ÖHT - Stimmung im Tourismus besser als angenommen
Wien (APA) - Entgegen so mancher Unkenrufe in der Branche steht der Tourismus besser da als angenommen. Zumindest, wenn es nach einer Analys...
Wien (APA) - Entgegen so mancher Unkenrufe in der Branche steht der Tourismus besser da als angenommen. Zumindest, wenn es nach einer Analyse der heimischen Tourismusbank (ÖHT) geht. Diese hat rund 15.800 Jahresabschlüsse ihrer Kunden im Zeitraum 2003 bis 2015 ausgewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Ertragssituation und Eigenkapitalausstattung zuletzt deutlich verbessert haben.
2016 sei es zudem zu einem regelrechten „Investitionsboom“ gekommen. Die Bank hat Investitionen über 660 Mio. Euro mitfinanziert, um 63 Prozent mehr als 2015. Die meisten Investitionen tätigten Hotellerie- und Gastronomiebetriebe in Tirol, Salzburg und Kärnten. „Die Lage ist wesentlich besser, die Stimmung hellt sich auf“, sagte Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien. Auch die Zukunftsaussichten seien makroökonomisch gesehen positiv.
Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) widersprach dem heute dargestellten Bild umgehend: „Die ÖHT hat die Klassenbesten rausgepickt, das breite Mittelfeld fehlt genauso wie die, die durchfallen werden, wenn die USt-Erhöhung, Basel 3 und 4, die Pauschalreiserichtlinie und und und greifen“, sagte ein Sprecher zur APA. ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer warnte davor, die Lage im Tourismus zu positiv einzuschätzen. „Zwar ziehen die Investitionen nach dem Tief der vergangenen Jahre zweifellos wieder an: Aber was heute präsentiert wurde, ist nicht mehr als ein Stimmungsbild von etwas über 1.000 ÖHT-Kunden“, so Gratzer.
Auch Neos-Tourismussprecher Sepp Schellhorn kritisierte die „wiederholte Schönfärberei“ von Minister Mitterlehner zur Lage des Tourismus in Österreich. Der Tourismus brauche Arbeitszeitflexibilisierungen, echte Entlastungen und Bürokratieabbau.
2016 investierten die Betriebe insbesondere in Betriebsgrößenoptimierungen und Qualitätsverbesserungen. „Die Aufenthaltsdauer der Gäste ist dramatisch rückläufig“, meinte ÖHT-Geschäftsführer Wolfgang Kleemann. Ein Gast, der nur zwei Tage bleibe, sei in dieser Zeit sehr anspruchsvoll. Die Auswertung der Jahresabschlüsse habe gezeigt, dass sich 3-Stern-Betriebe bei der Kapazität verbessern müssen. Bei dieser Kategorie liegt die Eigenkapitalausstattung im Median bei 6 Prozent. 4-Stern-Betriebe hingegen hätten im Median 14 Prozent Eigenkapital.
Laut einer aktuellen Wifo-Einschätzung sind die Tourismus-Umsätze im Jahr 2016 nominell um 4,4 Prozent (real um 2,1 Prozent) auf 25,4 Mrd. Euro gestiegen. Der Sommer 2016 brachte so viele Touristen wie noch nie und mit 72,92 Millionen die meisten Nächtigungen seit 1993. Auch die Wintersaison 2016/17 ist vielversprechend gestartet.
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