Fußball: Afrika-Cup-Gastgeber Gabun hofft auf Superstar Aubameyang
Libreville (APA/dpa/sda/Reuters) - Große Fußball-Begeisterung und umjubelte Profis auf der einen Seite, extreme Armut und politische Turbule...
Libreville (APA/dpa/sda/Reuters) - Große Fußball-Begeisterung und umjubelte Profis auf der einen Seite, extreme Armut und politische Turbulenzen auf der anderen: Der am Samstag beginnende prestigeträchtige Afrika Cup ist auch ein Turnier der Gegensätze. Insgesamt 16 Teams spielen bis zum 5. Februar in Gabun um den Titel. Die Gastgeber gehören trotz Dortmunds Superstar Pierre-Emerick Aubameyang aber nicht zum engsten Favoritenkreis.
Der Titel wird erneut der Elfenbeinküste zugetraut, auch wenn die Routiniers Yaya Toure und Didier Drogba nicht mehr dabei sind. Oder dem ewigen Verlierer Ghana, der bei den letzten fünf Turnieren zweimal im Finale und dreimal in den Halbfinals verlor - und mit Lieferings Samuel Tetteh den einzigen Österreich-Beitrag im Kader hat. Oder Algerien mit dem Premier-League-MVP Riyad Mahrez vom englischen Meister Leicester City, dem Flügel Yassine Brahimi vom FC Porto und dem Schalke-Spielgestalter Nabil Bentaleb.
Aubameyang, Mahrez und Bentaleb sind drei der unzähligen Stars aus den europäischen Top-Ligen. Die Premier League, die Ligue 1, die deutsche Bundesliga, La Liga und die Serie A sind mit insgesamt 86 Spielern vertreten. Oftmals zum Bedauern der Trainer. Leicester muss neben Mahrez auch Islam Slimani (Algerien) und Daniel Amartey (Ghana) vorgeben. Das Spiel zwischen Liverpool und Manchester United am Sonntag geht ohne den ManUniteds ivorischem Afrika-Cup-Titelverteidiger Eric Bailly und Liverpools Ex-Salzburger Sadio Mane (Senegal) über die Bühne.
Auch in Deutschland hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Das tut schon weh“, sagte Hertha-Coach Pal Dardai zum Fehlen des Ivorers Salomon Kalou. „Aber bei der Nationalmannschaft kann man immer Selbstvertrauen tanken.“ Schalke-Trainer Markus Weinzierl, der in Bentaleb, Abdul Rahman Baba und Bernard Tekpetey gleich auf drei Profis verzichten muss, bezeichnete die Terminierung des Afrika Cups als „sehr ärgerlich“. Insgesamt sind 232 der 368 beim Afrika Cup engagierten Kicker in Europa unter Vertrag.
Es ist fast Ironie des Schicksals, dass der Afrika-Cup in den nächsten drei Wochen ausgerechnet in Gabun stattfindet. Das Land in Zentralafrika führt das Turnier durch, weil das als Veranstalter vorgesehene Libyen vor etwas mehr als zwei Jahren wegen des Bürgerkriegs seine Gastgeberrolle zurückgeben musste. Doch mittlerweile ist Gabun selbst in eine kritische innenpolitische Lage geraten.
Seit der Wiederwahl im vergangenen August von Präsident Ali-Ben Bongo Ondimba, dessen Familie seit den Sechzigerjahren an der Macht ist, gibt es im Land immer wieder Unruhen. Dem Präsidenten wird massiver Wahlbetrug vorgeworfen. Ausschreitungen im letzten Herbst forderten Hunderte von Toten. Oppositionelle Politiker rufen nun vor dem Afrika-Cup dazu auf, die Spiele zu boykottieren und in den Spielorten zu demonstrieren, wenn auch „friedlich und ohne Gewalt“ wie sie in ihren Manifesten schreiben.
Insgesamt ist der Afrika-Cup einfach viel zu teuer für ein Land wie Gabun, das zwar im innerafrikanischen Vergleich wirtschaftlich nicht schlecht dasteht, das aber aufgrund des sinkenden Erdölpreises eine Krise durchmacht. Die Kosten für das dreiwöchige Turnier sind fast doppelt so hoch wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt Gabuns. Außerhalb der Hauptstadt Libreville ist die Infrastruktur desolat. Es wird kolportiert, dass der Titelverteidiger Elfenbeinküste in seinem Vorrunden-Spielort Oyem Mühe gehabt habe, ein Hotel mit warmem Wasser zu finden.
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