Das Comeback von Schlierenzauer macht Hoffnung auf mehr
„Wir sind froh, dass wir wieder einen mehr haben, der vorne reinspringen kann“, freute sich ÖSV-Co-Trainer Andreas Widhölzl nach dem achten Platz von Gregor Schlierenzauer in Wisla.
Wisla - Gregor Schlierenzauer hat sein mit Spannung erwartetes Comeback nach 376 Tagen Wettkampf-Pause mit Bravour absolviert. Im ersten Bewerb in Wisla qualifizierte er sich souverän und verpasste als 31. nur knapp Weltcup-Punkte, im zweiten gewann er die Qualifikation, lag nach einem 135,5-m-Flug auf Platz vier und landete auf dem starken achten Rang. Und dies nach einem Kreuzbandriss im März 2016.
Dementsprechend war nicht nur der 53-fache Weltcup-Sieger, der auch vom polnischen Publikum mit viel Jubel wieder aufgenommen wurde, sondern auch sein Umfeld begeistert. Sein neuer Manager Hubert Neuper, der Schlierenzauer übrigens bis zum Saisonende zu jedem Weltcuport und - im Falle der Qualifikation - auch zur WM nach Lahti begleiten möchte, schwärmte von Schlierenzauer. „Was er wirklich gut gemacht hat, ist, dass er den 31. Rang mit Demut und Anstand angenommen hat. Er weiß, dass es noch was zu tun gibt, aber er weiß, dass es gute Chancen gibt, dass er zurückkommt“, konstatierte der Ex-Springer und Kulm-Organisator.
Sinnkrise überwunden
Neuper sah aber auch die Überwindung der Sinnkrise, die Schlierenzauer vergangenes Jahr durchgemacht hatte, als eine Art Sieg. „Wenn man sich im Sport misst, dann ist das Podest das Endziel, aber es nicht mehr vordergründig das Ziel von Gregor, sondern, dass er diese Zeit durchgestanden hat, wo er den Abgrund, unter Anführungszeichen, gesehen hat, und dass er irgendwann stehengeblieben ist, das ausgehalten hat und gesagt hat, okay ich gehe den Weg weiter.“ Neuper sieht Schlierenzauer da als Vorbild. „So inspiriert er viele Millionen Menschen, die sehen, es zahlt sich aus durchzuhalten, weiterzugehen, nicht nur im Sport.“
Schlierenzauer sprach von einer Riesen-Genugtuung und einem schönen Gefühl, weil es ihm gleich wieder so aufgegangen ist. „Es ist eine tolle Bestätigung, dass wir auf einem guten Weg sind. Ein guter Schritt, um weiterzugehen in Richtung Zakopane.“ Von einer Befreiung für den Kopf sprach Schlierenzauer. Auch im Hinblick auf das rechte Knie, das der Belastung des Riesensatzes im ersten Sonntag-Durchgang samt Telemark standhielt. Ein Sprung, der ihm sogar einmal die Note 20,0 einbrachte.
„Das ist jetzt ein riesen-grünes Hakerl, dass das, was man sich erarbeitet hat, in die richtige Richtung geht“, meinte ein gelöster Schlierenzauer. Durchaus hat er den „alten“ Gregor in sich gespürt, als er als Viertletzter in den Bewerb ging. „Ja, er war teilweise schon da, aber natürlich fehlt mir noch ein bisserl die Festigkeit und auch die Basics“, sagte der Stubaier. „Der Zug ist jetzt einmal losgefahren, ich sitze einmal drinnen und jetzt gilt es die nächsten Stationen anzupeilen.“ Das Knie spüre er ein bisschen, aber die Physios würden ja gute Arbeit leisten. Schlierenzauer reiste übrigens noch am Sonntag mit Manager Neuper nach Wien, um gleich am Montag einen Physiotermin in Wien wahrzunehmen.
Co-Trainer Widhölzl: „Hut ab“
Auch ÖSV-Co-Trainer Andreas Widhölzl war angetan vom Comeback des Schützlings. „Hut ab, er hat wirklich gut gearbeitet und Respekt, wie er den Sprung im ersten Durchgang reingepflanzt hat, das war sehr ‚killer-like‘“, sagte der Tiroler. Ob Schlierenzauer nun gar schon für den Teambewerb am Samstag in Zakopane ein Thema sein könnte? „Man freut sich immer, wenn es schwierig wird zum Aufstellen, das darf dann der Chef entscheiden“, meinte er mit einem Lächeln in Richtung des pausierenden Cheftrainers Heinz Kuttin. „Wir sind froh, dass wir wieder einen mehr haben, der vorne reinspringen kann.“ (APA)