Weltpolitik

Whistleblowerin Manning offenbar auf Obamas Begnadigungsliste

Chelsea Manning im Jahr 2010.
© Reuters

Einem Medienbericht zufolge bittet Chelsea Manning den US-Präsidenten um eine Begnadigung. Eine Entscheidung könnte am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Washington - Laut einem Bericht des US-amerikanischen TV-Senders NBC News wurde die Whistleblowerin Chelsea Manning von Präsident Barack Obama in die engere Auswahl für eine mögliche Begnadigung genommen. Wie der Nachrichtensender aus dem Justizministerium erfahren haben will, soll eine Entscheidung bereits am kommenden Mittwoch bekanntgegeben werden.

Derzeit verbüßt Manning eine 35-jährige Haftstrafe. Sie ist inhaftiert, weil sie im Jahr 2010, damals noch unter dem Namen Bradley, als Nachrichtenanalystin der US-Army rund 700.000 Dokumente der Aufdeckerplattform Wikileaks zugespielt hatte.

Die Haft der 29-Jährigen verlief nicht immer reibungslos: Sie hat zwei Suizidversuche hinter sich und war in den Hungerstreik getreten, nachdem man ihr untersagte, eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen.

Kurz nach Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten reichte Manning eine offizielle Petition an das Weiße Haus ein, in der sie den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama bittet, sie noch vor dem Ende seiner Amtszeit zu begnadigen. Weil die Petition vor mehreren Wochen die Zahl von 100.000 Unterschriften erreicht hat, muss das Weiße Haus darauf antworten.

"Mehr Hoffnung als je zuvor"

"Im Moment habe ich mehr Hoffnung, als in der ganzen Zeit vorher seit ihrer Verurteilung", sagte Mannings Tante, Deborah Manning, gegenüber NBC News. Sie sieht in dem Gnadengesuch aber auch Chelseas letzte Chance für "eine ganze Weile".

Auch Chelsea Mannings Anwälte drängen auf eine Begnadigung, habe sie doch eine zehnmal so hohe Strafe bekommen, als es bei Whistleblowern sonst üblich sei. "Ich habe Mörder, Vergewaltiger und Kinderschänder vor Gericht vertreten. Keiner von ihnen hat 35 Jahre bekommen", verlieh Mannings Verteidiger David Coombs im Gespräch mit NBC News den Forderungen Nachdruck.

Prominenter Unterstützer

Auch von einem weiteren berühmten Whistleblower erhielt Manning Unterstützung. Kurz nachdem der Bericht von NBC gesendet wurde, meldete sich der im Exil lebende Edward Snowden via Twitter zu Wort: "Mr. President, wenn Sie nur noch einen Gnadenakt vollziehen können, bevor Sie das Weiße Haus verlassen, bitte begnadigen Sie Chelsea Manning. Nur Sie können ihr Leben retten."

Eine Tatsache könnte die Hoffnungen der Begnadigungs-Befürworter weiter stärken: Barack Obama hat in seiner Amtszeit 148 Begnadigungen ausgesprochen - mehr als die elf Präsidenten vor ihm zusammen. (TT.com, bfk)