Deutscher Agrarminister will Tierwohl-Siegel „an jeder Ladentheke“

Berlin (APA/AFP) - Fleisch mit dem geplanten staatlichen Tierwohl-Siegel soll es nach Angaben des deutschen Landwirtschaftsministers Christi...

Berlin (APA/AFP) - Fleisch mit dem geplanten staatlichen Tierwohl-Siegel soll es nach Angaben des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) künftig „an jeder Ladentheke“ geben. Starten will der Minister mit Schweinefleisch, dann soll es das Label auch für Geflügelfleisch geben, später einmal für Rindfleisch. Es kennzeichnet Fleisch von Tieren, deren Halter die gesetzlichen Vorgaben übertreffen.

Die Tiere haben etwa mehr Platz, bekommen besseres Futter oder Spielmaterial, um sich zu beschäftigen.

Minister Schmidt will das Label auf der Grünen Woche präsentieren, die am Freitag in Berlin beginnt. Es werde voraussichtlich zwei Stufen geben, Standard und Premium, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dafür würden jeweils Anforderungen an eine artgerechte Haltung definiert.

Landwirte, die teilnehmen wollen, will Schmidt zusammen mit den Bundesländern finanziell unterstützen. Dem „Tagesspiegel“ (Montagsausgabe) sagte der Minister: „Produkte mit Tierwohl-Label müssen bezahlbar sein“ für den Käufer. Die Verbraucher sollen selbst entscheiden, ob sie für höhere Standards in der Tierhaltung auch mehr Geld ausgeben.

Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage der Umweltschutzorganisation Greenpeace ergab, dass 89 Prozent der Deutschen eine staatliche Haltungskennzeichnung von Fleisch begrüßen würden. 79 Prozent sprechen sich demnach für eine verpflichtende Kennzeichnung aus. Das von Minister Schmidt geplante Label ist hingegen freiwillig.

Auf Freiwilligkeit setzt auch die Brancheninitiative Tierwohl, an der neben der Fleischindustrie große Einzelhandelsunternehmen und der Bauernverband beteiligt sind und die jetzt schon ein Tierwohl-Label vergibt. Die Händler verpflichten sich, für jedes verkaufte Kilogramm Fleisch vier Cent in einen Fonds einzuzahlen. Mit dem Geld werden Landwirte gefördert, die ihre Ställe umwelt- und tierfreundlicher ausbauen als gesetzlich vorgeschrieben.

Rund 4.500 von insgesamt 25.000 Schweinebetrieben hätten sich schon angemeldet, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied „Focus Online“. Im nächsten Jahr flössen durch eine Abgabe von 6,25 Cent pro Kilo Fleisch im Einzelhandel rund 100 Mio. Euro in den Fonds für Verbesserungen in der Tierhaltung.

Rukwied mahnte, das geplante staatliche Gütesiegel dürfe die Initiative Tierwohl nicht gefährden. Das Staatslabel müsste künftig mit der Initiative verzahnt werden - dann würden die Bauern das Vorhaben begleiten, sagte er „Focus Online“.

Laut den bisher bekannt gewordenen Eckpunkten für das staatliche Tierwohl-Label will Minister Schmidt die Brancheninitiative aber auch nicht gefährden. Er will vielmehr „systematisch Schnittstellen anlegen“ und die Erfahrungen der Initiative nutzen.

Schmidt hofft auf eine „breite Marktdurchdringung“, wie er dem „Tagesspiegel“ sagte. Mehr als 75.000 Produkte trügen inzwischen das deutsche Biosiegel - „diese Entwicklung will ich mit dem Tierwohl-Label auch erreichen“.

Die Tierschutz-Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, kritisierte, ein freiwilliges Label, dessen Einstiegsstufe nur knapp über den gesetzlichen Anforderungen liegt, sei „Verbrauchertäuschung“. Die Grünen fordern eine verpflichtende Kennzeichnung wie bei Eiern.

Verbraucherschützer begrüßten Schmidts Pläne. „Gut zwei Drittel der Verbraucher wünschen sich eine solche Information“, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, der „Südwest Presse“ (Montagsausgabe). „Ein solches Label muss so einfach wie möglich gestaltet sein“, forderte Müller, nach dessen Einschätzung die meisten Verbraucher bereit wären, für Produkte aus tiergerechter Haltung etwa ein Drittel mehr zu zahlen.

(NEU: Verbraucherzentrale Bundesverband)