Trumps Mexiko-Politik bereitet Autobauern Kopfzerbrechen
Frankfurt/Washington (APA/Reuters) - In der deutschen Autoindustrie herrscht Alarmstufe Rot. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat in d...
Frankfurt/Washington (APA/Reuters) - In der deutschen Autoindustrie herrscht Alarmstufe Rot. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat in der „Bild“-Zeitung BMW dafür kritisiert, Autos günstig in Mexiko bauen und in den USA verkaufen zu wollen. Auch Daimler und die VW-Tochter Audi haben gerade erst Milliarden in dem mittelamerikanischen Land investiert, wo die Lohnkosten viel niedriger sind als in den USA.
„Investitionsentscheidungen in der Automobilindustrie sind langfristig geplant und werden nicht von heute auf morgen über Bord geworfen“, erklärte der Präsident des Autoverbandes VDA, Matthias Wissmann, am Montag. Wegen der Drohung Trumps, auf Importe aus Mexiko Zölle von 35 Prozent zu erheben, werden die Autobauer nach Einschätzung von Analysten Baukräne und Bänder zwar nicht stoppen, doch neue Projekte könnten aufgeschoben oder sogar gestrichen werden.
„Das wird Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen haben“, sagt etwa Jürgen Pieper, Autoanalyst vom Bankhaus Metzler. Trumps Ankündigungen, das Freihandelsabkommen mit Mexiko neu zu verhandeln, sei nicht nur Wahlkampf-Rhetorik gewesen. „Es steckt politischer Wille dahinter, die Freihandelszone Nafta steht zur Disposition“, erklärte Pieper. Trump sagte der „Bild“ an BMW gerichtet: „Wenn Sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen.“ Ähnlich hatte sich der Milliardär schon über Toyota, General Motors und Ford geäußert. Ford gab den Plan für ein neues Werk in Mexiko auf und beugte sich nach Meinung von Experten damit Trumps Druck.
Ford habe das Steuer herumreißen können, weil das Werk noch in der Planungsphase gewesen sei, erklärte Gerhard Wolf, Autoanalyst von der Landesbank Baden-Württemberg. „Die deutschen Hersteller sind schon in der Bauphase, das ist schwieriger zu stoppen.“ Sie könnten jedoch die geplanten Kapazitäten stutzen. „Alle Autobauer werden künftig vorsichtiger agieren, um nicht auf Überkapazitäten sitzen zu bleiben“, sagte Frank Schwope, Autoexperte von der NordLB.
Die Volkswagen-Tochter Audi nahm erst im Herbst ihr neues Werk in San Jose Chiapa in Betrieb, wo der SUV Q5 sowohl für die USA als auch für den Weltmarkt produziert wird. Daimler will bald mit Renault-Nissan eine gemeinsame Fabrik in Aguascalientes eröffnen. Dieses Jahr soll die Produktion eines Modells der Nissan-Marke Infiniti beginnen, ab 2018 sollen Mercedes-Kompaktwagen vom Band rollen.
BMW hat im Vergleich dazu noch einen größeren Spielraum, Investitionen zu stutzen. Der Bau des ersten großen Standorts in San Luis Potosi, wo sich auch Ford niederlassen wollte, hat gerade erst begonnen. Der Produktionsstart für den 3er BMW ist erst für 2019 geplant. BMW-Chef Harald Krüger hatte der „Börsen-Zeitung“ dazu im Dezember erklärt: „Uns bleibt also noch Zeit, um uns auf mögliche Entwicklungen einzustellen.“ Krügers Vorstandskollege Peter Schwarzenbauer erklärte am Montag, BMW werde an seinem Mexiko-Plan festhalten. LBBW-Analyst Wolf hält es dennoch für möglich, dass die Münchner davon Abstand nehmen.
Die Autoindustrie hofft, dass Trump als Geschäftsmann wirtschaftlichen Argumenten Gehör schenkt. „Mit dem Aufbau von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden“, warnte VDA-Chef Wissmann. Gute Handelsbedingungen seien entscheidend für das Wirtschaftswachstum. „Man kann vor den weltweiten grassierenden Tendenzen zum Protektionismus nur warnen. Am Ende nehmen alle Nationen davon, trotz scheinbar kurzfristiger Vorteile, nur Schaden“, ergänzte Wissmann.
Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in China oder Südamerika gebe es Tendenzen zu Protektionismus, sagte LBBW-Analyst Wolf. Zölle und andere Handelsschranken seien deshalb ein Faktor, der zusätzlich zu Produktionskosten und Absatzchancen einkalkuliert werden müsse. Der Zwang zur Lokalisierung, also der Produktion vor Ort für den jeweiligen Markt, werde wachsen. „Investitionsentscheidungen werden komplexer - die Autobauer müssen lernen, noch flexibler mit den Standorten umzugehen.“