Heer sichert Luftraum für Davos - Doskozil will mehr Kooperationen
Wien (APA) - Rund 1.100 Bundesheer-Soldaten sind derzeit im Einsatz, um während des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos den Luftr...
Wien (APA) - Rund 1.100 Bundesheer-Soldaten sind derzeit im Einsatz, um während des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos den Luftraum in der Region zu sichern. Bundeskanzler Christian Kern und Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (beide SPÖ) schauten am Montag in der Einsatzzentrale vorbei. Doskozil sprach sich dabei für Abkommen zur „Nacheile“ mit allen Nachbarstaaten Österreichs aus.
Ziel der aktuellen Luftraumsicherungs-Operation „Dädalus17“ ist es, für die Sicherheit der Teilnehmer und Besucher des „World Economic Forum“ in Davos zu sorgen, das diese Woche stattfindet. Konkret geht es um den Schutz vor Anschlägen aus der Luft. Davos liegt nahe der österreichischen Grenze, deshalb erstreckt sich das vorübergehende Flugbeschränkungsgebiet zu einem Drittel auf österreichisches Staatsgebiet - über Teile Vorarlbergs und Tirols.
Geführt wird die Operation vom neuen Kommando Luftstreitkräfte in der „Einsatzzentrale Basisraum“ in St. Johann im Pongau, wo der Kanzler und sein Verteidigungsminister am Montag vorbeischauten. Das kommt übrigens nicht jeden Tag vor: Zuletzt war vor 30 Jahren ein Regierungschef in der geheimen Bunker-Anlage, nämlich SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky 1987, im Jahr der Erbauung im Schatten des Kalten Krieges. In der Einsatzzentrale im unterirdischen Bunker wurden die Regierungsvertreter am Montag mit den aktuellsten Daten gebrieft - von der Wettersituation bis zu den erwarteten Flügen, die aus Krisengebieten angeflogen kommen.
Die aktuelle Zusammenarbeit mit der Schweiz läuft auf mehreren Ebenen: Verbindungsoffiziere werden ebenso ausgetauscht wie das Luftlagebild, das hier in der Zentrale aus den Daten der Radarstationen erzeugt wird. Heuer sind auch erstmalig die Abfangjäger aus Österreich und der Schweiz permanent miteinander vernetzt. In der Praxis würden die Heeres-Piloten ein Luftfahrzeug, das unerlaubt in den gesperrten Luftraum eindringt, abfangen und es dann aus der Sperrzone eskortieren oder eine Landung erzwingen. Neu ist, dass sich die schweizerischen und österreichischen Jets innerhalb des Flugbeschränkungsgebiets grenzüberschreitend bewegen dürfen. Im Fall eines Terrorangriffs „spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle“, erklärte „Air-Chief“ Karl Gruber. Eine allfällige Feuereröffnung bleibt freilich eine nationale Angelegenheit, wurde versichert.
Der Einsatz kann jedenfalls auch als eine Art Generalprobe für die vom Minister gewünschten grenzüberschreitenden Kooperationen in der Luftraumüberwachung gesehen werden. Wenn man Luftraumüberwachung ernst meine, sei es die Zukunft, „Nacheile“-Abkommen mit Österreichs Nachbarstaaten zu schließen, um eine lückenlose Überwachung gewährleisten zu können, betonte Doskozil vor den mitgereisten Journalisten. Bei der „Nacheile“ geht es um die Grenzüberschreitung bei der Verfolgung von Flugzeugen. Erster Ansprechpartner dafür ist eben die Schweiz, die Gespräche laufen, derzeit werde an einem Vertrag gearbeitet, den der Minister heuer noch gerne abschließen würde. „Sicherheit hört nicht an der Grenze auf“, meinte Doskozil.
Kanzler Kern sieht in der Kooperation im Zuge des Weltwirtschaftsforums einen Beweis, dass die österreichischen Streitkräfte „handlungsfähig“ seien und innerhalb des europäischen Sicherheitsgefüges eine „feste Rolle“ spielten. Diese werde man angesichts der geänderten Bedrohungslage „mit noch größerem Augenmerk zu verfolgen haben“. Es sei wichtig gewesen, mehr Geld ins Bundesheer zu investieren, befand Kern. Er habe sich davon überzeugen können, dass es sich um eine „hochprofessionelle Truppe“ handle.
Insgesamt nehmen immerhin rund 1.100 österreichische Soldaten an der Operation teil. An Gerät werden zwölf Flächenflugzeuge eingesetzt: Mit sechs Eurofightern will man im Ernstfall auf Gefahren mit hoher Geschwindigkeit rasch reagieren können, die vier Pilatus PC-7 „Turbo Trainer“-Flugzeuge stehen wiederum bewaffnet mit Maschinengewehren und Raketen in Innsbruck bereit und werden auch für Überwachungsflüge verwendet. Auch zehn Hubschrauber, darunter zwei Black Hawks, stehen zur Verfügung.