Pflegeheim als großer Wunsch
Die Angerberger hätten gerne eine eigene Seniorenbetreuung im Ort. Nicht nur die Kosten dafür, sondern auch der Strukturpflegeplan des Landes Tirol stehen diesem Wunsch entgegen.
Von Wolfgang Otter
Angerberg –Die Altenbetreuung in einem örtlichen Pflegeheim ist auch in kleinen Gemeinden wie Angerberg, Angath und Mariastein ein Thema. Vor allen Dingen dann, wenn die Senioren in andere Orte ausweichen müssen. Das stellte auch die Mariasteinerin Isabella Weichselbraun bei einer Zufriedenheitsumfrage in der Bevölkerung der drei Orte für ihre Bachelorarbeit fest (zu finden auf der Homepage der Gemeinde Mariastein). Laut dieser (nicht repräsentativen) Umfrage aus dem Jahre 2016 wünschen besonders viele Angerberger ein Altenheim oder zumindest ein betreutes Wohnen.
Ansonsten erhalten die Gemeinden in der Umfrage Bestnoten, was die Zufriedenheit anbelangt. „71 % der Befragten gaben an, sie würden sehr gerne in ihrer Heimatgemeinde leben, 28 % gerne und 1 % eher nicht“, fasst Weichselbraun die Ergebnisse aller drei Gemeinden, die auch gemeinsam eine Pfarrgemeinde bilden, zusammen. „Dabei zeigt sich, dass die Mariasteiner am zufriedensten sind, knapp dahinter die Bevölkerung von Angerberg. In Mariastein und Angerberg gab es niemanden in der Stichprobe, der eher nicht- oder überhaupt nicht zufrieden angegeben hat – während in Angath 4,8 % der Befragten eher nicht angegeben haben“, schreibt Weichselbraun.
Mag die Umfrage auch letztlich nicht repräsentativ sein, spiegelt sie doch den in den Gemeindeämtern schon länger bekannten Wunsch wider. „Wir haben die besondere Situation, dass wir in keinem Altenheimverband Mitglieder sind“, erläutert Dieter Martinz, Bürgermeister des Wallfahrtsortes Mariastein. Er hat aber bislang durch die dörfliche Struktur der Kleinstgemeinde in den vergangenen sieben Jahren keinen Pflegeplatz für einen betagten Gemeindebürger suchen müssen.
In Angerberg wiederum befasst sich bereits ein Arbeitskreis mit dem Thema Altenbetreuung, wie der dortige Bürgermeister Walter Osl erklärt. Eines der ersten greifbaren Ergebnisse ist ein „Haus der Generationen“ in Abstimmung mit den beiden Nachbargemeinden. Wobei hier ein betreubares Wohnen realisiert werden könnte. Aber das Thema Heim wird ebenfalls diskutiert. Die Angerberger haben derzeit neun Senioren in Heimen des Umlandes einquartiert.
Acht Senioren hat Angath in Heimen im Bezirk untergebracht. Laut BM Josef Haaser sei dies aber mit Zusatzkosten für die Orte verbunden. Je nach Heim müssen sie einen Investitionsbeitrag pro Person bezahlen, in Wörgl betrage dieser derzeit 400 Euro pro Monat und Person. „Wenn wir uns in den Ausbau in Wörgl einkaufen hätten können, wäre das billiger gewesen, weil wir eine Förderung des Landes erhalten hätten“, sagt Haaser. Aber daraus sei in Wörgl nichts geworden.
Dieser Investitionsbeitrag, so ist aus Wörgl zu hören, hänge damit zusammen, dass die Errichtungskosten nicht in die Heimgebühren eingerechnet werden dürfen, also von der Errichtergemeinde zu berappen sind. Und was die Gespräche anbelange, hätte man es in Wörgl gerne gesehen, wenn die drei Orte sich am Ausbau (36 zusätzliche Betten) beteiligt hätten, man habe den „drei Bürgermeistern die erste Kostenschätzung vorgelegt, aber dann nichts mehr gehört“, sagt Heimleiter Harald Ringer vom Seniorenheim Wörgl. Die Stadt investiert bekanntlich 4,8 Mio. Euro.
Neben den finanziellen Auswirkungen – laut BM Walter Osl verweisen Experten darauf, dass ein Heim erst ab 60 Betten wirtschaftlich zu führen sei – ist wohl für Baupläne das größte Problem der Strukturplan Pflege des Landes Tirol. Laut dem sind in den vier Heimen (Kundl, Wörgl, Bad Häring, Kirchbichl) im Planungsverband 29 (Wörgl und Umgebung) bis zum Jahr 2022 356 Plätze vorgesehen. 326 bestehen laut Plan bereits heuer, im Rahmen des Planes würde sich kein neues Haus mehr ausgehen. Daher sei es mehr als fraglich, ob das Land zustimmen würde.
Auf alle Fälle stehen die Senioren nicht automatisch auf der Straße, wenn sie einen Heimplatz brauchen. In Wörgl werden sie in die normale Reihung aufgenommen, wie Ringer sagt. Dies hätte die Wörgler Politik für Ansuchen aus der Drei-Orte-Pfarrgemeinde so beschlossen.
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