Community Polizei in Basel - Konfliktmanagement im öffentlichen Raum
Basel (APA) - Community-Polizei in Basel bedeutet ein jahrzehntelang gewachsenes Konzept, mit dem Konfliktmanagement im öffentlichen Raum gu...
Basel (APA) - Community-Polizei in Basel bedeutet ein jahrzehntelang gewachsenes Konzept, mit dem Konfliktmanagement im öffentlichen Raum gut funktioniert. Bei einem Lokalaugenschein in der Schweizer Stadt am Donnerstag trat zutage, dass das Modell gerade bei der Vermittlung und Kontaktherstellung zwischen Vertretern divergierender Interessen funktioniert. Ein Allheilmittel ist Community Policing aber nicht.
Gerhard Lips ist seit 2009 Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt und damit verantwortlich für etwa 1.000 Beamte, davon rund 750 im eigentlichen Polizeidienst. Ein wesentliches Konzept der Arbeit der Exekutive in Basel ist das Community Policing. Dabei hat jedes Quartier (etwa vergleichbar mit den Wiener Bezirken) einen sogenannten Community-Polizisten, an den sich die Bevölkerung mit Problemen und Fragen aller Art wenden kann - zu normalen Tagesdienstzeiten. Treten in der Nacht Probleme auf, muss der Bürger die zu dieser Zeit erreichbaren Polizeibeamten kontaktieren. Allerdings ergeht von ihnen oft eine Information an den Community-Polizisten. Das Konzept ist seit bald 20 Jahren in der Basler Kantonspolizei verankert.
Bewährungsproben gibt es in der Schweizer Grenzstadt mit knapp 200.000 Einwohnern im Kanton nicht wenige. Zwei Beispiele: Zum einen geht es um das vor einigen Jahren auf Initiative der Stadtverwaltung belebte Rheinufer auf der Seite des rechtsrheinischen Stadtteils Kleinbasel, davor eine sehr ruhige Wohngegend für Wohlhabende. „Das Rheinufer war praktisch ein verlängerter Vorgarten für die Anrainer“, schilderte Michel Hostettler, für das Quartier zuständiger Community-Polizist. „Sie bekamen normalerweise ein paar Jogger und ein paar Fußgänger zu sehen.“
Die Stadt beschloss dann, um zehn Millionen Franken (9,31 Mio. Euro) das Areal zu beleben. Es wurde verkehrsberuhigt, Grünanlagen wurden errichtet und Sitzgegelegenheiten geschaffen. „Das war ein voller Erfolg“, sagte Hostettler. Nur die Anrainer sahen das zunächst anders, denn mit den Menschen kamen auch Probleme: Raufereien, Körperverletzungen, Diebstähle, Raubüberfälle, Lärm, Alkohol, Griller, Abfall und Wildpinkler, die ihre Geschäfte teilweise in den Vorgärten der Bewohner verrichteten. „Die ersten vier Probleme sind Aufgabe der Polizei“, sagte Hostettler. Als Reaktion wurde die Streifentätigkeit verstärkt.
Die anderen Probleme konnte die Exekutive nicht allein lösen. Die Community-Polizisten holten die zuständigen Behörden, Anrainer, Private, Unternehmer und Halbprivate an einen Tisch. „Den Lead hatte die Community-Polizei“, sagte Hostettler. Es wurde ein Runder Tisch eingerichtet, an dem die Beteiligten sechsmal pro Saison und bei Bedarf öfter zusammenkommen. Das Abfallproblem wurde unter anderem durch das Aufstellen neuer Müllbehälter entschärft, außerdem wurde die Reinigung des Areals - davor Aufgabe dreier verschiedener Behörden - ausschließlich in die Hände der Stadtreinigung gelegt.
Die Wildpinkler-Frage löste man durch Aufstellen von Mobil-WCs. Ein wichtiger Punkt war Hostettler die Einrichtung temporärer Straßencafes, wodurch das Gelände eine Struktur erhielt und damit auch die soziale Kontrolle verstärkt wurde, was zum Beispiel bei Lärmverursachern hilft. „Wir können sicher nicht alles lösen“, resümierte Hostettler. „Aber wir haben es zumindest geschafft, dass es für alle Beteiligten in Ordnung ist.“
Zum anderen gibt es die Kontakt- und Anlaufstelle (K+A) Dreispitz im linksrheinischen Großbasel. Dort ist direkt neben dem Friedhof ein Konsumraum für Drogensüchtige eingerichtet. Täglich entweder von 11.00 bis 16.00 Uhr oder von 16.00 bis 22.00 Uhr geöffnet, kommen mehr als 200 Drogenkonsumenten, um sich einen Schuss zu setzen, Spritzen zu tauschen und sich beraten zu lassen. Bei der K+A Dreispitz arbeiten die Basler Suchthilfe, die das Zentrum betreibt, mit der Community-Polizei, vertreten durch den örtlichen Ansprechpartner David Schmid, der Stadtgärtnerei, die für den Friedhof zuständig ist, und dem Team Mittler zusammen.
Letzteres sucht Süchtige im Umfeld der K+As sowie an Treffpunkten der Szene auf, veranlasst die Entsorgung von weggeworfenen Spritzen, informiert die Polizei über deren Fundorte und ist auch Ansprechpartner für Anrainer, wenn es um Probleme mit Drogensüchtigen geht. Nicht zuletzt durch die Informationen der Mittler kann die Exekutive rasch reagieren, wenn die Gefahr besteht, dass sich eine offene Szene bildet. Außerdem sorgen die Polizisten im Umfeld der K+A für Ordnung und garantieren, dass die Konsumenten in der Anlaufstelle in Ruhe gelassen werden. Es wird auch für deren Anonymität garantiert.
Nicht zuletzt verhindern die beteiligten Organisationen, dass sich in der K+A nicht zugelassene Drogensüchtige auf das Areal des Friedhofs zurückziehen. In die K+A dürfen nur Süchtige über 18 mit einem Wohnsitz in der Schweiz. Wie am Rheinufer treffen einander Beteiligte und Betroffene regelmäßig, um aufgetauchte Probleme möglichst schnell in den Griff zu bekommen. „Das Gesprächsklima war früher sicher schwieriger“, sagte Saskia Leu-Hausmann von der Basler Suchthilfe über das Auskommen mit der Polizei.
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