Community Polizei in Basel - Gemeinsame Philosophie in der Schweiz

Basel (APA) - Die Schweiz hat das Thema Community Policing mittlerweile verinnerlicht. „Es gibt in der Schweiz eine gemeinsame Philosophie“,...

Basel (APA) - Die Schweiz hat das Thema Community Policing mittlerweile verinnerlicht. „Es gibt in der Schweiz eine gemeinsame Philosophie“, erläuterte Rudolf Spaar, Ressortleiter Community Policing im Bezirk Großbasel, bei einem Besuch österreichischer Journalisten und Polizisten. Mittlerweile ist es auch ein Pflichtgegenstand in der Schweizer Polizeiausbildung, der mit einer Prüfung abgeschlossen werden muss.

Sein oberster Chef Gerhard Lips, Kommandant der Kantonspolizei Basel, sagte, dass die Beamten in der Stadt „das Thema verinnerlicht haben“. Zur Erklärung: Die Umsetzung der gemeinsamen Philosophie in der Schweiz ist Aufgabe der einzelnen Kantonspolizeibehörden. Entsprechend unterschiedlich sind die Zugänge.

Das wichtigste ist nach Meinung der Experten für jeden vollamtlichen Community-Polizisten der Aufbau eines Netzwerkes - Kontakte, an die man sich zur Problemlösung auf kurzen Weg wenden kann. „Die Bevölkerung glaubte, die haben Uniformen, die sind zuständig. Wir sagen aber: ‚Für den einen Punkt sind wir zuständig, für den anderen aber nicht. Aber der und der und, wissen Sie was, ich mach die Verknüpfung für Sie‘“, erläuterte Spaar die Bedeutung dieser Kontakte für die Community-Polizisten. Für den Aufbau eines solchen Netzwerkes benötige man aber fünf Jahre. „Und wenn wer neuer kommt, braucht das Netzwerk zwei Jahre, bis es wieder so funktioniert wie es war.“

Klar ist aber auch so Lips, dass Community-Polizisten „nicht die Weichspüler-Polizisten sind“. Sie seien genauso in der Organisation und müssen Recht und Ordnung durchsetzen. Gewissenskonflikte dürfe es nicht geben, ergänzte Spaar: „Die Freiheit des Community-Polizisten muss dort enden, wo er sich strafbar macht.“ Es gehe auch nicht, dass der Community-Polizist im Spitzelwesen eingesetzt werde.

Spaar sagte, die Implementierung des Gedankens des Community Policing benötige Zeit. Und es sei auch ein Generationenwechsel notwendig, um den Gedanken weiterzuentwickeln und für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen.

Experten in Wien, die das Projekt „Gemeinsam sicher“ des Innenministeriums kritisch betrachten, betonten wiederholt: Community Policing muss wachsen. Das könne nicht von der Führungsebene angeordnet werden, nach dem Motto: ‚Du, Polizeibeamter, musst jetzt mit dem Bürger sprechen‘. „Gemeinsam sicher“-Projektleiter Gerhard Lang betonte bei dem Besuch in Basel, dass Nachhaltigkeit für Community Policing entscheidend sei. Nicht zuletzt wegen des Fehlens dieser Nachhaltigkeit seien zahlreiche ähnliche Versuche in Österreich in der Vergangenheit verpufft.