Rohstoffmarkt

Mehr Nachfrage, weniger Flächen: Kaffee wird langfristig teurer

Das Angebot wächst langsamer als die Nachfrage.
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Der Preisauftrieb wird durch den Euro-Verfall gegenüber dem US-Dollar noch verstärkt.

Hamburg – Ab der nächsten Woche müssen die deutschen Kunden des Kaffeerösters Tchibo 30 bis 50 Cent mehr für eine 500-Gramm-Packung Kaffee bezahlen, und auch für Österreich sei mit einer ähnlichen Preiserhöhung zu rechnen, hat Tchibo kurz nach Weihnachten angekündigt. Als führender deutscher Röster ist Tchibo eine Art Taktgeber der Branche.

Auch bei Aldi und Netto, bei Rewe und Edeka dürfte der Trend der Kaffeepreise eher aufwärts weisen. Gründe für die aktuelle Preisrunde sind die Entwicklungen auf den Rohkaffeemärkten und die Devisenkurse. Gegenwärtig kostet ein Pfund Rohkaffee (453 Gramm) knapp 1,50 Dollar. Das ist zwar deutlich unter dem Höchstpreis des vergangenen Jahres, der mit 1,74 Dollar im November erreicht wurde. Zuvor war der Preis aber jahrelang niedriger gelegen. Verschärft wurde die Entwicklung durch den Verfall des Euro gegen den Dollar, weil Kaffee in Dollar bezahlt werden muss.

Jedes Jahr kommt ein „Deutschland dazu“

Mittelfristig weisen die Indizien auf steigende Preise für Rohkaffee hin. Die Nachfrage steigt. Das liegt zum einen an der wachsenden Weltbevölkerung. Mittlerweile leben 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde; jedes Jahr kommt einmal Deutschland mit gut 80 Millionen Einwohnern dazu. Und viele von diese zusätzlichen Menschen wollen nicht nur Kaffee trinken, sondern können es sich auch leisten. Die Nachfrage nimmt vor allem in denjenigen Ländern zu, in denen der Kaffee auch wächst, in Südamerika, Afrika und Asien. Im Kaffeejahr 2015/16 (Oktober bis September) erhöhte sich der Kaffee-Konsum in den Erzeugerländern um eine Million Sack (60 Kilogramm) und damit stärker als in den klassischen Importländern.

Zum anderen werden die Anbauflächen knapp. „Der Klimawandel setzt ein und macht bestimmte Flächen weniger geeignet für den Kaffeeanbau“, sagt Claudia Brück von der Organisation TransFair in Köln. Qualitativ guter Kaffee wächst in Höhenlagen in Äquatornähe, die nicht beliebig vermehrbar sind. In der Folge steigen die Bodenpreise.

25 Millionen Kaffeebauern profitieren

In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Anbauflächen weltweit verdreifacht, weil vor allem asiatische Länder wie Vietnam in das Geschäft eingestiegen sind. Doch das Angebot wächst langsamer als die Nachfrage. In den vergangenen beiden Jahren wuchs die Lücke von 2,7 auf 3,3 Millionen Sack. Das treibt die Preise.

Von den höheren Rohkaffeepreisen profitieren 25 Millionen Kaffeebauern, die mehr Geld für ihr Produkt erlösen können. Fair gehandelter Kaffee, bei dem die Kleinbauern noch eine Extra-Prämie auf den Marktpreis erhalten, wird immer beliebter. Der Absatz stieg in Deutschland in den ersten neun Monaten des Vorjahres um fast ein Viertel auf 12.000 Tonnen. Viel ist das jedoch immer noch nicht. Der Marktanteil von „fairem Kaffee“ bewegt sich bei nur drei bis vier Prozent. (APA, dpa)