Standort Tirol

Junge Facharbeiter willkommen

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Bodenseer beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Landeck: Keine Details zur „Causa Köhle“. Obmann Prantauer stellte Maßnahmenpaket gegen Facharbeitermangel vor. Der Tourismus bleibt starke Säule.

Von Helmut Wenzel

Landeck –Sechs Jahre machte Thomas Köhle seine Job in der Wirtschaftskammer Landeck, zur besten Zufriedenheit von Obmann Toni Prantauer. 2016 holte ihn Tirols Kammerpräsident Jürgen Bodenseer in die Chefetage nach Innsbruck. Die Nachricht, dass Kammerdirektor Köhle diese Woche den Schreibtisch auf Anordnung von Bodenseer räumen musste, schlug in Landeck wie eine Bombe ein. Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Landeck am Freitagabend im Stadtsaal ist darüber heftig diskutiert und gemauschelt worden.

„Nochmals: Mir persönlich tut es sehr leid“, erklärte Bodenseer. „Aber wegen des Vertrauensbruchs habe ich keine andere Möglichkeit gesehen. Meine Enttäuschung ist groß. Vor allem, weil ich viel Zeit in Gespräche mit ihm investiert habe. Mehr will ich dazu nicht sagen.“ Über Details zur Trennung habe man Stillschweigen vereinbart. Vor allem im Interesse von Köhle, um dessen berufliche Optionen nicht zu blockieren.

Themenwechsel: Eine Meldung des Landecker AMS läuft in der Endlosschleife. Bis zu 180 offene Lehrstellen bietet die Wirtschaft des Bezirkes allmonatlich an. Schwerpunkt sind freilich Ausbildungsplätze in den rund 1700 touristischen Betrieben – vor allem für Restaurantfachleute und Köche. „Dabei verzichten viele Betriebe darauf, ihre freien Lehrstellen zu melden. Aus Frust über die mühsame und oft erfolglose Suche“, weiß Toni Prantauer.

Vor dem Hintergrund sinkender Lehrlingszahlen bzw. eskalierenden Fachkräftemangels erklärte Prantauer: „Die Lehre im Bezirk Landeck zu stärken und gegensteuern, ist ein vorrangiges Anliegen der Wirtschaftskammer. Zwei Drittel der Tiroler sehen laut aktueller Konsumentenbefragung von Wirtschaftskammer, Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und TT einen akuten Mangel an Fachkräften in Tirol. Im November 2016 gab es laut AMS 1172 offene Stellen im Bereich Beherbergung und Gastronomie.“ Zusätzliche Probleme beschere zunehmende Unzufriedenheit über Soft Skills wie Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Disziplin, erläuterte der Kammerchef. „Tourismusberufe müssen noch viel attraktiver gemacht werden. Dazu gehören auch Lernpatenschaften mit Schulen, Wettbewerbe oder Crosstraining in Partnerhotels.“

Das Maßnahmenpaket der Landecker Kammer zur Förderung potentieller Fachkräfte biete weiterhin Veranstaltungen wie das Berufsfestival mit Lehrberufsmesse und den Aktionstag KIWI (Kinder entdecken Wirtschaft). Konkrete Projekte zur Berufsorientierung sind, so Prantauer, neuerdings auf einer eigenen Homepage zu finden – www.berufsreise.at. „Wenn es darum geht, sinnvolle Berufsorientierung in den Schulen zu fördern, kann nicht genug getan werden. Qualifizierte und engagierte Fachkräfte können heute mit deutlich besseren Berufsperspektiven rechnen“, zeigten der Kammerobmann und Bezirksstellenleiter Otmar Ladner auf.

Wie in den vergangenen Jahren hörten die Gäste des Empfangs ein kompromissloses Bekenntnis zur Freizeitwirtschaft. „Im Bezirk Land­eck setzt die Kammer auf den Tourismus als tragende Säule“, erklärte Präsident Jürgen Bodenseer. Die Aktivitäten des Landeck-Teams zur Förderung der Lehre könne er nur loben.

Prantauer sieht den Tourismus im Bezirk als „maßgebenden Wirtschaftsfaktor, von dem wesentliche Impulse für die Region ausgehen“. Die Betriebe würden „eine gewaltige Wertschöpfungskette in Gang setzen“. Alle nachgelagerten Branchen würden von den Investitionen in die touristische Infrastruktur profitieren. „9,6 Millionen Nächtigungen, ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sind eine erstaunliche Bilanz“, resümierte der Kammerchef.