Großgeflügelbauer Toni‘s Freilandeier und sind somit von der bundesweiten Stallpflicht ...

Wien (APA) - 103 Betriebe liefern an den steirischen Großgeflügelbauer Toni‘s Freilandeier und sind somit von der bundesweiten Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe betroffen. „Die Umsetzungen der Maßnahmen sind kein Problem“, sagte Christian Winter, Qualitätsmanager bei der Knittelfelder Firma im Gespräch mit der APA. Denn die Erfahrungen aus der Stallpflicht bei der Vogelgrippe im Jahr 2006 halfen diesmal.

Diese haben ein professionelles Vorgehen ermöglicht. Auch die Zulieferbetriebe, die bereits am Montag informiert wurden, kannten die Situation schon, führte Winter aus. Nach der ersten Vogelgrippewelle sei man zudem dazu übergangen, den Hygienezustand der Betriebe jährlich zu beurteilen, auch die Erfahrungen von der wissenschaftlichen Seite her natürlich zugenommen, „und diese steht in Kontakt mit den Branchenvertretern“, so Winter. Der Unterschied zu 2006 sei aber die immense Häufung der Fälle, und das Wildvögel betroffen waren, die nicht zu den Zugvögeln zählen, wie etwa Elstern oder Krähen.

„Aus meiner Sicht ist es eine Vorsorgemaßnahme, die im Hochwinter relativ wenig Auswirkung auf die Praxis hat, da die Tiere meist nur im überdachten Wintergarten sind“, kommentierte der Grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber die Stallpflicht. Besondere Härtefälle für die Betriebe seien bei den jetzigen Witterungsbedingungen nicht gegeben. Es wäre aber wichtig, die Gefahr jetzt zu evaluieren, um im Frühjahr eine rechtzeitige Entwarnung zu geben. Pirklhuber, selbst Biobauer in der Nähe von Pfarrkirchen bei Bad Hall in Oberösterreich, erwartete sich für den nächsten Gesundheitsausschuss einen Bericht von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ).

Qualitätsmanager Winter gab zu bedenken, dass in Deutschland Betriebe von A(H5N8)-Virusfällen betroffen waren, die zu den Stallbetrieben zählen, wie auch schon 2006. So kam es im Nachbarland im Vorjahr zu Fällen in Putenmastbetrieben. „Die Übertragung über Vögel ist eben nur eine Möglichkeit, es gibt auch eine über Tiertransporte, Besucher, oder Verschleppungen etwa von Kot“, und dies seien scheinbar die wahrscheinlicheren Varianten der Übertragung auf Geflügel.

Die Stallpflicht ist indes für die Tiere eine neue Situation: „An sich gehen die Hennen ja täglich raus, nun halten sie sich im Wintergarten auf“, in einem mit Maschendraht geschützten, abgedachten Bereich. Bei Nervosität aufgrund des fehlenden Auslaufs gibt es pflanzliche Futterbeigaben, die ähnlich wie Baldrian eine beruhigende Wirkung auf die Tiere haben. „Zusätzlich werden in die Einstreu Getreidekörner beigegeben, mit denen sich die Tiere beschäftigen können“, sagte Winter. Mit Verhaltensstörungen wie Kannibalismus wird aber nicht gerechnet.

Interesse, dass die Maßnahme aufgehoben wird - auch wenn jetzt die Sicherheit im Vordergrund stehe - habe man aber natürlich. „Aus den bisherigen Verläufen kann man damit rechnen, dass die Fälle im Verlauf des Frühjahrs abnehmen“, da das Virus dann weniger beständig ist und ähnlich wie die Grippe beim Menschen wieder verschwindet. So hofft man auf warme Temperaturen.

Dass nach den EU-Vermarktungsnormen für Eier ist nach zwölf Wochen Ausgehverbot Schluss mit der Bezeichnung „Freiland“ ist, macht Winter weniger Sorgen. Zum einem sei die Freilandhaltung eine vernünftige Art der Haltung und es werde Lösungen geben, da sie eine etablierte Möglichkeit ist, die man bestehen lassen will, und „ein Verbot dieser wäre auch kein Ende der Vogelgrippe“. Keine Sorge muss sich der Konsument machen, denn die Eier tragen den Virus nicht in sich, noch ist bisher weltweit kein Erkrankungsfall von Menschen durch A(H5N8)-Viren bekannt.