Schablonenhafte Härte: „Kaiser von Atlantis“ in der Wiener Kammeroper

Wien (APA) - Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ die Kurzoper „Der Kaiser von Atlantis“ bei ihrer Premiere am Mittwochabend in der Wiene...

Wien (APA) - Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ die Kurzoper „Der Kaiser von Atlantis“ bei ihrer Premiere am Mittwochabend in der Wiener Kammeroper. Das Werk von Viktor Ullmann, das dieser gemeinsam mit Librettist Peter Kien 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt verfasste, geriet in Rainer Vierlingers Inszenierung mehr schablonenhaft denn eindringlich - trotz mehrerer gelungener Momente.

Wobei Vierlinger mit seinem Team auf eine allgemein angelegte Deutung des Stücks setzt. Statt sich ganz auf den Hintergrund der Entstehung während des Zweiten Weltkriegs und des Regimes der Nationalsozialisten zu verlassen, ist dieser Kaiser ein tyrannischer Despot von zeitloser Gültigkeit. Sein Vorhaben, den Krieg aller gegen alle auszurufen, bringt den Tod zur Verweigerung seiner Dienste und stürzt das Land folglich ins endgültige Chaos.

Es sind Gegensätze, die musikalisch wie optisch aufeinandertreffen und durchaus Spannung zu erzeugen wissen. Wo Ullmann in seiner Komposition geradezu sprunghaft von einem Moment in den nächsten wechselt, findet sich auf der Bühne das Pendant dazu: Wenn etwa der Tod (Dumitru Madarasan) mit dem das Leben verkörpernden Harlekin (Julian Henao Gonzalez) über Zeit und Vergänglichkeit philosophiert, bricht geradezu ansatzlos der schrille Trommler (Anna Marshaniya) mit der Kriegsverkündung über sie herein.

Von Verzweiflung und blinder Machtversessenheit, von Liebe an unmöglichen Orten ist in der Folge die Rede. Doch scheinen nicht nur die Wege von einer Szene in die nächste etwas bruchstückhaft, auch das Bühnenbild selbst vermittelt den Eindruck, dass hier vieles auf Sand gebaut ist - im wahrsten Sinne des Wortes. Das grundsätzlich solide Ensemble will beizeiten etwas zu viel des Guten und allen voran Matteo Loi gleicht als Kaiser Overall eher einer Karikatur. Dafür wissen die von Cosimo Miorelli gestalteten Videoübergänge mit intelligenten Verschiebungen zu begeistern. Da bricht das Kartenhaus des Terrors Stück für Stück in sich zusammen.

Ullmann und Kien arbeiteten mehrere Monate lang intensiv an ihrem Werk, für das bereits Proben im KZ Theresienstadt angesetzt waren. Die Uraufführung sollten sie aber nicht mehr erleben, beide wurden in Auschwitz hingerichtet. Erst 1975 erblickte „Der Kaiser von Atlantis“ in Amsterdam erstmals das Bühnenlicht. An Dringlichkeit hat das Werk seitdem sicherlich nichts eingebüßt. Gerade die von der Entstehungsgeschichte weitgehend losgelöste Version in der Kammeroper unterstreicht das.

Einen leicht schalen Beigeschmack konnte die Umsetzung dennoch nicht vermeiden, blieben doch einige Ideen scheinbar auf halber Strecke hängen. Immerhin führte Julien Vanhoutte das Wiener Kammerorchester sicher durch die verschlungenen musikalischen Pfade Ullmanns, deren Herausforderungen die Sänger durchwegs zu bewältigen wussten. Nach gut einer Stunde gab es freundlichen Applaus für das gesamte Ensemble.

(S E R V I C E - „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann und Peter Kien in der Kammeroper, Fleischmarkt 24, 1010 Wien. Eine Produktion des Theater an der Wien. Musikalische Leitung: Julien Vanhoutte, Regie: Rainer Vierlinger, Ausstattung: Susanna Boehm, Video: Cosimo Miorelli, Licht: Franz Tschek. Mit Matteo Loi, Dumitru Madarasan, Unnsteinn Arnason, Julian Henao Gonzalez, Frederikke Kampmann und Anna Marshaniya. Wiener Kammerorchester. Weitere Termine am 15., 18., 24., 27. und 31. Jänner sowie 2. Februar jeweils um 19 Uhr. www.theater-wien.at)