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,,Egon“ legte Teile Deutschlands lahm, Lawinengefahr in Tirol

Umgestürzte Bäume, gesperrte Bahnstrecken, Flugausfälle und Schnee auf den Straßen: Sturmtief „Egon“ hat vor allem in Deutschland und in der Schweiz teilweise den Verkehr lahmgelegt. In Tirol warnen die Lawinenexperten vor einer verschärfter Situation.

Berlin, Basel, Innsbruck - Schneesturm "Egon" hat Deutschland am Freitag mit Starkwind und massiven Niederschlägen ins Winterchaos gestürzt. Es kam zu Ausfällen im Flug- und Bahnverkehr, auf glatten Straßen häuften sich in vielen Bundesländern die Unfälle, in Teilen Bayerns fiel wegen unterbrochener Leitungen der Strom aus. Auch in weiteren Teilen Westeuropas sorgte "Egon" für massive Probleme.

Lebensgefahr durch umstürzende Bäume

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor mehr Regen, Schneeregen und Schnee sowie Glätte und Sturm. In bergigen Regionen war demnach weiterhin mit unwetterartigen Schneeverwehungen zu rechnen. Die Behörden in mehreren Bundesländern warnten vor dem Betreten von Wäldern: Bäume könnten durch den Sturm und die Schneelasten umstürzen, es bestehe Lebensgefahr.

Schneeverwehungen, rutschige Straßen, querstehende Lastwagen und umgestürzte Bäume sorgten nach Angaben der Polizei am Morgen unter anderem in Hessen und Niedersachsen für zahlreiche Störungen und Unfälle. In mehreren niedersächsischen Landkreisen fiel die Schule aus. Auch Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und weitere Länder waren betroffen.

Zahlreiche Flüge gestrichen

Am Frankfurter Flughafen mussten nach Angaben des Betreibers Fraport bis zum Mittag knapp 130 Flüge gestrichen werden, die meisten davon wegen des Wetters. Im Tagesverlauf besserte sich die Lage allerdings deutlich.

Auch im Zugverkehr verursachte "Egon" starke Behinderungen. Im Fernverkehr kam es der Deutschen Bahn zufolge am Mittag auf zahlreichen ICE-Verbindungen bundesweit wegen einer Streckenunterbrechung zwischen Würzburg und Nürnberg zu Verspätungen von 45 Minuten. In fast allen Bundesländern kame es wegen der Folgen des massiven Sturmtiefs zu Ausfällen und Verspätungen im morgendlichen Regionalverkehr.

Stromausfälle in Bayern und der Schweiz

In Bayern gab es in der Nacht Stromausfälle von der Grenze zu Baden-Württemberg bis in die Kreise Fürth und Nürnberger Land. Bäume und Äste hatten Leitungen beschädigt, wie die Main-Donau-Netzgesellschaft mitteilte. Etwa 40 Orte waren betroffen. Reparaturen dauerten am Freitag noch an, teilweise wurden Gemeinden mit Notstromaggregaten versorgt.

Sturmböen, Schnee und weggeblasene Christbäume auch in der Schweiz: Das Tief "Egon" hat der Schweiz in der Nacht auf Freitag den ersten Sturm des Jahres beschert. In Basel und in der Ostschweiz fielen Züge aus, am Bodensee wurde der Fährdienst eingestellt.

Das Energieunternehmen BKW meldete am Freitagmorgen auch einen Stromausfall in der Region Mühleberg. Wegen verschiedener Versorgungsunterbrüche seien zeitweise mehr als 10.000 Kunden ohne Strom gewesen, schrieb das Unternehmen.

Über 330.000 Haushalte in Frankreich ohne Strom

In Frankreich waren zeitweise mehr als 330.000 Haushalte wegen "Egon" ohne Strom. Der Sturm fegte mit Geschwindigkeiten von teilweise mehr als 140 Stundenkilometern über das Land, entwurzelte Bäume, riss Stromkabel herunter und beschädigte zahlreiche Dächer. In der südfranzösischen Gemeinde Saint-Jeannet nahe Nizza wurde eine 43-Jährige vor den Augen ihrer Kinder von einer entwurzelten Zypresse erschlagen, als sie die Kinder zur Schule bringen wollte.

In Nordfrankreich mussten 180 Passagiere eines Thalys-Schnellzugs auf dem Weg von Brüssel nach Paris die Nacht im Zug verbringen. Grund waren gleich zwei Oberleitungsschäden. Auch zwei Eurostar-Schnellzüge zwischen London und Paris wurden gestrichen.

Sturmflutwarnung in England

Für fast die gesamte Ostküste Englands galt Sturmflutwarnung. In mehreren Orten wurden die Bewohner aufgefordert, sich in Notunterkünfte oder in sichere Gebiete zu begeben. Auch Haustiere sollten in den Notunterkünften aufgenommen werden. Allein im Küstenort Skegness standen rund hundert Soldaten bereit, um bei eventuellen Evakuierungen rasch helfen zu können.

In Belgien waren mehrere tausend Haushalte bis zum Vormittag ohne Strom, doch sollte sich die Lage im Laufe des Tages wieder normalisieren. Um die Hauptstadt Brüssel sorgten mehrere Unfälle wegen des Schnees für lange Staus. Der Wetterdienst warnte für den Nachmittag vor Hochwasser, vor allem in der Küstenstadt Ostende.

Auch für die Küstengebiete in den Niederlanden warnten die Behörden vor Hochwasser. In Amsterdam und der Umgebung setzten die Behörden nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP Pumpen ein, um die Wasserpegel niedrig zu halten.

Große Lawinengefahr in Tirol

In Tirol hat am Freitag der Lawinenwarndienst vor einer Verschärfung der Situation durch Neuschnee und Wind gewarnt. Die Gefahr wurde weiter als erheblich, also mit Stufe "3" der fünfteiligen Skala eingestuft. Im Tagesverlauf werde sie ansteigen. Die Tendenz gehe hinzu zu einer kritischen Lawinensituation, gebietsweise sei ein Anstieg auf Stufe "4", also große Lawinengefahr, möglich.

Neuschnee und stürmische Höhenwinde würden ständig frische Triebschneeansammlungen bilden, erklärten die Experten. Diese könnten schon bei geringer Zusatzbelastung als Lawine ausgelöst werden, also schon durch einen einzelnen Wintersportler. Gefahrenstellen liegen in Kammlagen und Steilhängen aller Expositionen. Auch exponierte Verkehrswege könnten zunehmend gefährdet werden.

Oberhalb von etwa 1.800 Metern bilden sich mit Neuschnee und starken bis stürmischen Winden aus Nordwest frische Triebschneeansammlungen. Dieser Triebschnee ist laut Lawinenwarndienst mit der Altschneeoberfläche meist schlecht verbunden und daher schon bei geringer Zusatzbelastung als Lawine auslösbar.

Oberhalb von 2.000 Metern sei zudem der schlechte Aufbau der Altschneedecke zu beachten. Besonders schattseitig bestehe das Fundament häufig aus einer Abfolge von dünnen Krusten mit dazwischen eingelagerten Schichten aus aufbauend umgewandelten, lockeren Schneekristallen.