Syrien wirft Israel Luftangriff auf Militärflughafen in Damaskus vor

Damaskus (APA/AFP) - Die syrische Armee hat Israel für einen Angriff auf einen Militärflughafen nahe Damaskus verantwortlich gemacht und mit...

Damaskus (APA/AFP) - Die syrische Armee hat Israel für einen Angriff auf einen Militärflughafen nahe Damaskus verantwortlich gemacht und mit Vergeltung gedroht. Ein israelisches Flugzeug feuerte demnach in der Nacht auf Freitag mehrere Raketen auf den Flughafen Mazzeh (Masseh) ab. Russland sei offenbar bereit, die künftige US-Regierung in die geplanten Gespräche über eine Friedenslösung für Syrien einzubinden.

Die syrischen Staatsmedien hatten in der Nacht mehrere Explosionen auf dem Militärflughafen gemeldet. Nach Angaben der den bewaffneten Rebellen nahestehenden Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ereigneten sich acht Explosionen, als Raketen in Munitionslager einschlugen. Der Rauch über dem in Brand stehenden Flughafen war bis Damaskus zu sehen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der regierungsnahe Sender Sana TV hatte bereits in der Nacht berichtet, der Flughafen sei Ziel eines Luftangriffs gewesen. Auf dem Flughafen hat der Geheimdienst der Luftwaffe seinen Sitz, der dort auch über ein großes Gefängnis verfügt. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die israelische Armee wollte die Berichte auf Anfrage von AFP nicht kommentieren.

Seit dem Beginn des Bürgerkriegs 2011 hat die syrische Regierung Israel schon mehrfach für Angriffe auf syrischem Gebiet verantwortlich gemacht, darunter auch in der Gegend von Mazzeh (Masseh). Die israelischen Streitkräfte gingen auch gegen die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah in Syrien vor, die dort an der Seite der Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad kämpft.

Die Gespräche zwischen der syrischen Führung und den Rebellen über die Zukunft des Landes sollen am 23. Jänner in der kasachischen Hauptstadt Astana stattfinden - drei Tage zuvor tritt Donald Trump sein Amt als US-Präsident an. Die Gespräche stehen unter der Schirmherrschaft Russlands, der Türkei und des Iran.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte dazu am Donnerstagabend am Rande der Genfer Zypern-Verhandlungen: „Die USA sollten auf jeden Fall eingeladen werden, und das haben wir mit Russland vereinbart.“ Die Rolle Washingtons könne „niemand ignorieren“. Dies sei eine „prinzipielle Position“ der Türkei.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag, er könne sich dazu „derzeit nicht konkret“ äußern. Moskau sei aber „natürlich“ für eine größtmögliche Beteiligung an den Syrien-Gesprächen in Kasachstan.

Moskau und Teheran sind Verbündete Assads, Ankara unterstützt dagegen dessen bewaffnete Gegner. Cavusoglu hatte in der vergangenen Woche gewarnt, die Gespräche seien durch „zunehmende Verletzungen“ einer seit Ende Dezember geltenden Waffenruhe gefährdet. Angesichts der andauernden Kämpfe hatten mehrere syrische Rebellengruppen bereits Anfang Jänner die Vorbereitungen für die Gespräche auf Eis gelegt.

Russland und die Türkei hatten die Waffenruhe zwischen der syrischen Regierung und den Rebellengruppen - mit Ausnahme der Jihadistenmilizen - unterzeichnet. Am Donnerstag vereinbarten Russland und die Türkei, sich künftig bei Luftangriffen auf Jihadistengruppen in Syrien abzustimmen. Die in Moskau unterzeichnete Vereinbarung zielt darauf ab, „Zwischenfälle zu verhindern, wenn Flugzeuge und unbemannte Flugkörper im syrischen Luftraum sind“, erklärte das russische Außenministerium.

Die Waffenruhe erscheint inzwischen brüchig. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden am Donnerstag bei einem Luftangriff in der Provinz Aleppo mindestens sechs Zivilisten getötet. Am Abend sprengte sich zudem ein Attentäter in Damaskus in die Luft. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, der Mann habe mindestens sieben Menschen mit in den Tod gerissen. Die Beobachtungsstelle sprach von vier getöteten Soldaten unter den Opfern.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle verfügt in Syrien nach eigenen Angaben über ein Netzwerk von Informanten. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.