John McCain: Ein Stachel im Fleisch des künftigen US-Präsidenten

Washington (APA/AFP) - John McCain ist eine Instanz in der Republikanischen Partei. Der 80-Jährige sitzt seit 1987 im US-Senat, gerade erst ...

Washington (APA/AFP) - John McCain ist eine Instanz in der Republikanischen Partei. Der 80-Jährige sitzt seit 1987 im US-Senat, gerade erst wurde er für eine weitere sechsjährige Amtszeit gewählt. Doch mit dem künftigen US-Präsidenten hat der Kriegsveteran seine Probleme. „Fragen Sie mich nicht nach Donald Trump. Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich möchte nicht, dass man mir Fragen nach Donald Trump stellt“, sagte er im November.

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses könnte zu einem der größten Widersacher des neuen Präsidenten innerhalb der eigenen Partei werden - vor allem auf dem Feld der Russland-Politik. Während Trump sich bewundernd über Wladimir Putin äußert und einen raschen Schulterschluss mit ihm anstrebt, hält McCain den russischen Staatschef für einen „Verbrecher“ und „Mörder“.

Das Verhältnis zwischen McCain und Trump ist schwer belastet. Der rechtspopulistische Immobilienmilliardär hatte gleich zu Beginn seiner Wahlkampagne den Status des Senators als Kriegsheld in Zweifel gezogen. McCain war als Kampfflieger während des Vietnamkrieges abgeschossen worden, verbrachte fünfeinhalb Jahre in Gefangenschaft des Vietcong und wurde gefoltert. Für ihn sei McCain „kein Held“, ätzte gleichwohl Trump, der selber den Wehrdienst einst umgangen hatte. „Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?“.

Mccain schluckte die Schmähung ein Jahr später herunter und unterstützte Trump, nachdem dieser zum Präsidentschaftskandidaten gekürt worden war. Die nur halbherzige Unterstützung währte allerdings nicht lange - der Senator zog sie wieder zurück, als das Skandalvideo mit Trumps frauenfeindlichen Sprüchen publik wurde.

Der Senator war selber 2008 als Präsidentschaftskandidat gegen Barack Obama gescheitert. Er verlor dadurch aber nicht an Einfluss und Autorität im Senat, wo er eine wichtige Stimme in der Verteidigungs- und Außenpolitik ist. Trump wird also in den kommenden Jahren nicht an McCain vorbeikommen - zumal die Republikaner im Senat nur eine knappe Mehrheit haben, also jede Stimme zählt.

Auf Oppositionskurs zum künftigen Präsidenten befindet sich der Senator bereits im Streit um die mutmaßlichen russischen Cyber-Interventionen zugunsten Trumps im Wahlkampf. Der künftige Präsident hat entgegen der Erkenntnisse der US-Geheimdienste diese Einmischungen in Zweifel gezogen und stellt Moskau die Aufhebung der deswegen von Obama verhängten Sanktionen in Aussicht. McCain will diese Strafmaßnahmen hingegen noch verschärfen - er geißelt die mutmaßlichen russischen Cyberattacken als „Kriegsakt“.

Ein Widersacher Putins ist der Senator schon seit Jahren. McCain reist regelmäßig in die Ukraine, wo er 2013 die auf dem Maidan demonstrierende Opposition unterstützte. Als der Westen nach der Annexion der Krim Sanktionen gegen Moskau verhängte, antwortete der Kreml seinerseits mit einer Liste unerwünschter Personen - auf der steht auch McCain.

„Ich denke, das heißt, dass meine Frühjahrsferien in Sibirien gestrichen sind, dass ich meine Gazprom-Aktien verliere und dass mein geheimes Bankkonto in Moskau eingefroren wird“, lautete der ironische Kommentar McCains dazu. Er kann Trump, der offenbar über eine Männerfreundschaft mit Putin auf bessere Beziehungen zu Russland setzt, nicht verstehen. „Ich sehe nicht, wie man mit diesem ehemaligen KGB-Agenten befreundet sein kann.“

Das Dossier mit den angeblich belastenden und als Erpressungsmaterial geeigneten Informationen aus Russland über Trump, das vor wenigen Tagen öffentlich wurde, war im vergangenen Jahr auch in McCains Hände gelangt. Er leitete es nach eigenen Angaben an den Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, weiter. Dies sei aber das ganze „Ausmaß seines Kontakts mit dem FBI oder jeglichen anderen Regierungsbehörden“ in dieser Angelegenheit gewesen, betonte der Senator.