Ari Rath tot - Reaktionen 2: „Der Löwe, er wird uns sehr fehlen“

Jerusalem/Wien (APA) - Weitere Reaktionen auf den Tod von Ari Rath:...

Jerusalem/Wien (APA) - Weitere Reaktionen auf den Tod von Ari Rath:

- Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ):

„Ari Raths Berichte haben nicht nur den Antisemitismus vor 1945 umfasst. Er schilderte auch den über viele Jahre beschämenden Umgang Österreichs mit der NS-Zeit in der Zweiten Republik. Ari Raths Worte prägten viele, vor allem junge Menschen. Bis ins hohe Alter setzte er sich mit aller Kraft gegen Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz in unserer Gesellschaft ein. Dafür können wir ihm nicht dankbar genug sein.“

- Fritz Aichinger (Kultursprecher ÖVP Wien):

„Ari Rath hat seiner Heimat Wien verziehen und seinen Kampf der Toleranz und der Versöhnung gewidmet. Ein großer Mahner, ein brillanter Erzähler und eine wichtige Stimme wider das Vergessen hat uns für immer verlassen. Als Kind aus unserem Land vertrieben, zählte er zu der wichtigen Aufbaugeneration Israels, wurde dort zu einem international anerkannten Journalisten und Publizisten und war durch seine Persönlichkeit eine wichtige Leitfigur für Versöhnung und Toleranz. Als Zeitzeuge konnte er durch seine Erzählungen viele junge Menschen erreichen, um die schrecklichen Ereignisse des Holocaust den nächsten Generationen weiterzugeben, die vor zukünftigen politischen Fehlentwicklungen gewarnt sein sollten. Seine Stimme ist zwar durch seinen Tod verstummt, doch sein Vermächtnis existiert in seiner publizistischen Arbeit weiter.“

- Jewish Welcome Service:

„Er gehörte zur Aufbaugeneration des Staates Israel und war Weggefährte von Shimon Peres, Yitzhak Rabin, Teddy Kollek wie Ben Gurion. Als langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der ‚Jerusalem Post‘ setzte er sich stets für den Nahostfriedensprozess ein. Er war bis ins hohe Alter unermüdlich unterwegs, um vor allen mit jungen Menschen über seine Erfahrungen von Verlust, Vertreibung und Flucht zu sprechen. Gerade zur jüngeren Generation hatte Ari Rath immer eine besondere Verbindung. Von ihr erwartete er Engagement und Zivilcourage gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Stets fand er die richtigen Worte zur richtigen Zeit und erinnerte immer wieder an die lange verleugnete NS-Vergangenheit Österreichs. Wir sind sehr traurig: Mit Ari Rath verlieren wir einen großen Humanisten und einen lieben Freund. Ari – Der Löwe: Er wird uns sehr fehlen.“

- Oskar Deutsch (Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde):

„Das Leben hielt für Ari Rath manch bittere Erfahrungen bereit. Als Kind antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, wanderte er bereits als 13-Jähriger nach Palästina aus, wo er in einem Kibbuz lebte und arbeitete. Er hat unter den damals sehr schwierigen und entbehrungsreichen Bedingungen tatkräftig am Aufbau Israels mitgearbeitet. Als international bekannter Journalist und ehemaliger Herausgeber der Jerusalem Post hatte seine Meinung großes Gewicht in unserer Gesellschaft.

Nicht nur seine persönlichen Erlebnisse, sondern auch der spätere Umgang Österreichs mit der Geschichte haben Ari Rath zu einer skeptischen und kritischen Haltung bewogen. Seine Versöhnung mit Österreich und Rückkehr nach Wien bedeutete nicht nur für unsere Jüdische Gemeinde eine große menschliche und intellektuelle Bereicherung. Ich habe Ari Rath als einen unermüdlichen Kämpfer für Toleranz und Versöhnung gekannt, er wird uns sehr fehlen.“