Wehsely-Rücktritt - Wehsely 2 - Blick auf hervorragende „runde Jahre“

Wien (APA) - „Die letzten 20 Jahre meines Lebens waren hervorragend. Dass ich sage, ich möchte keinen Tag missen, wäre ein bisschen geschwin...

Wien (APA) - „Die letzten 20 Jahre meines Lebens waren hervorragend. Dass ich sage, ich möchte keinen Tag missen, wäre ein bisschen geschwindelt. Aber im Grunde war es schon so, dass ich in 99 von 100 Tagen gern in der Früh ins Rathaus gekommen bin“, beteuerte Wehsely. Auch mit ihrer Bilanz als Stadträtin zeigte sie sich zufrieden: „Ich freue mich darüber, dass diese zehn Jahre sehr rund waren.“

Es sei gelungen „sehr viel weiterzubringen“. Wobei sie klarstellte: „Mein Politikverständnis war immer das, dass ich nicht in die Politik gegangen bin, um eine Funktion zu haben, sondern dass mein Grund in die Politik zu gehen immer der war, zu gestalten. Das Motto war immer, im Rahmen dessen was möglich ist, diese Stadt ein bisschen gerechter zu machen.“

Dass sie als Stadträtin auch regelmäßig teils harscher Kritik ausgesetzt war, verhehlte sie nicht: „Mein Zugang war immer der, Herausforderungen zu sehen, Herausforderungen anzusprechen und dann diese Herausforderungen zu lösen. Veränderungen bedeuten in acht von zehn Fällen, dass es dagegen Widerstände gibt, weil manche, die es sich in diesem System für sich gut eingerichtet haben, es dann anders haben.“

„Keine Kompromisse“ seien jedoch in Menschenrechtsfragen möglich, erinnerte sie an die Flüchtlingssituation im Vorjahr. Hier habe es für sie durchaus „Beliebtheitsdellen“ gegeben: „Das habe ich aber nie als Problem gesehen.“ Für Gegner in den eigenen Reihen setzte es zumindest einen kleinen Seitenhieb: „Für mich war klar, dass ich mich in Auseinandersetzungen in der Partei nicht so einbringen werde, wie es andere tun.“

Auf die Frage, ob sie jemals das Bürgermeister-Amt angestrebt habe, befand sie: „Bürgermeister von Wien zu sein, ist der tollste Job, den es in Österreich gibt.“ Sie habe sich jedoch entschieden, in diese Auseinandersetzung nicht einzusteigen, sondern in die Privatwirtschaft zu gehen.

Die Rücktritts-Verkündung nahm sie auch zum Anlass, um Bilanz zu ziehen - wobei sie eine Reihe von, wie sie betonte, erfolgreich abgeschlossenen Projekten ins Treffen führte. Das Geriatriekonzept, die Gesundheitsreform, die Neuorganisation der psychiatrischen Betreuung, die Modernisierung der Drogenpolitik oder der neue Vertrag zwischen der Medizinischen Universität und dem Allgemeinen Krankenhaus wurden hier genannt.

Für weitere Vorhaben seien die Weichen gestellt worden. Hier verwies sie vor allem auf das in Umsetzung befindliche Spitalskonzept. Die Liste möglicher Fehler fiel deutlich kürzer aus. Die Situation in den Spitälern - also die Anpassung an neue Arbeitszeitregeln - hätte man etwa durchaus früher ändern können, zeigte sie sich selbstkritisch.

„Herausfordernd“ ist die Situation laut Wehsely derzeit auch für die Wiener SPÖ. Es sei wichtig, dass nun „richtige und nachhaltige Entscheidungen“ getroffen würden. Auf öffentlich geäußerte Vorschläge betreffend ihrer Nachfolge verzichtete sie jedoch. Und auch darüber, ob noch weitere Veränderungen im roten Stadtregierungsteam anstehen, wollte sie nicht spekulieren. Selbst wenn sie es wüsste, würde sie es nicht sagen, beschied sie den zahlreichen Journalisten.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA363 2017-01-13/13:59