Die Kosten des Diesel-Skandals für Volkswagen - Stichwort
Wolfsburg (APA/Reuters) - Für die jüngste Einigung mit den US-Behörden in Sachen Dieselskandal muss Volkswagen eine weitere milliardenschwer...
Wolfsburg (APA/Reuters) - Für die jüngste Einigung mit den US-Behörden in Sachen Dieselskandal muss Volkswagen eine weitere milliardenschwere Last schultern. 4,3 Mrd. Dollar (4,1 Mrd. Euro) muss der Konzern für Strafen und Bußen in den USA hinblättern, darauf hat man sich mit der US-Justiz geeinigt. Das übersteige die bisherigen Rückstellungen und könne die Ergebnisse 2016 belasten, warnte Volkswagen.
18,2 Mrd. Euro hat der Konzern insgesamt für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zurückgestellt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben, und deshalb Schadenersatz fordern.
STRAFZAHLUNG IN DEN USA
Mit dem US-Justizministerium hat sich Volkswagen nach monatelangen Verhandlungen auf die Strafzahlung von umgerechnet rund 4,1 Mrd. Euro geeinigt. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten und auch mehr als Analysten erwartet hatten. Sie hatten mit einer Summe zwischen einer und drei Milliarden Euro gerechnet.
VERGLEICH MIT US-KUNDEN ZU KLEINEREN MOTOREN
Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Mrd. Dollar. Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.
Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.
VERGLEICH MIT US-KUNDEN ZU GRÖSSEREN MOTOREN
Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 83.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere 63.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Wieviel das den Konzern kostet, ist offiziell noch nicht bekannt. Die US-Umweltbehörde EPA schätzt die Kosten für VW auf insgesamt eine Milliarde Dollar. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 31. Jänner angesetzt.
ENTSCHÄDIGUNG FÜR US-HÄNDLER
Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,2 Mrd. Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten. Bei einem Gerichtstermin am 18. Jänner soll entschieden werden, ob die Einigung genehmigt wird.
RÜCKRUFE IN EUROPA
Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.
ENTSCHÄDIGUNG AUCH IN EUROPA?
Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.
VERGLEICH IN KANADA
Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Mrd. kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung.
AKTIONÄRSKLAGEN
Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1.500 Klagen über insgesamt 8,8 Mrd. Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.
DIE KRISE IST EINE GROSSE EINNAHMEQUELLE FÜR ANWÄLTE
Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen - zum Beispiel 175 Mio. Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.
~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA490 2017-01-12/17:55
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