Bühne

Von der Last, die schönste Frau der Welt zu sein

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Filmstar und Erfinderin: Mit „Sieben Sekunden Ewigkeit“ setzt Peter Turrini der aparten Hedy Lamarr ein Denkmal.

Von Bernadette Lietzow

Wien –Vielleicht sollte man das unverzichtbare Handy ab nun „Hedy“ nennen und würde damit, neben einer späten Würdigung für den technik- affinen Filmstar, vermutlich auch deren Humor treffen. Hedy Lamarrs gemeinsam mit dem Musiker George Antheil während des Zweiten Weltkrieges entwickeltes Frequenzsprungverfahren zur abhörsicheren Steuerung von Torpedos ist Basis der störungsfreien Datenübertragung heutiger Mobilfunktechnologie. Dass ihre Erfindung erst nach Ablauf des Patentes Verwendung fand und ihr damit jegliche, nicht nur finanzielle Anerkennung vorenthalten blieb, ist nur eine der Ohr­feigen, die das Leben für das kecke Wiener Mädel Hedy Kiesler bereithielt.

„Ich und meine Arsch-Wimmerl sind jetzt weltberühmt“ scheint ihr ironischer Kommentar zur US-Premiere des Skandalfilms „Ekstase“ gewesen zu sein, jenes Streifens, in dem die 19-Jährige sieben Sekunden nackt durch einen Wald läuft und damit, für sie lachhaft, ihre Karriere als „schönste Frau der Welt“ begründete. Dieser Zuschreibung, geschickt befördert von der Presseabteilung bei Metro Goldwyn Mayer, konnte sich die nie wirklich ganz große Schauspielerin zeit ihres Lebens nicht mehr entziehen.

Skandale, Schönheitsoperationen, Alkohol und Beleidigungen seitens der Film- und Societypresse sind die Zutaten eines langen Lebens, das Hedy Lamarr, verarmt in Altamonte, Florida, im Jänner 2000 im Alter von 85 Jahren aushauchte.

Ob ihr, wie Peter Turrin­i sein Stück enden lässt, in den letzten Minuten Gott als Glamour-Stewart den letzten Whisky angeboten hat, bevor er sie in sein Himmels-Luftschiff geleitet, bleibt Geheimnis, man wünscht es dem fast vierzig Jahre seines Lebens „ehemalige­n“ Star.

Mit der Uraufführung von „Sieben Sekunden Ewigkeit“, am Donnerstag unter stürmischem Publikums-Jubel an der Josefstadt aus der Taufe gehoben, setzt Peter Turrini Lamarr in seiner aus „Vorerfindungen in Erfindungen“ umgestalteten Bühnen-Biografie ein redseliges Denkmal, das er der seit dem Premierenabend frischgebackenen Kammerschauspielerin Sandra Cervik auf den Leib geschrieben hat.

In einem Nacktheit andeutenden Bodysuit, versehen mit etlichen Fettpölsterchen, steht, liegt und hinkt Cervik zwischen zahlreichen kostümierten Kleiderpuppen eine rot tapezierte Rampe entlang, in deren Hintergrund auf einem Hollywood-like umrahmten Screen immer wieder besagte sieben Sekunden zweifelhaften Ruhms abgespult werden (Bühne: Miriam Busch). In Spielfilmlänge und pausenlos entrollt sich da, getragen von Witz, Zynismus, Verzweiflung und unbändigem Überlebenswillen, der Weg vom (zu) jungen Ehe-Schmuckstück eines österreichischen Waffenproduzenten über die Hollywood-Stilikone zur abgehalfterten Diva, der das Altern nicht verziehen wird.

Regisseurin Stephanie Mohr verzichtet auf Effekte, sie lässt allen Raum der Schauspielerin und kann auf Sandra Cervik sichtlich vertrauen. Uneitel und hochkonzentriert zeigt diese die unzähligen Gesichter der über die reale Person Hedy Lamarr hinausragenden Bühnenfigur. Ihr verdankt sich damit ein im besten Sinn sentimentaler, sehenswerter Theaterabend, dem man die gelegentlichen Untiefen und plakativen Abschweifungen in Turrinis Text (Stichwort: Pogrom an Juden in Galizien 1912) getrost vergeben kann.